Brasilien, Novo Progresso: Verkohlte Bäume stehen in der Region Alvorada da Amazonia.
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26.08.2019

Lateinamerikas Kirche wegen Amazonas-Feuer in großer Sorge "Mit vereinten Kräften eindämmen"

Die Kirche Lateinamerikas fordert ein beherztes Vorgehen gegen die Brände im Regenwald. Mit Blick auf die indigenen Völker betonte der frühere Amazonas-Bischof Erwin Kräutler, man müsse "retten, was noch zu retten ist".

Die Brände im südamerikanischen Regenwald sorgen auch in der katholischen Kirche für großes Entsetzen. Zahllose kirchliche Organisationen aus Lateinamerika meldeten sich am Wochenende zu Wort. Aus Mittelamerika kamen Solidaritätsadressen von der Mexikanischen und Salvadorianischen Bischofskonferenz. Brasiliens Bischofskonferenz warnte, die Region sei für das ökologische Gleichgewicht des Planeten maßgeblich.

Der Generalsekretär der Bolivianischen Bischofskonferenz, Weihbischof Aurelio Pesoa Ribera, sprach von einem "Desaster, das in diesen Tagen in der Amazonas-Region unseres Landes passiert". Das kirchliche Hilfswerk Caritas werde "alles unternehmen, dass Hilfe so schnell wie möglich ankommt". Von der bolivianischen Regierung forderte die Bischofskonferenz größere Anstrengungen zur Feuerbekämpfung. Derzeit haben die Kandidaten für die Präsidentschaftswahl am 27. Oktober ihren Wahlkampf unterbrochen.

Der Lateinamerikanische Bischofsrat CELAM und das kirchliche Panamazonas-Netzwerk REPAM verlangten ein entschlossenes Vorgehen vor allem der Regierungen in Brasilien und Bolivien. Zudem bringen sie ihre Solidarität mit den betroffenen indigenen Völkern zum Ausdruck.

Papst fordert zu Hilfe auf

Schnelle Hilfe der Weltgemeinschaft sei notwendig, um die Zerstörung zu stoppen. Am Sonntag hatte auch Papst Franziskus zu schneller Eindämmung der Brände "mit vereinten Kräften" aufgerufen. Der Regenwald als grüne Lunge sei "lebensnötig für unseren Planeten".

Die Amazonas-Waldbrände sind die schwersten seit Jahren. Lokale Medien gehen davon aus, dass die Brände in Brasilien und Bolivien von Landwirten und Landarbeitern gelegt wurden, um illegal an Flächen zu gelangen.

Amazonas-Bischof Erwin Kräutler brachte die Misere auf folgenden Punkt: Für die Indigenen in der Amazonas-Region sei der Regenwald Lebensraum, während von der brasilianischen Politik unterstützte Investoren darin ein Geschäft mit der Plünderung von Bodenschätzen und Naturreichtümern sähen. "Für die Indios ist dieses Gebiet das Land ihres Überlebens, das Land ihrer Mythen, ihrer Riten, das Land für das Leben", so der emeritierte Bischof der brasilianischen Diözese Xingu in einem Video der Schweizer "Neuen Zürcher Zeitung".

Regierung und "neokapitalistische Gesellschaft" sähen das Land hingegen nur unter dem Aspekt "Kaufen und Verkaufen", so der 80-Jährige: "Es geht also um Land zum Leben oder Land als Ware."

Kräutler, der von 1981 bis 2015 Diözesanbischof der Prälatur Altamira-Xingu war, ist ein auch international gefragter Experte für Menschenrechte, Umweltschutz und Indio-Rechte. Seit Jahrzehnten setzt er sich in Brasilien unter anderem für die Verankerung der Rechte der Ureinwohner und die sogenannte Demarkierung (Abgrenzung) der Indio-Gebiete ein, um diese vor Ausbeutung zu schützen. Mit Nationalparks und den indigenen Gebieten könne man in Amazonien "retten, was noch zu retten ist".

Kürzlich warf der aus Österreich stammende Bischof in einem Interview der Presseagentur Kathpress Staatspräsident Jair Bolsonaro eine "anti-indigene Einstellung" vor. Hintergrund waren Bolsonaros Ankündigungen, Umweltschutzgebiete sowie indigene Reservate für die wirtschaftliche Nutzung durch multinationale Konzerne zu öffnen.

Thema bei Amazonas-Synode

"Wir werden mit allen Mitteln für Amazonien und die Indios eintreten", betonte Bischof Kräutler und verwies auch auf die anstehende Amazonien-Synode, die sich mit dieser Thematik befassen werde: "Es geht um die Verteidigung Amazoniens gegen skrupellose Ausbeutung und Zerstörung."

Im Vatikan tagt vom 6. bis 27. Oktober eine Sondersynode zu Amazonien. Bei dem Bischofstreffen soll es neben Theologie und Seelsorge auch um Umweltschutz, Menschenrechte und die Belange der indigenen Bevölkerung gehen.

Der brasilianische Kardinal Claudio Hummes forderte angesichts der Brände einen dringenden Wandel der Entwicklungsmodelle. Bisher herrschten in Amazonien wirtschaftliche und private Interessen vor, die einer "Neuauflage des Kolonialismus" gleichkämen, schrieb er in der Vatikanzeitung "Osservatore Romano". Wenn sich daran nichts ändere, "wird die ganze Region zerstört werden, mit all den verheerenden Folgen, die schon absehbar sind", so Hummes.

Auch das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, beklagte die Lage am Amazonas. Die jetzigen Brände könnten Auswirkungen auf Generationen von Menschen haben.

Tobias Käufer
(KNA)

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