Zerstörte Heiligenfiguren
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Prof. Heribert Hirte
Prof. Heribert Hirte

23.04.2019

Besorgnis über Christenhass auch in Europa? "Wir müssen sehr vorsichtig sein"

Weltweit nimmt der Hass gegen Christen und Religionen insgesamt zu. So nimmt es Heribert Hirte, Vorsitzender des Stephanuskreises der Unions-Bundestagsfraktion, wahr. Oft werde nicht zwischen Staat und Religion getrennt.

DOMRADIO.DE: Der Schock nach dem verheerenden Anschlägen in Sri Lanka mit so vielen Todesopfern ist nach wie vor groß. Aber kamen diese Anschläge auch wirklich überraschend - denn gerade an hohen christlichen Feiertagen kommen Anschläge auf Christen immer wieder vor, oder?

Heribert Hirte (CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des christlichen Stephanuskreises der Unionsfraktion): Sie haben recht. Gerade an christlichen Feiertagen bedarf es besonderer Wachsamkeit und wir haben auch in den letzten Jahren immer wieder an diesen Tagen Anschläge erleben müssen. Insofern sind die Anschläge in Sri Lanka leider nicht überraschend, weil es natürlich so ist, dass die christlichen Feiertage - Weihnachten, Ostern - vor allen Dingen ausgenutzt werden, um den entsprechenden Aufmerksamkeitswert zu bekommen. Und um natürlich gerade bei Anschlägen auf Kirchen zu erreichen, dass die Zahl der Opfer besonders hoch ist.

DOMRADIO.DE: Nun wird viel spekuliert. Noch ist nicht ganz klar, wer für die Anschläge in Sri Lanka verantwortlich ist. Heute wurde auch von einem möglichen Racheakt für die Anschläge auf Muslime in Christchurch gesprochen. Wie schätzen Sie das ein?

Hirte: Ich möchte mich an diesen Spekulationen nicht beteiligen, dafür ist es sicherlich zu früh. Wir können sicher eine allgemeine Stimmung - und zwar in verschiedene Richtungen - beobachten: Dass religiöser Hass steigt, dass religiöser Hass auch geschürt und ausgenutzt wird. Insofern: Wenn es ein direkten Zusammenhang mit Christchurch vielleicht nicht gibt, so ist zumindest ein Zusammenhang sicher: Hass gegen Religionen nimmt zu. Und dagegen müssen wir angehen.

DOMRADIO.DE: Haben diese Anschläge denn jetzt nochmal eine neue Qualität erreicht?

Hirte: Ich habe das jetzt nicht gezählt, aber was die Zahl der Opfer angeht, zählen die Anschläge in Sri Lanka mit Sicherheit zu den schlimmsten und schrecklichsten Anschläge gegen Christen, die wir je erlebt haben. Und zwar zielgerichtet. Es wurden auch Hotels angegriffen und ob es da einen Zusammenhang gibt, dass - das sage ich jetzt mal in Anführungszeichen - westliche Hotels angegriffen wurden und gleichzeitig Kirchen, das wird man erst noch zu ermitteln haben.

Sicher ist aber: Wir sehen insgesamt einen Anstieg der Angriffe und Attentate gegen Christen, aber auch gegen andere Religionen. Ich möchte nur die Situation des von Sri Lanka ja gar nicht so weit entfernten Indiens erinnern, wo das herrschende Regime gegen alle nicht hinduistischen Religionen - und dazu gehören in diesem Land die Moslems und die Christen gemeinsam - vorgeht. Insofern ist es ein Gesamttrend, der wir beobachten können, und der ist ziemlich besorgniserregend.

DOMRADIO.DE: Jetzt haben Sie gerade schon die westlichen Hotels angesprochen, die auch Ziel dieser schrecklichen Anschläge waren. Muss man denn da jetzt auch von einem Angriff auf westliche Werte sprechen? Sind die christlichen Werte in dieser Hinsicht auch westliche Werte?

Hirte: Das ist sicherlich bei einigen dieser Anschläge so zu beobachten gewesen, dass das Christentum als die Religion des Westens in manchen Ländern als die Religion der Vereinigten Staaten angesehen wird und dass, wenn das Christentum getroffen werden soll, insbesondere auch die Vereinigten Staaten getroffen werden sollen. Deshalb ist es mir immer wichtig zu betonen: Religion und Staat gehören getrennt, gehören, gerade was ihre Botschaften angeht, getrennt. Denn sonst erleben wir Instrumentalisierung der Religion für und gegen die Religion und das nutzt der Religion und der Religionsfreiheit nicht.

DOMRADIO.DE: Wie sieht das denn bei uns im Westen selbst aus? Gibt es hier Gründe zur Sorge, dass sich ein Christenhass auch in Europa verbreitet?

Hirte: Ich glaube schon, dass wir sehr vorsichtig sein müssen. Wobei die Sorge jetzt gerade auf Westeuropa bezogen eher darin besteht, dass wir eine Situation haben, in der das Verhältnis zur Religion immer distanzierter und damit natürlich das Verständnis allen Religionen gegenüber kritisch wird. Und das trifft das Christentum bei uns auch. Es trifft aber alle Religionen. Und da müssen wir meines Erachtens vorsichtig sein, dass wir den Anfängen wehren.

DOMRADIO.DE: Die Distanz zur Religion allgemein könnte ein Grund dafür sein. Gibt es denn noch andere Gründe, die so einen zunehmenden Hass auf Religionen weltweit erklären können?

Hirte: Ich glaube, was die Länder Südostasiens angeht und dazu gehört auch China, da ist der wichtigste Grund die Allianz mit bestimmten Staaten des Westens. Das wird zumindest so wahrgenommen. Wir erleben dann auch, dass die Religionen - natürlich gerade das Christentum in diesen Ländern - missioniert werden. Die Religion steht für Aufklärung, für Lesen, für Bildung, für die Gleichbehandlung von Mann und Frau. Und das ist natürlich für manche Gesellschaften ein rotes Tuch und insofern ist das, was mit der Religionsfreiheit aus meiner Sicht verbunden wird, auch ein Kampf um andere bürgerliche Freiheiten einschließlich der Gleichbehandlung von Mann und Frau.

(DR)

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