Figur von Johannes vom Kreuz
Figur von Johannes vom Kreuz
Heilige Teresa von Avila
Heilige Teresa von Avila
Ignatius von Loyola
Ignatius von Loyola

31.03.2020

Universelle Impulse von spanischen Heiligen In sich gehen statt rausgehen

Spanien, das durch die Corona-Pandemie schwer gezeichnet ist, hat bekannte Heilige hervorgebracht. Deren Worte und Anstöße sind gerade jetzt Balsam für die Seele. Rausgehen ist derzeit verboten - die Zeit zum in sich gehen vorhanden.

"Der Herr möge uns den Weg weisen und uns die Kraft verleihen, dass wir graben können, bis wir den verborgenen Schatz finden. Er liegt wirklich und wahrhaftig in uns selbst", schrieb Teresa von Avila (1515-1582), Spaniens größte Mystikerin. Wenn, wann nicht jetzt in diesen schwierigen Tagen und Wochen, ist Gelegenheit, Impulse wie diese tief in sich einfließen zu lassen, dem verborgenen Schatz auf den Grund zu gehen?

Entschleunigung in Zeiten der Krise

Denn plötzlich haben viele von uns das, was sonst fehlt: Zeit. Nun ist die Schnelllebigkeit, die atemlos den gewöhnlichen Alltag bestimmt, bis auf weiteres heruntergefahren. Nun steht für viele Menschen das Hamsterrad still und das Leben ungewollt auf Entschleunigungsmodus. Das bietet Chancen zu Reflexionen.

In Zeiten wie diesen, in denen das scheinbar Selbstverständliche nicht mehr selbstverständlich ist, steigt die Empfänglichkeit für Anstöße, Worte des Trostes und der Zuversicht. Zuhause kann man derzeit nicht nur Keller und Schränke ausmisten, sondern auch die Gedanken aufräumen: Filter einschalten, Wichtiges von Unwichtigem trennen, Bisheriges und Kommendes überdenken, sich zu Expeditionen ins Tiefinnerste beflügeln lassen.

Ausgangssperren und Freiheit des Geistes

Die Suche ist auch Thema beim heiligen Johannes vom Kreuz (1542-1591), der in Spanien als Karmeliter wirkte: "Mein sind die Menschen, / die Gerechten sind mein und die Sünder. / Mein sind die Engel und die Mutter Gottes, / alle Dinge sind mein. / Gott ist mein / und für mich, / weil Christus mein und für mich ist. / Nun, was suchst und erbittest du, Seele mein? / Dein und für dich ist all dies. / Begnüge dich nicht mit weniger, / und kümmere dich nicht um die Krumen, / die vom Tisch deines Vaters fallen. / Gehe hinaus / und du wirst erreichen, / um was dein Herz dich bittet."

Das mit einem echten "Hinausgehen" ist mancherorts gerade schwieriger. Ausgangssperren und Ausgangsbeschränkungen grenzen in den vielen Ländern nach außen hin ein. Dagegen sieht es innerlich anders aus. Es gibt keine Schranken. Die Vorstufen des "Hinausgehens" sind Besinnung und Verarbeitung, worin der heilige Ignatius von Loyola (1491-1556) die eigentliche Erfüllung sah: "Nicht das Vielwissen sättigt und befriedigt die Seele, sondern das Verspüren und Verkosten der Dinge von innen her." Eine Herzensangelegenheit war ihm dabei die Freiheit des Geistes: "Halte deinen Geist innerlich so frei, dass du jedesmal auch das Gegenteil tun könntest."

In sich gehen stößt auf den Glauben

Wer in sich geht, kommt nicht umhin, über Glaubenskraft und Demut zu sinnieren. Darüber machte sich Teresa von Avila, an den Herrn gerichtet, ihre Gedanken: "Wer kann ohne Furcht / auf deinen Wegen wandeln? / Ich fürchte, / dir nicht zu dienen. / Und wenn ich dir auch dienen will, / so finde ich nichts, / womit ich dir etwas / von dem abzahlen kann, / was ich dir schuldig bin."

Ignatius von Loyola inspirierte auch Zweifler, weniger Glaubensstarke, entschlossener zu handeln: "Wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich der Führung der Gnade rückhaltlos übergäben." Bei anderer Gelegenheit steigerte der Heilige seine Anstöße: "Man muss bedenken, dass der Mensch Gott nicht nur dann gefällt, wenn er betet; sonst wären alle Gebete zu kurz, die nicht täglich 24 Stunden dauern: Der Mensch muss sich ja, soviel er nur kann, Gott hingeben!"

Materielle Dinge im Hintergrund

Die Corona-Pandemie hat gelehrt, materielle Dinge in den Hintergrund treten zu lassen. Sie hat in Überflussgesellschaften von Höhenflügen zurück auf den Boden geholt, stachelt zu Bescheidenheit an, Genügsamkeit. Die Worte des Johannes vom Kreuz machen grundsätzlich dafür bereit: "Um zu erlangen, alles zu genießen, suche in nichts Genuss. Um zu erlangen, alles zu besitzen, suche in nichts etwas zu besitzen. Um zu erlangen, alles zu sein, suche in nichts etwas zu sein." In die Gegenwartskrise übertragbar ist auch sein zeitloser Aufruf zur Nächstenliebe: "Wo keine Liebe ist, schaffe man Liebe, und man wird Liebe bekommen."

Andreas Drouve
(KNA)

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