Kreuz für ein Grab auf dem Friedhof
Kreuz für ein Grab auf dem Friedhof in Manaus, Brasilien
"Amazonas-Bischof" Erwin Kräutler
"Amazonas-Bischof" Erwin Kräutler

29.07.2020

Brasilianische Bischöfe positionieren sich gegen Bolsonaro Protestschreiben sorgt weiter für Unruhe

​In Brasilien positionieren sich Medienberichten zufolge weitere Bischöfe gegen Präsident Bolsonaro und seinen Umgang mit der aktuellen Krise. Einig sind sich die Kirchenvertreter im Land jedoch offenbar nicht.

Unfähigkeit angesichts der aktuellen Krisenlage - so lautet der Vorwurf, den derzeit zahlreiche brasilianische Bischöfe gegen Präsident Jair Messias Bolsonaro erheben. Ein entsprechendes Schreiben, laut Medienberichten unterzeichnet von mehr als 150 Bischöfen und Erzbischöfen, war am vergangenen Wochenende bekannt geworden. Nun wollen sich der Kritik offenbar zahlreiche weitere Kirchenvertreter anschließen. Das erfuhr die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag (Ortszeit) aus lokalen Kirchenkreisen.

Das Protestschreiben war am Samstag an die Presse gegeben worden, allerdings ohne Nennung der Unterzeichner - diese fürchteten den Angaben zufolge ein Veröffentlichungsverbot durch die Brasilianische Bischofskonferenz. Da man die Unterzeichner nicht bloßstellen wollte, sei Stillschweigen vereinbart worden.

Medien nannten zuletzt lediglich die Namen von sieben mutmaßlichen Unterzeichnern, darunter der emeritierte Erzbischof von Sao Paulo, Claudio Hummes, und der emeritierten Amazonasbischof Erwin Kräutler. Auch der als konservativ geltende Erzbischof von Belem, Alberto Taveira Correa, soll unterschrieben haben. Correas Unterschrift überrascht, weil viele Mitarbeiter seiner Diözese als Bolsonaro zugeneigt gelten.

Bischöfe machen Bolsonaro für Krise verantwortlich

Das als "Brief an das Volk Gottes" betitelte Schreiben bezeichnet die aktuelle Krise als "Sturm", für den zum großen Teil Bolsonaro verantwortlich sei. Die Regierung sei untätig und lasse zu, dass Holzfäller, Goldsucher und Landwirte der Natur und neoliberale Wirtschaftsführer den Ärmsten schwere Wunden zufügten.

Zudem klagen die Kirchenvertreter die Covid-19-Politik der Regierung an: "Wir müssen den wissenschaftsfeindlichen Diskurs miterleben, der die Tausenden von Toten als etwas Normales erscheinen lassen will, so als ob sie das Ergebnis eines Zufalls seien oder einer göttlichen Strafe."

Ebenso gleichgültig sei die Regierung gegenüber dem wirtschaftlichen und sozialen Chaos. Ihr gehe es allein um den Machterhalt. Die von der Regierung eingeleiteten Wirtschaftsreformen wollten einen Neoliberalismus einführen, der lediglich einer kleinen Gruppe Mächtiger diene und der Mehrheit der Bevölkerung schade. Die Wirtschaftspolitik "töte" mit ihrem Fokus auf "Gewinn um jeden Preis".

Trotz nahezu 90.000 Todesopfern spielt Bolsonaro die Gefahren des Virus weiter herunter. "Dieser Diskurs basiert nicht auf ethischen oder moralischen Grundsätzen", so die Kirchenvertreter. "Ebenso erschüttert uns die Abneigung (der Regierung) gegenüber der Bildung, der Kultur, dem Gesundheitssystem und der Diplomatie." Zudem missbrauche die Regierung die Religion, um Hass zu säen und die Gesellschaft zu spalten.

Bischofskonferenz distanziert sich

Der Brief sollte ursprünglich am vergangenen Mittwoch veröffentlicht werden, wurde jedoch nach Kritik konservativer Bischöfe erst einmal zurückgehalten, um der Bischofskonferenz zur Prüfung vorgelegt zu werden. Diese erklärte indes am Montag, mit dem Schreiben nichts zu tun zu haben: Die Unterzeichner trügen die Verantwortung für den Brief. Medienberichten zufolge wurde das Schreiben inzwischen auch an Papst Franziskus und den brasilianischen Kurienkardinal Joao Braz de Aviz weitergeleitet.

Medien berichten von einer "internen Spaltung" der Bischofskonferenz in einen konservativen und einen progressiven Flügel. Im vergangenen Jahr war der Erzbischof von Belo Horizonte, Walmor Oliveira de Azevedo, zum neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt worden. Er gilt als moderat, konnte die zuletzt zunehmenden Spannungen zwischen den Lagern jedoch nicht ausgleichen.

Im März hatten sich Bischöfe des progressiven Flügels einem Protest der brasilianischen Anwaltskammer und Medienschaffender angeschlossen und Bolsonaro für seine Corona-Politik kritisiert. Im Mai wiederum nahmen Vertreter des konservativen Flügels an einem Live-Auftritt Bolsonaros im Internet teil. Dabei baten sie den Präsidenten um finanzielle Unterstützung für katholische Medien.

Thomas Milz
(KNA)

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