Coronavirus im Jemen: Arbeiter desinfizieren die fassade von Geschäften an einem Straßenrand
Coronavirus im Jemen: Arbeiter desinfizieren die fassade von Geschäften an einem Straßenrand

25.05.2020

Hilfswerke: Corona könnte im Jemen zu Katastrophe führen "Sehen nur die Spitze des Eisbergs"

​Nach Ansicht von Hilfsorganisationen kann die Corona-Pandemie im Jemen katastrophale Auswirkungen für die Bevölkerung haben. Human Rights Watch und Ärzte ohne Grenzen rufen die internationale Gemeinschaft dazu auf, umgehend zu handeln.

Laut Human Rights Watch sind besonders die Flüchtlingscamps in der nördlichen Region Marib durch das Virus gefährdet. In den überfüllten Lagern gebe es keine ausreichende medizinische Versorgung, kaum Zugang zu sauberem Wasser und nicht die Möglichkeit, Abstands- und Isolationsregeln einzuhalten, erklärte das Hilfswerk am Freitag. Hinzu kämen aktuell noch Überschwemmungen in der Region, die die Bevölkerung besonders anfällig für eine Infektionswelle machten.

Zusätzliche Gefahr durch Kampfhandlungen

Auch rückten die Kampfhandlungen der Konfliktparteien, die von Saudi-Arabien angeführte Koalition und die jemenitischen Huthi-Rebellen, immer näher an die Camps heran und brächten so die Flüchtlinge zusätzlich in Gefahr. Für die Bevölkerung bestehe daher nun eine doppelte Bedrohung, die dringend aufgehalten werden müsse, so Human Rights Watch.

Gleichzeitig nimmt nach Angaben der Hilfsorganisation aber die finanzielle Unterstützung für die Region ab. Mehrere Regierungen und internationale Vereinigungen hätten Hilfslieferungen und Zahlungen in den von den schiitischen Huthi kontrollierten Norden des Landes zeitweise ausgesetzt.

Katastrophe befürchtet

Auch Ärzte ohne Grenzen fordert die internationale Gemeinschaft zu schnellem Handeln auf. Die hohen Todeszahlen im Behandlungszentrum der Hilfsorganisation im südlichen Aden, deuteten auf eine größere Katastrophe hin, betonte Ärzte ohne Grenzen am Freitag. Zwar liege die Sterblichkeitsrate ähnlich hoch wie in Frankreich oder Italien, allerdings sei der Altersdurchschnitt der Verstorbenen mit rund 40 Jahren deutlich niedriger.

"Was wir in unserem Behandlungszentrum sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs, was die Zahl der Infizierten und Sterbenden in der Stadt angeht", sagte die Projektleiterin des Hilfswerks im Jemen, Caroline Seguin. "Die Menschen kommen zu spät zu uns, um sie zu retten, und wir wissen, dass viel mehr Menschen überhaupt nicht mehr kommen: Sie sterben einfach zu Hause."

Ein weiterer Hinweis, wie weit sich die Krankheit ausgebreitet hat, sei die Zahl der medizinischen Fachkräfte, die in der Einrichtung selbst wegen des Coronavirus behandelt würden sowie die vielen Erkrankten in den eigenen Reihen. "Das Gesundheitspersonal muss bezahlt und die für seine Sicherheit notwendige Schutzausrüstung organisiert werden", betonte Seguin. "Das Land braucht dringend mehr Sauerstoffkonzentratoren, um Patienten beim Atmen zu helfen."

(KNA)

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