Nonnen der Ordensgemeinschaft Missionarinnen der Nächstenliebe in Indien
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Indiens Premierminister Narendra Modi
Indiens Premierminister Narendra Modi

05.06.2019

Christen in großer Sorge nach Wahlsieg der Hindunationalisten in Indien "Fünf weitere Jahre in Angst"

Mit Sorge blicken indische Christen nach dem Wahlsieg der hindunationalistischen "Indischen Volkspartei" von Premierminister Narendra Modi auf die Lage im Land. Steigt die Bedrohung für die religiösen Minderheiten in Indien?

DOMRADIO.DE: Ist die Angst von Christen und Muslimen in Indien neu? Und ist sie begründet?

Tobias Lehner (Internationales katholisches Hilfswerk Kirche in Not): Die Angst der religiösen Minderheiten ist leider nicht neu. Und sie ist durchaus begründet. Allerdings fällt die Dimension der Diskriminierung und der Verfolgung regional unterschiedlich aus.

Im Süden Indiens, wo auch viele Touristen hinkommen, gibt es ein sehr vielfältiges und relativ freies kirchliches Leben. Aber im Norden und Osten von Indien sieht das ganz anders aus. Übergriffe von Seiten nationalistischer Hindus sind fast an der Tagesordnung. Das geht von Zwangskonversionen über Überfälle auf Kirchen und Moscheen bis zu blutigen Übergriffe mit Toten und Verletzten. Seit 2014 nimmt die Gewalt gegen die Christen zu. Das war das Jahr, wo der Hindunationalist Narendra Modi zum ersten Mal die absolute Mehrheit eingefahren hat. Das versetzte viele Christen in Indien in regelrechte Panik.

DOMRADIO.DE: Im Westen nimmt man das gar nicht so dramatisch wahr.

Lehner: In der Tat: bitterarm, vielfältig und tolerant. So erleben ja viele Touristen Indien. Zwei von diesen drei Beschreibungen stimmen allerdings nicht. In unserem letzten Bericht zur Religionsfreiheit weltweit haben wir für Indien allein 2017 mindestens 197 Tote und über 4.000 Verletzte bei Übergriffen auf religiöse Minderheiten gezählt. Unseren Partnern vor Ort ist sehr wichtig, dass die Welt von den Zuständen erfährt. Das ist eine unserer Aufgaben - neben den vielen Projekten, die wir dort finanzieren.

DOMRADIO.DE: Was macht denn die Christen zur Zielscheibe von Übergriffen?

Lehner: Minderheiten sind natürlich immer leichte Opfer. Hinzu kommt: Viele Christen im Norden kommen aus der Kaste der Dalits, das sind die sogenannten Unberührbaren der hinduistischen Gesellschaftsordnung. Das sind die Ärmsten der Armen, ausgestoßen, diskriminiert und eben auch eine Zielscheibe der Gewalt. Wenn diese Menschen Christen werden, machen sie oft zum ersten Mal die Erfahrung, eine Würde zu haben, geliebt zu werden von Gott und Hilfe in der Gemeinschaft zu bekommen. Es gibt zwar Förderprogramme der Regierung, um die haarsträubende Situation der Unberührbaren zu verbessern. Die gelten aber nur für Hindus und nicht für Christen oder Muslime aus dieser Kaste. Das ist fatal!

Hinzu kommt: Die Kirche ist vielfach die einzige Institution, die etwas gegen das große soziale Gefälle und gegen die Ausbeutung der Armen tut. Sie betreut Schulen, Bildungseinrichtungen und Krankenhäuser. Denken wir nur an Mutter Teresa und andere große Namen! Das macht die Kirche aber auch zum Hassobjekt für Nationalisten, die alles so belassen wollen, wie es ist.

DOMRADIO.DE: 900 Millionen Menschen haben ihre Stimme abgegeben. Ist da eigentlich sichergestellt, dass diese Wahl rechtens abgelaufen ist.

Lehner: Es wurde knapp sechs Wochen lang in sieben Phasen gewählt. Da ist es natürlich schwierig, alles im Blick zu haben. Es gab vereinzelt Medienberichte, dass Namen von Wählerlisten verschwunden seien, dass es Manipulationen am elektronischen Wahlsystem gegeben haben soll. Es gab viele Fake News im Wahlkampf. Da sind viele Fragezeichen, auch was das Thema Stimmenkauf angeht.

Unsere Gesprächspartner haben berichtet, die hindunationalistische Regierungspartei Bharatiya Janata Party von Premierminister Narendra Modi habe Tagelöhnern kurz vor der Wahl Rupien ausbezahlt. Aus der Ferne ist das schwer zu beurteilen. Fakt ist, die BJP hat wohl alles dafür getan, um ihre Macht zu sichern. Und das bedeutet für die Christen wie auch für andere Minderheiten fünf weitere Jahre in Angst.

DOMRADIO.DE: Ist abzusehen, dass es tatsächlich auch fünf Jahre lang so bleiben wird?

Lehner: Es sieht alles danach aus. Allerdings kann sich die Situation im Land auch verändern. Es gibt wirtschaftlich durchaus einige offene Fragen, diese große Lokomotive des Wachstums hat ein bisschen an Fahrt verloren. Es bleibt abzuwarten.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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