Vom 6. bis zum 27. Oktober findet die Amazonas-Synode statt
Wie geht es für die Kirche in der Amazonas-Region weiter?

28.09.2019

Jesuitenpater zur Amazonas-Synode im Vatikan "Amazonien ist ein Brennpunkt für Entwicklungen"

Im Oktober beginnt im Vatikan die Amazonas-Synode. Das Bischofstreffen will Umweltschäden im Amazonasgebiet und deren soziale Folgen in den Blick nehmen. Doch warum ist das Gebiet für die katholische Kirche so wichtig?

DOMRADIO.DE: Nicht wenige Beobachter fragen sich, wieso der Papst eine Synode zu einem bestimmten geografischen Raum einberufen hat. Wieso ist ausgerechnet das Amazonasgebiet so wichtig für die Kirche?

Pater Bernd Hagenkord SJ (Jesuitenpater, ehem. Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Vatican News): Dass es Regionalsynoden gibt, ist nicht außergewöhnlich. Das hat es immer mal gegeben zu ganzen Kontinenten und zu Regionen wie dem Nahen Osten.

Amazonien ist deswegen interessant, weil es in der ganzen spanischsprachigen Kirche eine große Rolle spielt - das ist immerhin die Hälfte aller Katholikinnen und Katholiken - die lebt in Lateinamerika, spricht Spanisch und Portugiesisch. Da spielt dieses Gebiet eine große Rolle. Nicht nur ökologisch, sondern auch sozial. Von daher ist das wie ein Brennpunkt für Entwicklungen, die die ganze Kirche betreffen.

DOMRADIO.DE: Was will der Papst mit der Amazonas-Synode erreichen?

Hagenkord: Das ist eine gute Frage. Erst mal sollen die Probleme zur Sprache kommen, die Menschen sollen reden dürfen, die normalerweise keine Stimme haben, die von Ausbeutung verstummt werden. Das ist ein großes Anliegen.

Dann ist sicherlich ein Anliegen, die Enzyklika "Laudato si'" konkret werden zu lassen. Die ist ja auch schon ein paar Jahre alt und braucht ein Update, muss nochmal konkretisiert werden.

Darüber hinaus werden wir sehen. Das Ganze dauert mehr als dreieinhalb Wochen. Das ist die längste Synode, die ich beobachtet habe. Da wird sicherlich noch sehr viel aus dem Prozess heraus entschieden werden, was die Anliegen sind. Von daher ist es eine sehr offene Sache.

DOMRADIO.DE: Was denken Sie denn, wie stehen die Chancen, dass diese Anliegen erreicht werden?

Hagenkord: Die Frage ist, was bedeutet gelingen? Man darf nicht vergessen, das Ende einer Synode ist ein Text - mehr nicht. Da ist noch nicht viel erreicht. Mir hat eine junge Ordensfrau in Amazonien gesagt: "Das Beste, was dabei herauskommen kann, ist, dass die Bischöfe sagen, das, was ihr da vor Ort macht, ist gut." Die Bestätigung dessen, was an neuen Wegen schon ausprobiert wird.

Ein Bischof sagte mir: "Wir wollen uns auf jeden Fall darüber austauschen, was gelingt und was nicht gelingt. Das möchte ich mit anderen besprechen. Und da wir tausende Kilometer auseinander leben, ist es ganz gut, dass man mal gemeinsam reflektiert." Es sind ja riesige Gebiete, über die wir hier sprechen. Ich war in einem Bistum unterwegs, das halb so groß wie die Bundesrepublik ist und 21 Priester hat. Nur mal, um eine Dimension zu nennen.

Wie kann man da katholische Kirche sein? Wie kann man da Seelsorge, Gemeinde, Gemeindeleitung aufrechterhalten? Das sind Themen, die sicherlich wichtig sind auch über Amazonien hinaus. Ob das gelingen wird, entscheidet sich vor Ort und nicht in Rom.

DOMRADIO.DE: Wenn wir das kurz zusammenfassen: Welche Ergebnisse erwarten Sie von der Synode?

Hagenkord: Wir haben einerseits "Laudato si'". Ich glaube, da wird nochmal ganz klar betont, die Bewahrung der Schöpfung ist nicht optional für Christen. Die Bewegung "Fridays for Future" unterstreicht das ja auch bei uns. Wir sind an einem Punkt angekommen, wo wir Umweltschutz real werden lassen müssen und zwar auch in den Strukturen und nicht nur in den Predigten.

Das zweite ist, tatsächlich die Realitäten vor Ort ernst zu nehmen, die Kulturen vor Ort, die Wirklichkeit, wie es Papst Franziskus nennt. Wir dürfen nicht der Idee einer abstrakten Kirche nachgehen, sondern müssen uns interessieren und neugierig sein und den Menschen zuhören, die in einer ganz anderen Weise Katholik und Katholikin sind als wir.

Die Synode wird ein Erfolg sein, wenn wir aufeinander hören und uns die Probleme der Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit durchbuchstabieren lassen. Das ist wichtiger als das ein oder andere Thema, das wir in Europa uns vorher ausgedacht haben.

Das Interview führte Moritz Dege.

(DR)

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