Kirschblüte in Tokio
Kirschblüte in Tokio
Außenansicht der Ignatiuskirche, Pfarrkirche und Kirche der Jesuiten, in Tokio
Außenansicht der Ignatiuskirche, Pfarrkirche und Kirche der Jesuiten, in Tokio

26.04.2021

Gelsenkirchener Priester geht nach Tokio Sushi statt Currywurst

Pfarrer Mirco Quint wollte schon immer im Ausland wirken. Jetzt steht er kurz vor seinem Einsatz in der deutschen Gemeinde Tokio. Woran es noch hakt, während sein See-Container bereits unterwegs ist und worauf er sich freut, erzählt er im Interview.

DOMRADIO.DE: Von der Gelsenkirchener Altstadt geht es nach Tokio, da wird sich vieles für Sie verändern. Es ist eine Riesenstadt mit extrem wenigen Katholiken. Wie wird das wohl werden?

Mirco Quint (Zukünftiger Pfarrer der deutschsprachigen katholischen Gemeinde Tokio): Ja, das wird ganz spannend, glaube ich. Der gemeine Alltag ist natürlich dort erst einmal relativ ähnlich zu dem, was ich hier als Gemeindealltag aus dem Ruhrgebiet heraus kenne. Auch hat die Metropole Tokio ganz, ganz viele Parallelen zum Ruhrgebiet.

Trotzdem kommen da so viele neue Eindrücke auf mich zu, gerade was die Sprache und die Kultur betrifft und auch das Zusammensein eben mit ganz anderen Religionsgemeinschaften, die wir hier in Deutschland ja nur ganz selten kennen. Die Naturreligion Shinto und der Buddhismus sind vorherrschend, die Christen machen nur ein Prozent der Bevölkerung aus.

DOMRADIO.DE: In der deutschen Gemeinde kommen Sie mit der deutschen Sprache ja erst mal ganz gut hin. Wie gut sind Sie denn vorbereitet auf japanische Straßenschilder oder überhaupt die total fremde Sprache?

Quint: Ja, das wird nochmal sehr spannend. Also meine Ansprache ist tatsächlich das Deutsche dort und ich werde gerade in Tokio mit Englisch sehr gut zurechtkommen. Als ich letztes Jahr zu einem Vorbesuch dort gewesen bin, habe ich schon gesehen, dass alle Verkehrsschilder und alle Auszeichnungen und Hinweisschilder immer auch amerikanisiert geschrieben sind. In dem Moment, wo man aber Tokio als Metropole verlässt und dann aufs Land kommt, ist es schon notwendig, die Sprache im Lesen, Schreiben, Hören und dem Sprechen zu erlernen. 

DOMRADIO.DE: Sie haben auch schon damit angefangen?

Quint: Ich starte hier ein bisschen mit Online-Kursen. Aber ich hoffe auch, dass ich so schnell wie möglich nach Tokio reisen kann. Coronabedingt ist das nicht so ganz leicht möglich, auch nicht, dass ich da einen Intensiv-Sprachkurs an der Universität besuchen kann. Das wird mir nochmal einen ganzen Sprung nach vorne verhelfen. Wenn ich dann mit der Sprache jeden Tag umgehen muss, ist das einfacher, als hier im deutschen Kulturkreis zu üben.

DOMRADIO.DE: Sie sind seit Gründung der Deutschen Gemeinde in Tokio der erste Priester, der nur für die Gemeindearbeit dorthin kommt. Was heißt das? Was ist das Besondere für Sie darin?

Quint: Die Gemeinde wird nächstes Jahr 60 Jahre alt. Und die ersten 59 Jahre waren es immer deutschsprachige Jesuiten, die dort gewesen sind. Die deutschen Jesuiten hatten mal vor knapp 60 Jahren eine Japan-Mission gegründet.

Der eigentliche Auftrag war es, dort eine westliche Bildung hinzubekommen, eine Universität zu gründen, Schulen zu gründen, was die total gut gemacht haben. Aber die deutschsprachigen Jesuiten waren hauptsächlich Professoren an der Uni und haben nebenbei sonntags mal einen Gottesdienst in der deutschsprachigen Gemeinde gehalten.

Aber das ist jetzt erstmals anders, dass ich nicht als Professor für die Uni dorthin gehe, sondern eben als Pfarrer einer Pfarrei mit allen Aufträgen. Ich werde auch zur deutschen Schule gehen, um dort Religion und Ethik zu unterrichten, da viel soziale Arbeit zu machen. Ich werde mit der Außenstelle der IHK und dem Goethe-Institut zusammenarbeiten. In der Asien-Gesellschaft werde ich auch in manche diplomatischen Beziehungen eingebunden sein.

Also es ist ein sehr, sehr umfangreiches Programm, was auf mich wartet.

DOMRADIO.DE: Sie wollten sowieso immer schon ins Ausland, ursprünglich nach London. Was reizt Sie jetzt an Ihrer neuen Aufgabe? Vor allem weg zu sein aus dem europäischen Raum?

Quint: Seit elf Jahren bin ich schon mit den verantwortlichen Stellen im Gespräch darüber, dass mir diese Möglichkeit mal eröffnet wird. Am Ausland reizt mich einfach eine andere Kultur, sich auch in eine völlig neue Sprachfamilie einzubinden und da was Neues erlernen zu können.

Ich erhoffe mir schon in diesen fünf Auslandsjahren, dass ich in der fremden Kultur etwas erkennen kann, von dem ich dann bei der Rückkehr nach Deutschland etwas von der Kultur in mein Arbeitsumfeld mit einbringen kann.

DOMRADIO.DE: Corona verzögert ihre Ausreise nach Japan. Haben Sie schon eine Ahnung, wann Sie fliegen dürfen?

Quint: Leider habe ich noch keine Ahnung, wann ich nach Japan fliegen darf. Ich habe mittlerweile eine Arbeitserlaubnis vorliegen für die ersten Jahre dort. Aber coronabedingt ist das Einreisevisum separat zu beantragen. Und die Japaner haben jetzt gerade am Freitag nochmal einen sehr, sehr harten Lockdown ausgerufen für mindestens 14 Tage.

Die Vermutung liegt nahe, dass ich innerhalb dieser 14 Tage gar nicht den Antrag für ein Visum einreichen darf und danach erst einmal ganz langsam entschieden wird, ob ich dann fliegen darf oder auch nicht.

DOMRADIO.DE: Da sitzen Sie jetzt also auf gepackten Koffern und alles ist schon auf dem Schiff und schon fast in Japan, bevor Sie da ankommen...

Quint: Ganz genau, meine Pfarrei-Wohnung habe ich schon geräumt und bin jetzt hier im Gästezimmer der Pfarrei wirklich auf zwei Koffern sitzend und warte fieberhaft, dass ich einen Anruf vom japanischen Generalkonsulat bekomme, dass ich jetzt endlich losdarf.

DOMRADIO.DE: Aber der Abschied ist natürlich auch nicht so, wie man ihn sich eigentlich wünscht. Es kann jetzt aufgrund der Pandemie kein wirklich herzlicher Abschied sein. Sie haben gestern noch Gottesdienst gefeiert. Wie war das für Sie, das letzte Mal vor Ihrer Gemeinde in Gelsenkirchen zu stehen?

Quint: Es ist ein ganz merkwürdiges Gefühl gewesen. Abschiede habe ich schon einige gefeiert, weil ich auch viele Stellenwechsel hatte. Aber das ist gestern etwas ganz Außergewöhnliches gewesen, weil man schon Tschüss in die Runde und bei unseren Livestream-Gottesdiensten in die Kamera hinein, die wir hier feiern, sagt. Aber es kommt eben nichts zurück. Es darf gar keine Begegnung hinterher geben.

Ich war der erste, der nach dem Gottesdienst in der Sakristei verschwunden war und auch sofort hinten durch die Hintertür weg war. Es gibt keine Begegnung. Das ist ganz, ganz merkwürdig. Umso schöner aber ist, dass ich auch heute und in den vergangenen Tagen schon ganz viele E-Mails und Post bekomme, in denen sich Leute aus der Gemeinde nochmal persönlich für gute gemeinsame Jahre bedanken und dann auch alles Gute für die Zukunft wünschen.

Das Interview führte Dagmar Peters

(DR)

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