Wilton Daniel Gregory
Wilton Daniel Gregory

30.04.2019

Wilton Gregory ist Hoffnungsträger – doch es gibt auch Kritik Wer ist der neue Erzbischof von Washington?

Papst Franziskus hat mit Wilton Gregory einen Vertrauten mit Durchsetzungsvermögen im Erzbistum Washington installiert. In den USA gilt er vielen als Hoffnungsträger – andere üben jedoch auch Kritik.

Im Mai tritt Wilton Gregory sein Amt als Erzbischof von Washington an. Papst Franziskus ernannte ihn am 4. April zum Nachfolger von Kardinal Donald Wuerl (78), der im Oktober im Zusammenhang mit dem kirchlichen Missbrauchsskandal seinen Rücktritt angeboten hatte. Mit Gregory leitet erstmals ein Afroamerikaner das wichtige Erzbistum. Während die einen in ihm einen Hoffnungsträger und profilierten Kämpfer gegen sexuellen Missbrauch sehen, reagierten andere mit Ablehnung auf die Personalie.

Gregorys Ruf als Vorkämpfer gegen Missbrauch beruht vor allem auf seine Zeit als Vorsitzender der US-Bischofskonferenz Anfang der 2000er Jahre. Damals war er maßgeblich für die Durchsetzung der sogenannten "Charter for the Protection of Children and Young People" verantwortlich. Sie schrieb Regeln zur kirchenrechtlichen Bestrafung von Missbrauch und zur Prävention fest. 2002 wurde sie vom Vatikan anerkannt und gilt bis heute als Vorbild auch für andere Bischofskonferenzen.

Kritiker Gregorys monieren laut einem Bericht der «Washington Post» hingegen, die sogenannte "Dallas Charta" habe zwar wichtige Maßstäbe gegen Missbrauch gesetzt, jedoch nicht den Umgang mit Verantwortlichen, die Missbrauch vertuscht hätten, klar geregelt. Vertreter von Missbrauchsopfern werfen Gregory zudem vor, auch selbst Missbrauchsfälle in der Vergangenheit nicht konsequent aufgeklärt zu haben.

Empörte katholische Laien

Im konservativen Lager ist zudem seine Haltung zu Abtreibung und Homosexualität umstritten. In einer Petition der Website "LifeSiteNews" heißt es, gläubige katholische Laien seien empört über die Ernennung Gregorys, der für seine "Unterstützung der Homosexuellen-Agenda" bekannt sei. Beim Thema Lebensschutz kreiden ihm einige Kritiker an, dass er neben dem Kampf gegen Abtreibung den Einsatz gegen Armut, Todesstrafe und Umweltzerstörung gleichberechtigt auf die kirchliche Agenda setze.

Gregory gilt weithin als eher liberal und progressiv. Geboren am 7. Dezember 1947 entdeckte er als kleiner Junge an einer katholischen Schule seinen Glauben; früh verkündete er den Wunsch, Priester werden zu wollen und konvertierte zum Katholizismus. 1973 wurde Gregory in der Erzdiözese Chicago zum Priester geweiht; zehn Jahre später zum Bischof. Er galt als Ziehsohn des dortigen Kardinals Joseph Bernardin. 1993 ernannte Papst Johannes Paul II. Gregory zum Bischof von Belleville; seit 2004 leitete er die Erzdiözese von Atlanta.

Vergleich mit Vizepräsident Joe Biden

Die "Washington Post" vergleicht Gregory mit Obamas Vizepräsident Joe Biden. Er sei immer schon da gewesen, allgemein beliebt und aufgeschlossen gegenüber Minderheiten in der katholischen Gemeinschaft. Dass der Papst ihn nach Washington schicke, zeige, dass Franziskus "jemanden wollte, der nachdenklich, fortschrittlich und aufgeschlossener ist, um eine der wichtigsten Erzdiözesen der Welt zu leiten", sagte der bekannte US-Jesuit James Martin, der mit seinem regelmäßigen Einsatz für homo- und transsexuelle Menschen für viele konservative Katholiken zu einem Roten Tuch geworden ist.

Unabhängig von all diesen Spekulationen und Debatten: Offenbar traut der Papst Gregory zu, der Erzdiözese Washington in stürmischen Zeiten zu Stabilität zu verhelfen und das Vertrauen der Gläubigen in die Kirche wiederherzustellen. Gregorys Vorgänger, Kardinal Donald Wuerl, hatte im Oktober im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal seinen Rücktritt angeboten. Er war im Zusammenhang mit dem Bericht über Missbrauchsfälle im US-Bundesstaat Pennsylvania in die Kritik geraten. Dem 78-Jährigen werden Vertuschungen in seiner Zeit als Bischof von Pittsburgh (1988-2006) vorgeworfen. Zudem soll er von den sexuellen Vergehen seines Vorgängers in Washington, Theodore McCarrick (88), gewusst haben - was Wuerl bestreitet.

"Ich werde euch immer die Wahrheit sagen."

Bei einer Pressekonferenz nach seiner Ernennung versprach Gregory größtmögliche Transparenz: "Ich werde euch immer die Wahrheit sagen." Auch wenn das womöglich bedeute, bisweilen zugeben zu müssen, dass man sich in manchen Fragen nicht ganz sicher sei.

Sicher ist, dass er auf dem Bischofsstuhl in der US-Hauptstadt entschlossen handeln muss. Mit 71 Jahren bleiben ihm vier Jahre bis zum offiziellen Pensionierungsalter. Gregory hat nicht den Luxus, sich in das Amt eingewöhnen zu können. "Er muss auf Anhieb durchstarten", sagt Thomas Reese, Priester und Kolumnist des National Catholic Reporter.

Thomas Spang und Inga Kilian
(KNA)

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