Archivbild: Pilger vor der Guadalupe-Basilika in Mexiko City
Archivbild: Pilger vor der Guadalupe-Basilika in Mexiko City

20.12.2020

Corona zwingt lateinamerikanische Wallfahrtsorte zum Umdenken Gähnende Leere

Der Dezember ist einer der wichtigsten Monate im Kalender der lateinamerikanischen Wallfahrten. Wo im letzten Jahr noch Millionen Pilger waren, mussten die Veranstaltungen in diesem Jahr wegen Corona abgesagt werden.

Mexikos Präsident Andres Manuel Lopez Obrador war stolz auf seine Landsleute. Auf Twitter verschickte er zwei Fotos, die das Areal rund um die Basilika Unserer Lieben Frau von Guadalupe in Mexiko-Stadt zeigten - an jenem Tag, der der Jungfrau von Guadalupe geweiht ist. Es war verwaist. Es gäbe kein besseres Beispiel für das Verantwortungsbewusstsein des mexikanischen Volkes inmitten der Pandemie als dieses Bild, so der Präsident.

Einnahmeverlust von bis zu 70 Prozent

Erst im vergangenen Jahr gab es einen neuen Rekord von etwa elf Millionen Pilgern, die rund um den Gedenktag die Guadalupe-Basilika in der mexikanischen Hauptstadt betreten hatten. Das Marienfest geht auf Ereignisse zwischen dem 9. und 12. Dezember 1531 im heutigen Stadtgebiet der mexikanischen Hauptstadt zurück.

Ganz spurlos wird dieser Lockdown allerdings nicht an der mexikanischen Hauptstadt vorüberziehen. Die Handelskammer von Mexiko-Stadt erwartet angesichts der wegen der Corona-Pandemie abgesagten Präsenzfeierlichkeiten in der Basilika Guadalupe einen vorübergehenden Einnahmeverlust von bis zu 70 Prozent. Besonders betroffen seien das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie die Tourismusindustrie.

Paraguay übertrug Wallfahrts-Gottesdienst im Fernsehen

Das vermutlich größte katholische Pilgerfest der Welt in Mexiko ist aber nicht die einzige Veranstaltung, die wegen Corona abgesagt werden musste. Auch in Paraguay fielen die Feierlichkeiten in Caacupe in der Woche um den 8. Dezember anders aus als in den Vorjahren. Die Regierung verhängte rund um die Basilika eine Zugangssperre, näher als 300 Meter durfte sich niemand der Kirche nähern. Paraguays Innenministerium begründete dies damit, Menschenansammlungen in der Corona-Pandemie zu verhindern.

Auch hier versammeln sich sonst in den Dezember-Tagen rund um Mariä Empfängnis Hunderttausende Pilger, nicht nur aus Paraguay, sondern auch aus den umliegenden Ländern Argentinien oder Uruguay und Brasilien. Die Wallfahrt basiert auf einer überlieferten Rettung eines zum Christentum konvertierten Guarani-Indianers auf der Flucht vor seinen heidnischen Verfolgern Ende des 16. Jahrhunderts.

Der Gottesdienst mit Bischof Ricardo Valenzuela wurde landesweit im Fernsehen ausgestrahlt. Valenzuela nutzte die besonderen Umstände für eine aufrüttelnde Predigt gegen Ungerechtigkeit, Korruption und Armut. Zuvor war er alleine über den Platz in Richtung Basilika gegangen. "Dieses Jahr feiern wir den 8. Dezember in einer ganz besonderen Weise", sagte Valenzuela. "Wir alle wissen, dass dieses Verhalten notwendig und verantwortungsvoll ist." Die Alternative sei, dass sonst die Alten und Schwächsten die Konsequenzen für ein solches Verhalten zu zahlen hätten.

In Kolumbien musste Passionsrozession ausfallen

In der ersten Jahreshälfte war bereits in Kolumbien die traditionelle Passionsprozession von Popayan ausgefallen - erstmals seit 464 Jahren. Das Organisationskomitee "Pro Semana Santa de Popayan" traf diese Entscheidung im März. Die Tradition der Osterprozession gilt als historisch bedeutsamste Veranstaltung des südamerikanischen Landes in der Karwoche. Dabei werden christliche Figuren und Standbilder aus den Kirchen durch die Stadt getragen. Die Prozession ist auch für den Tourismus in der südkolumbianischen Stadt von großer Bedeutung. Grund für die Entscheidung sei der Versuch, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, teilte das Organisationskomitee damals mit. Ob es die Passionsprozession im April 2021 wieder geben wird, ist heute noch unklar.

Tobias Käufer
(KNA)

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