Leere Geburtskirche
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Demonstration von Touristenführern am am 7. Oktober 2020 in Bethlehem
Demonstration von Touristenführern am am 7. Oktober 2020 in Bethlehem
Ein Schild weist am 7. Oktober 2020 auf die Maskenpflicht in der Geburtskirche in Bethlehem hin
Ein Schild weist am 7. Oktober 2020 auf die Maskenpflicht in der Geburtskirche in Bethlehem hin

11.10.2020

Touristenführer in Palästina fordern Unterstützung "Ohne Tourismus kein Leben"

Durch die Corona-Pandemie kommen keine Besucher, und das bedeutet: kein Einkommen: Touristenführer in Bethlehem fordern Unterstützung in einer Krise, wie sie der Tourismus in Palästina noch nicht gesehen hat.

Die Gesichter in die obligatorischen Schutzmasken gehüllt, stehen sie da: Rund 30 Touristenführer folgten dem Aufruf ihrer Berufsvertretung, der Union der Touristenführer in Palästina. Auf Arabisch, Russisch, Deutsch und anderen Sprachen prangen ihre Forderungen auf den Transparenten. "Ohne Tourismus kein Leben", lautet der Hilferuf auf dem sonst menschenleeren Vorplatz der Bethlehemer Geburtskirche. Wie die ausländischen Besucher blieb auch die staatliche Unterstützung für die Betroffenen bisher weitestgehend aus.

"Keine Kunden, kein Einkommen"

Die kleine Gruppe steht für knapp 800 Guides in Ostjerusalem und den palästinensischen Gebieten. Hinzukommen Busfahrer, Hotels, Souvenirgeschäfte. Alles in allem, sagt Michel Awad aus dem Vorstand der Vereinigung der Anbieter für Ausländertourismus (Holy Land Incoming Tour Operators Association, HLITOA), hängen 35.000 Menschen in Palästina direkt vom Tourismus ab. Die Rechnung ist schnell gemacht, sagt der Christ aus Beit Sahour: "Keine Kunden, kein Einkommen." Wer keine Arbeit in einer fachfremden Branche gefunden hat, ist seit März arbeitslos.

Hiam Abu Dajjeh ist eine von ihnen. "Sieben Monate ohne Arbeit, während die Rechnungen für Wasser und Strom weiterlaufen - wie sollen wir das bewerkstelligen?", fragt die Christin aus Beit Dschalla. "Entgegen Deutschland haben wir keine Arbeitslosenversicherung." Dass sie auch Sozialarbeiterin und Deutschlehrerin ist, hilft ihr auf dem momentanen Arbeitsmarkt nicht.

Auch die Einmalzahlung der Regierung von rund 175 Euro pro Familie im Tourismussektor ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Noch nicht mal dieses Geld hat alle Tourguides erreicht, sagt Rami Bandak, der den Protest in Bethlehem organisiert hat. "70 Prozent sind gänzlich leer ausgegangen."

Kaum Hilfen

Seit dem Aussetzen der Kooperation zwischen israelischen und palästinensischen Behörden steht die palästinensische Regierung durch ausbleibende Steuer- und Zollgelder finanziell enorm unter Druck. Mittel, um den Touristenführern zu helfen, gebe es "leider nicht", so der Sprecher der Tourismusministeriums Jiries Kumsijeh gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Die Betroffenen lassen den Hinweis auf die angespannte Finanzlage nur bedingt gelten. Sie fühlen sich vernachlässigt. "Dass die palästinensische Behörde ihre Probleme hat, heißt nicht, dass sie uns vergessen dürfen", kritisiert Abu Dajjeh. Wenn schon keine Gelder für die arbeitslosen Touristenführer da seien, müsse der Branche eben anders geholfen werden, fordert die Union. Ein einjähriger Aufschub für die Rechnungen zu fixen Lebenshaltungskosten etwa könnte die Familien entlasten.

Die aktuelle Lage ist ohne Präzedenz im palästinensischen Tourismus, sagt HLITOA-Vorsitzender Toni Kaschram in einem Interview der Zeitschrift der Heiliglandfranziskaner "Terre Sainte Magazine" (November), "ein Rückgang von 100 Prozent über Nacht und bis jetzt ohne Erholung". Besonders hart trifft es palästinensische Christen, die zu rund 70 Prozent im Tourismus arbeiten. Mit den Pilgern, so Kaschram in dem Interview, ist eine wesentliche "Unterstützung der christlichen Präsenz im Heiligen Land" verschwunden, mit dem Tourismus eine der wichtigsten Säulen der palästinensischen Wirtschaft.

Ungewisse Zukunft

Die Ungewissheit wiegt am schwersten. "Niemand weiß, wann es weitergeht", sagt Jiries Kumsijeh. Und so lange weigern sich die Banken, den Arbeitslosen aus dem Tourismus Kredite zu geben, ergänzt Michel Awad. "Keiner kann die Zukunft abschätzen. Dadurch verlieren die Menschen die Hoffnung, die sie in so vielen Krisen immer bewahrt haben." Initiativen wie "Save Tourism" (Rette den Tourismus), die Awad und sein "Siraj-Zentrum für Heiliglandstudien" in diesen Tagen vorantreiben, klingen da eher wie verzweifelte Versuche. Die Verkaufszahlen jedenfalls seien nicht nennenswert.

Die Experten fürchten über die Pandemie hinaus nachhaltige Schäden für den Fremdenverkehr in Palästina. Wenn die Situation anhält, sagt Kumsijeh, werden die Menschen sich andere Berufe suchen - und fehlen, wenn es eines Tages doch wieder losgeht. Auch auf die sprichwörtliche palästinensische Gastfreundschaft wird Covid-19 Auswirkungen haben, glaubt Michel Awad. "Die Menschen haben Angst, dass Touristen das Virus mitbringen."

Andrea Krogmann
(KNA)

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