Der Papstpalast im französischen Avignon.
Der Papstpalast im französischen Avignon.
Mosaikbildnis von Papst Urban V. in Sankt Paul vor den Mauern in Rom
Mosaikbildnis von Papst Urban V. in Sankt Paul vor den Mauern in Rom
Blick auf den Papstpalast in Avignon
Blick auf den Papstpalast in Avignon

19.12.2020

Avignon und das Papsttum in Kurzbiografien Die französischen Päpste von Clemens V. bis Gregor XI.

"Von der Parteien Hass und Gunst verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte." Was Friedrich Schiller im Prolog zu seiner Trilogie über Albrecht von Wallenstein schreibt, gilt auch für die Päpste von Avignon.

Die Viten der Päpste von Avignon sind überformt von römischer, antifranzösischer Propaganda einerseits und papsttreuer Hagiographie andererseits. Erst in den vergangenen Jahrzehnten ist die historische Forschung zu differenzierteren Urteilen der einzelnen Persönlichkeiten gelangt. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) stellt die sieben französischen Petrus-Nachfolger der Jahre 1305 bis 1378 vor:

Clemens V. (Juni 1305 bis April 1314)

Bertrand de Got, Erzbischof von Bordeaux, wird 1305 auf Betreiben von König Philipp IV. ("dem Schönen") zum Papst gewählt. Hochintelligent, aber hypochondrisch veranlagt und willensschwach, wird er mit zunehmender Pontifikatsdauer immer mehr zum Werkzeug der französischen Krone. Bei der Auflösung des Templerordens und Verteilung des riesigen Ordensvermögens beugt er sich ganz dem Druck des Königs.

Schwer magenkrank, vertraut Clemens V. allein den Mitgliedern seiner Familie, mit denen er sich umgibt und die er unverhohlen fördert. Seit 1309 hält er sich dauerhaft in der Provence auf, zeitweilig im Dominikanerkloster von Avignon und in Carpentras, vor allem aber in einem zum Palast umgebauten Kloster an den Heilquellen von Groseau bei Malaucene am Fuß des Mont Ventoux.

Johannes XXII. (August 1316 bis Dezember 1334)

Jacques Dueze, genannt der "Fuchs von Cahors", wird im hohen Alter von 72 Jahren gewählt und regiert dennoch 18 Jahre. Als früherer Bischof von Avignon verlegt er den päpstlichen Sitz dauerhaft dorthin, nachdem eine Rückkehr nach Rom angesichts des politischen Chaos nicht durchführbar erscheint. Kränklich und klein, agiert er dennoch leidenschaftlich und enorm tatkräftig. Als politisch wie wirtschaftlich äußerst gewiefter Jurist und Verwaltungsexperte baut Johannes XXII. die päpstlichen Finanzinstrumente wie den Pfründen- und Ablasshandel konsequent aus und arrondiert den Besitz der Päpste in der Region.

Mit dem Franziskanerorden und Kaiser Ludwig dem Bayern streitet der Kirchenrechtler um die Frage der Armut Christi und damit die Rechtmäßigkeit weltlichen Besitzes der Kirche. Sein Scharfsinn, seine auffällige Unhöflichkeit und Strenge, seine französische Vetternwirtschaft und seine Raffgier - bei zugleich totaler persönlicher Anspruchslosigkeit - machen ihn vielen politischen Herrschern wie auch Kirchenvertretern verhasst.

Benedikt XII. (Dezember 1334 bis April 1342)

Mit dem Zisterzienser Jacques Fournier kommt nach rascher Wahl wieder ein hochrangiger Theologe auf den Papstthron. Obwohl ein Vertrauensmann seines rastlosen Vorgängers, versucht Benedikt XII., viele der unter Johannes XXII. eingerissenen Praktiken rückgängig zu machen, etwa die Pfründenwirtschaft und die Nassauerei am päpstlichen Hof. Selbst ein frommer Ordensmann und erfolgreicher Inquisitor, der meist in Mönchskutte regiert, bemüht er sich um eine Reform des Ordenslebens.

Der als kraftvoll wie lautstark beschriebene Bäckerssohn verurteilt die Unsitte einiger Kardinäle, aus Platzmangel in der Stadt die ansässige Bevölkerung aus ihren Häusern zu vertreiben, und erlässt Gesetze zu ihrem Schutz. Nachdem auch seine versuchte Rückkehr nach Rom durch dortige Adelsfehden scheitert, beginnt Benedikt XII. 1335 mit dem Bau eines massiven, strengen Palastes in Avignon. Massiv, streng, grau und wenig inspiriert, so scheint auch sein Pontifikat. Auch aufgrund der moralisch sehr schwachen Regentschaft seines Nachfolgers wirken die von Benedikt XII. angestoßenen Reformen nicht nachhaltig.

Clemens VI. (Mai 1342 bis Dezember 1352)

Der frühere Benediktinerabt Pierre Roger oder Pierre de Fecamp genießt in den Geschichtsbüchern keinen guten Ruf. Von dem galanten wie leichtfertigen Weltmann ist der Ausruf überliefert: "Meine Vorgänger haben es nicht verstanden, Papst zu sein." Neben bemerkenswerter theologischer Bildung sind mit seinem Pontifikat vor allem offene Vetternwirtschaft, Prunk, verschwenderische Hofhaltung und Mäzenatentum verbunden. Überliefert ist eine beeindruckende "Einkaufsliste" für seine Krönungsfeierlichkeiten.

Den gerade erst errichteten schlichten "Alten Palast" seines Vorgängers lässt er durch den wesentlich luxuriöseren "Neuen Palast" erweitern. Clemens VI. erwirbt die Stadt Avignon (1348) sowie das Dorf Visan nördlich von Orange (1344) für den Heiligen Stuhl. Am Ende seines Pontifikats sind die seit Johannes XXII. aufgetürmten Reichtümer durch einen Schuldenberg ersetzt, und als Folge immer neuer Besteuerungen geht etwa England erste Schritte zum Bruch mit dem Papsttum. Die durch Europa wütende Pestseuche führten zeitgenössische Kritiker gar auf ein himmlisches Strafgericht zurück.

Innozenz VI. (Dezember 1352 bis September 1362)

Der Rechtsgelehrte Etienne Aubert aus Toulouse versucht, die päpstliche Haushaltung wieder auf ein vernünftiges Maß zurückzuführen. Sein von einwandfreiem Lebenswandel geprägtes Pontifikat, so heißt es, "steht im Zeichen persönlicher Disziplin und Gelehrsamkeit". Friedliebend und reformeifrig, strebt auch er eine Rückkehr nach Rom an.

Zu diesem Zweck beauftragt er den kastilischen Kardinal und Feldherrn Egidio Albornoz, mit bescheidenen Mitteln die längst in politischen Wirren verlorenen Gebiete des Kirchenstaates zurückzuerobern - eine Maßnahme, die erst nach seinem Tod Früchte trägt. Innozenz VI. strebt zudem eine Wiedervereinigung mit der Orthodoxie an. Das Vorhaben scheitert jedoch schon an der Prämisse einer völligen Unterwerfung der Griechen unter das Papsttum. Überhaupt stehen am Ende zehnjähriger ambitionierter Regentschaft vor allem unerfüllte Projekte und Hoffnungen.

Urban V. (September 1362 bis Dezember 1370)

Der Benediktiner Guillaume de Grimoard, Kompromisskandidat und zuvor Abt von Saint Victor in Marseille, gilt als der "beste" der Päpste von Avignon. Sittenstreng, fromm und mildtätig, verstärkt er die Reformbemühungen seines Vorgängers, was selbst der scharfe Papstkritiker Petrarca mit den Worten würdigt: "O großer Mann, ohnegleichen in unserer Zeit". Weil er nie Teil der Kurie war, fühlt er sich fremd im Apparat von Avignon und regiert in seiner Mönchskutte, bedürfnislos und unbestechlich. Zugleich verschlingen seine Förderung der Wissenschaften und der Universitäten in Europa sowie seine Bildungsstipendien für Arme namhafte Summen des kurialen Budgets.

1367 versucht Urban V., bedrängt von politischer und geistlicher Prominenz der Zeit und gegen alle französischen Widerstände, die Kurie wieder im leidlich geordneten Rom zu etablieren. Er kann sich dort jedoch nicht dauerhaft durchsetzen und kehrt nach drei Jahren entnervt nach Avignon zurück, wo er binnen drei Monaten stirbt - wie es ihm die heilige Birgitta von Schweden prophezeit hatte. 500 Jahre später, 1870, spricht ihn Pius IX., der Papst des untergehenden Kirchenstaates, selig.

Gregor XI. (Dezember 1370 bis März 1378)

Der bei seiner Wahl erst 42-jährige Pierre Roger de Beaufort, ein Neffe von Papst Clemens VI., ist ein Jurist von bemerkenswerter Bildung. Sensibel, kränklich und leicht beeinflussbar, gibt er dem Drängen vieler Zeitgenossen, unter anderen der heiligen Katharina von Siena, nach und kehrt im September 1376 Avignon endgültig den Rücken. In Rom angekommen, leidet er unter der Feindseligkeit der rivalisierenden politischen Kräfte und stirbt 1378, mit seinem Entschluss und seinen Beratern hadernd. Sein Tod führt zum "Großen Abendländischen Schisma", bei dem in Rom und in Avignon zwei Päpste zugleich, zeitweilig sogar drei, die Petrus-Nachfolge beanspruchen.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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