Kirche in den USA
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US-Präsident Donald Trump unter Druck
Donald Trump, Präsident der USA
Kardinal Timothy M. Dolan, Erzbischof von New York
Kardinal Timothy M. Dolan, Erzbischof von New York
Bostons Kardinal Seán O’Malley
Bostons Kardinal Seán O’Malley

07.05.2020

Trump umwirbt vor den Wahlen die Katholiken Kardinal Dolan als Wahlhelfer?

Donald Trump umwirbt vor den Wahlen die Katholiken, wie er 2016 um die weißen Evangelikalen buhlte. Der New Yorker Kardinal Timothy Dolan steht in der Kritik, Wahlhelfer des wenig frommen Präsidenten zu sein.

Seine 90-jährige Mutter habe sich schon beschwert, dass er häufiger mit dem Präsidenten telefoniere als mit ihr, scherzte der New Yorker Kardinal bei einer Telefonkonferenz mit
Donald Trump. Trump hatte Ende April rund 600 katholische Kirchenführer und Leiter katholischer Bildungseinrichtungen eingeladen, mit ihm über die Zukunft der religiösen Schulen zu diskutieren.

Das Thema ist ein Herzensanliegen Dolans, diente Trump nach Auskunft von Teilnehmern aber vor allem als Vorwand, offen um Unterstützung für seine Wiederwahl zu werben. Und um den einflussreichen Kardinal, den er als einen "großartigen Freund" bezeichnete, zu seinem Kronzeugen zu machen. So jedenfalls steht es auf der Online-Seite "Crux", die als erste über das Treffen berichtete.

Kardinal bittet Trump um Hilfe

Er sei "der beste Präsident" für die katholischen Kirche, prahlte Trump vor den Kirchenführern, unter denen sich auch der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Erzbischof Jose Gomez, und der Bostoner Kardinal Sean O'Malley befanden. Von der Abtreibung über die Verteidigung der Religionsfreiheit bis zur Berufung erzkonservativer Verfassungsrichter habe er Prioritäten der Kirche umgesetzt, brüstete sich der Präsident.

Dolan habe als erster geantwortet und versichert, er empfinde gegenüber Trump genau so, berichtete "Crux". Der Kardinal sprach über die Krise bei der Finanzierung der katholischen Schulen, die angesichts der Pandemie noch mehr in ihrer Existenz bedroht seien, und bat den Präsidenten um Hilfe. "Wir brauchen Sie mehr als je zuvor."

Dank im Online-Gottesdienst

Tags darauf predigte der Kardinal online aus der New Yorker St. Patrick's Cathedral und ließ die Gläubigen wissen, "ein früherer Nachbar betet mit uns". Er dankte Trump, der auf Twitter seine Teilnahme an dem Online-Gottesdienst bestätigt hatte, "so hart daran zu arbeiten, dass wir so sicher wie möglich in die Kirche zurückkehren können."

Im Lieblingsprogramm des Präsidenten "Fox&Friends" pries der Kardinal am Montag dann "die Führung" Trumps in der Pandemie. Er erwähnte auch den New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo und Bürgermeister Bill de Blasio - beides Katholiken und Demokraten - positiv. Doch der Präsident habe "besondere Sensibilität für die Empfindungen der religiösen Gemeinde gezeigt".

Katholiken kritisieren den Kardinal

Bei vielen Katholiken stieß das Verhalten Dolans unangenehm auf. In einem Protestbrief prominenter US-Katholiken an den Kardinal vom 1. Mai beklagen sich die 1.500 Unterzeichner über dessen "Botschaft, dass katholische Führer einen Präsidenten unterstützen, der Einwanderer-Familien auseinanderreißt, den Klimawandel leugnet, ethnische Gegensätze schürt und eine Wirtschaftspolitik fördert, die Armen schadet."

Dolan wies die Kritik gegenüber dem Jesuiten-Magazin "America" als unfair zurück. "Wir sind in dem heiligen Geschäft der Begleitung und des Engagements und des Dialogs." Ein gutes Verhältnis zum Präsidenten erlaube ihm nicht nur, über Bildung zu sprechen, sondern bei Gelegenheit das Thema Einwanderung anzubringen.

"Unheilige Allianz"

Genau daran macht sich die Kritik an Dolan fest. "Wenn religiöse Führer Zugang zur Macht vor ihre Prinzipien stellen, riskieren sie, die moralische Klarheit zu verlieren", so John Gehring von der Organisation "Faith in Public Life", der das Schreiben zusammen mit Stephen Schneck vom "Franciscan Action Network" und Schwester Simone Campbell organisiert hatte.

Der Kardinal habe "wirklich einen Fehler gemacht, sich vom Präsidenten vor den Wagen spannen zu lassen, katholische Stimmen zu mobilisieren", meint auch Heidi Schlumpf, die Chefreporterin des "National Catholic Reporters". Dies sei "eine unheilige Allianz".

Wahlen im November

Für den Präsidenten ist ein gutes Verhältnis zu den Katholiken ein wichtiger Baustein, um im November wiedergewählt zu werden. 2016 teilten sich die katholischen Stimmen ziemlich genau in der Mitte auf.

Diesmal haben sich Gewichte leicht zugunsten der Demokraten verschoben, die mit Joe Biden einen Katholiken ins Rennen schicken und auf einen gewachsenen Einfluss der Trump-kritischen Latinos in der Kirche zählen dürfen. Ein gutes Wort des Kardinals und "wahren Gentleman" aus New York schadet aus Trumps Sicht da gewiss nicht.

Thomas Spang
(KNA)

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