Katholiken bleiben größte religiöse Gemeinschaft der USA
Kirche in den USA

24.01.2020

Nelson Perez wird neuer Erzbischof von Philadelphia "Gute Chance, Kardinal zu werden"

Nelson Jesus Perez wurde von Papst Franziskus zum neuen Erzbischof von Philadelphia ernannt. Bisher war er Bischof von Cleveland. Er löst den bisherigen Erzbischof Charles Chaput ab, der in den Ruhestand geht.

DOMRADIO.DE: Wer ist der neue Erzbischof, der gestern von Papst Franziskus ernannt wurde? Wer ist Nelson Jesus Perez?

Klaus Prömpers (Journalist und USA-Kenner): Wenn man in Betracht zieht, dass in der Diözese Philadelphia insbesondere mittlerweile sehr viele Spanisch sprechende Menschen leben, aus Lateinamerika, aus Kuba und anderen Teilen des südlichen Teils Amerikas, passt er genau auf diese Gemeinde, die er künftig als Oberhirte zu leiten haben wird. Er ist selbst ein Sohn kubanisch stämmiger Eltern und hat 20 Jahre seines Priesterlebens in Philadelphia verbracht. Er spricht fließend Spanisch, was er gestern auch in einer Pressekonferenz unter Beweis stellte – was die Gebärdendolmetscherin, die offensichtlich kein Spanisch konnte, dann ein bisschen dumm dastehen ließ. Deswegen übersetzte er das dann wieder zurück ins Englische.

Er ist ein Mann, der mit beiden Teilen der Kirche in Philadelphia umzugehen weiß. In den letzten acht Jahren war er an zwei verschiedenen Stellen als Bischof und als Weihbischof tätig. In der Pressekonferenz gestern am Nachmittag hiesiger Ortszeit sagte er, er fühle sich so, als ob er wieder nach Hause gekommen sei. Jedes Mal, wenn er Bischof geworden sei, sei er zu seinen Eltern gefahren, und auch diesmal sei er wieder zu seiner Mutter gefahren. Es sei wie ein Heimkommen gewesen.

DOMRADIO.DE: Sein Vorgänger Chaput galt als konservativ. Wer kommt da mit Perez? Ist er ein liberaler Vertreter?

Prömpers: Es gibt da, glaube ich, zwei unterschiedliche Ansichten. Perez ist sicherlich nicht so konservativ, wie Chaput sich gegeben hat, beispielsweise in Fragen des Umgangs mit wieder verheirateten Geschiedenen und mit Homosexuellen. Da ist Chaput immer sehr konservativ aufgetreten. In seinem Bistumsblatt, auf seinen Webseiten der Erzdiözese Philadelphia, hat Kardinal Müller häufiger das Wort ergriffen, um gegen Papst Franziskus zu stänkern. Insofern kann man Chaput sicherlich zur konservativen Elite der amerikanischen Bischöfe zählen. Dass er nun gerade 75 geworden ist, passte dem Papst sicherlich ins Konzept. Und die Tatsache, dass er nie Kardinal geworden ist in den achteinhalb Jahren, die er Erzbischof von Philadelphia war, ist ja auch der Tatsache zuzuschreiben, dass er zum konservativen Flügel der katholischen Kirche in den USA zählt.

Man hofft nun, dass Perez einen etwas liberaleren Umgang pflegen wird. Allerdings ist das nicht garantiert. Er hat bewiesen, dass er gut darin ist, auf die Menschen zuzugehen. Er hat bewiesen, dass er auch offen ist für diese Fragen, die ich bereits erwähnte, zum Beispiel, ob wieder verheiratete Geschiedene wieder zur Kommunion gehen dürfen. Er hat aber auch gestern Abend in seiner neuen Diözese, der er ab dem 18. Februar vorstehen wird, bewiesen, dass er auch ein Ohr und ein Wort für das hat, was man unter der "Woche für das Leben" bei uns ab dem 25. April feiern wird. Er nahm demonstrativ an einem Gottesdienst teil zugunsten des Lebens – sowohl des Ungeborenen wie auch des Sterbenden, und hat damit bewiesen, dass sein Spektrum ein recht großes ist.

DOMRADIO.DE: Auch Donald Trump hat angekündigt, am Wochenende an einer großen Demo gegen Schwangerschaftsabbrüche teilzunehmen. Wie hat die katholische Kirche in den USA darauf reagiert?

Prömpers: Die einen bejubeln das, die anderen werden das bedauern, dass der Präsident mitten in seinem Wahlkampf versucht, die konservativen Teile der katholischen Kirche wieder an sich zu ziehen. Wir erinnern uns: Bei der letzten Wahl 2016 hatte er es geschafft, sowohl 82 Prozent der evangelikalen Christen als auch 42 Prozent der katholischen Christen auf seine Seite zu ziehen, die dann für ihn gestimmt haben.

Im Jahr 2016 hatte er in der Wahlkampagne eine Videobotschaft geschickt. Diesmal wird er persönlich kommen, und das wird von den Konservativen natürlich bejubelt. Im November diesen Jahres will Trump wiedergewählt werden. Die konservative Mehrheit ist aber keineswegs so sicher, wie es im Moment bisweilen zu sein scheint. In den Swing States, in den unentschlossenen Staaten, zu denen beispielsweise auch Pennsylvania und Philadelphia zählen, da muss er punkten. Deswegen geht er in Washington D.C., in der Hauptstadt der USA, am Samstag mit den Katholiken auf die Straße für das Leben.

DOMRADIO.DE: Nochmal zurück zu Nelson Jesus Perez, dem neuen Erzbischof von Philadelphia. Da schaut man natürlich jetzt auch drauf und überlegt: Wird er wohl Kardinal werden? Sein Vorgänger ist es ja nicht geworden, obwohl das ja für Philadelphia üblich ist. Hat da auch der Papst möglicherweise seine Finger im Spiel? Denn wenn er Kardinal würde, dann könnte er auch den Papst mitwählen.

Prömpers: Das läge in der Logik der Kardinalsernennungen der letzten drei bis vier Jahre, in denen Papst Franziskus sehr prägnant Kardinalsernennungen getätigt hat, die im Grunde darauf hinweisen, dass er den von ihm eingeschlagenen Kurs auch nach seinem Tod oder nach seinem Rücktritt – wer weiß es – fortgesetzt werden kann.

Papst Franziskus hat ja weltweit Bischöfe zu Kardinälen ernannt, die bei der nächsten Wahl möglicherweise etwas fortschrittlicher votieren werden. Und zwar wieder für einen Menschen wie ihn, der der Kirche eine neue Gestalt, ein neues Gesicht geben will, der die Kirche neu begründen will in der Kirche der Armen. Da kann man im Grunde, denke ich, schon erwarten, dass Perez Kardinal werden wird. Denn er ist beispielsweise im Moment in der US-Bischofskonferenz zuständig für kulturelle Unterschiede – "cultural diversity" heißt das im Englischen. Daraus kann man auch schließen, er ist offen für vieles Neue. Er geht nicht nur ausgetretene Pfade, begeht nicht nur in jene Distrikte, wo die Kirche immer schon stark war, sondern er versucht auch, jene zu erreichen, die im Moment von der Kirche nicht erreicht werden. Insofern, denke ich, hat er eine gute Chance, Kardinal zu werden.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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