Flüchtlinge in Äthiopien
Flüchtlinge in Äthiopien
Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed in Frankfurt im Oktober 2018
Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed in Frankfurt im Oktober 2018

10.12.2019

Ein Nobelpreis - aber kein Frieden in Äthiopien Ein Land zwischen Versöhnung und Hass

Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed erhält den Friedensnobelpreis für den Freundschaftsvertrag mit dem Nachbarland Eritrea - doch in Äthiopien selbst ist es vielerorts wenig friedlich.

Als Abiy Ahmed im Frühjahr 2018 sein Amt als äthiopischer Ministerpräsident antrat, galt er über die Grenzen des Landes hinweg als Hoffnungsträger. Am Dienstag (10. Dezember) verleiht das Nobelkomitee in Oslo dem 43-Jährigen den Friedensnobelpreis - für seinen Einsatz zur Lösung des Grenzkonflikts zwischen Eritrea und Äthiopien. Im Juli 2018 hatten beide Länder einen Friedensvertrag unterzeichnet, der den jahrzehntelangen Konflikt offiziell beendete.

Drastische Zunahme eritreischer Flüchtlinge

Eritrea, einst Teil von Äthiopien, wurde 1993 unabhängig; fünf Jahre später brach ein Krieg zwischen den beiden Staaten aus, in dem Zehntausende ihr Leben verloren. Mit dem sogenannten Abkommen von Algier wurde 2000 der Krieg zwar beendet; die beiden Länder blieben aber verfeindet. Erst 18 Jahre später kam auf Initiative Abiy Ahmeds der Frieden zustande; die Grenze wurde erstmals wieder geöffnet. Ein Ergebnis war zunächst eine drastische Zunahme eritreischer Flüchtlinge.

Doch nicht nur aus Eritrea, auch aus anderen krisengeschüttelten Nachbarstaaten wie Somalia und dem Südsudan flohen zuletzt viele nach Äthiopien. Mit etwa einer Million Menschen nahm das Land 2018 afrikaweit die zweitmeisten Flüchtlinge auf. Als eines der ersten Länder der Welt bemüht sich Äthiopien um die Umsetzung des "Umfassenden Rahmenplans für Flüchtlingshilfemaßnahmen", der Teil des Ende 2018 von den Vereinten Nationen beschlossenen Globalen Flüchtlingspaktes ist - und erhält dafür international Lob.

Rund 100 ethnische Gruppen

Doch während in großen Camps an den Landesgrenzen alle namhaften internationalen Hilfsorganisationen vertreten sind und auch die äthiopische Regierung sich um die bestmögliche Versorgung der Flüchtlinge bemüht, bleibt eine andere Gruppe fast unbeachtet. In Äthiopien leben mit etwa drei Millionen Binnenvertriebenen die meisten innerhalb der eigenen Landesgrenzen Geflüchteten weltweit.

Allein 2018 wurden rund 1,5 Millionen weitere Menschen vertrieben; damit verdoppelte sich die bisherige Zahl der Binnenflüchtlinge. Ihre Lage ist häufig verzweifelt. Weder Hilfsorganisationen noch die eigene Regierung fühlen sich für sie zuständig. Zum Teil würden die Binnenvertriebenen gewaltsam zur Rückkehr gezwungen, kritisieren Menschenrechtler; das habe erneute Flüchtlingsströme zur Folge.

Ursache für die hohe Zahl an Binnenvertriebenen in dem Vielvölkerstaat Äthiopien sind Spannungen und Konflikte zwischen den rund 100 verschiedenen ethnischen Gruppen. Mancherorts nahmen diese seit dem Amtsantritt Abiy Ahmeds zu. Reformen, neue Strukturen und damit einhergehend eine Verschiebung der Machtverhältnisse sind ein Grund dafür, dass der Hass zwischen den unterschiedlichen Volksgruppen und Stämmen im Land wächst.

Eines der ärmsten Länder der Welt

In einigen Regionen des Landes spitzte sich die Sicherheitslage zuletzt deutlich zu. Im Juni scheiterte ein Putschversuch gegen die Regierung in der nördlichen Region Amhara. Dabei wurden Abiys Armeestabschef und der Präsident der Region getötet. Im Oktober kam es zu Ausschreitungen, nachdem der Aktivist Jawar Mohammed, Anführer der sogenannten Qeerroo, einer radikalen Gruppierung innerhalb der Volksgruppe der Oromo, seine Anhänger mobilisiert hatte. Im November sprach sich Äthiopiens fünftgrößte Ethnie, das Sidama-Volk, in einem Referendum für einen eigenen Regionalstaat aus.

Auch soziale Probleme tragen zu Spannungen bei. Äthiopien gehört zu den ärmsten Ländern der Welt; auf dem Index der menschlichen Entwicklung rangierte das Land 2017 auf Platz 173 von 189 Ländern. Jeder drittel lebt unter der Armutsgrenze, die Arbeitslosigkeit ist hoch.

Zur Aufarbeitung der jahrzehntelangen Feindschaft mit Eritrea und zur Aussöhnung im Land soll eine nationale Versöhnungskommission unter dem Vorsitz des katholischen Erzbischofs von Addis Abeba beitragen, Kardinal Berhaneyesus Souraphiel. Sie soll den nationalen "Dialog sowie einen Kompromiss unter allen Beteiligten" fördern - und das Heimatland des Friedensnobelpreisträgers so möglicherweise ein Stück friedlicher machen.

Inga Kilian
(KNA)

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