Kindersoldaten - missbraucht und unter Drogen gesetzt
Kindersoldaten in Simbabwe
Aktion zum "Red Hand Day"
Aktion zum "Red Hand Day"

12.02.2019

"Red Hand Day": Bündnis beklagt Einsatz von Kindersoldaten Kämpfer in den Kriegen der Erwachsenen

​Zehntausende Kinder werden Hilfsorganisationen zufolge weltweit trotz einer Ächtung nach wie vor in den bewaffneten Kampf geschickt. Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten spricht von schätzungsweise bis zu 250.000 Kindersoldaten.

Sie würden in mindestens 19 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas rekrutiert, erklärte das Bündnis anlässlich des Weltaktionstags gegen den Einsatz von Kindersoldaten an diesem Dienstag. Zu dem Bündnis gehören etwa die Hilfsorganisationen Unicef Deutschland und Terre des Hommes sowie die katholische Friedensbewegung Pax Christi.

Rund 50 Armeen und bewaffnete Gruppen schickten nachweislich Kinder in den Kampf, heißt es. Etwa 65.000 Kindersoldaten konnten in den vergangenen zehn Jahren aber auch befreit werden.

Appell an Konfliktparteien und Regierungen

Kinder dürften auf keinen Fall in den Kriegen der Erwachsenen eingesetzt werden, sagte der Geschäftsführer des UN-Kinderhilfswerks Unicef in Deutschland, Christian Schneider. "Alle Konfliktparteien und Regierungen, die Einfluss auf diese haben, müssen sich dazu verpflichten, den Einsatz von Kindersoldaten weltweit endlich zu beenden."

Von Afghanistan bis zur Zentralafrikanischen Republik würden Mädchen und Jungen von Streitkräften und bewaffneten Gruppen rekrutiert, erklärte Unicef. Dabei würden Kinder zum Kämpfen, aber auch als Späher oder zum Überbringen von Nachrichten und für Hilfstätigkeiten wie Kochen eingesetzt. Manche Mädchen würden mit Kämpfern zwangsverheiratet, und Mädchen ebenso wie Jungen sexuell missbraucht.

Die Erlebnisse seien traumatisch. In extremen Fällen würden Kinder gezwungen, als "lebende Schutzschilde" zu agieren oder sich auf belebten Plätzen selbst in die Luft zu sprengen.

Rektrutierung Minderjähriger auch in Deutschland

Das Bündnis kritisierte auch die Rekrutierung von Minderjährigen in Deutschland, Großbritannien und den USA. Die drei Länder schwächten damit aufgrund ihrer Vorbildfunktion internationale Standards, sagte der Sprecher des Bündnisses, der Kinderrechtsexperte von Terre des Hommes, Ralf Willinger. So würden andere Länder zur Rechtfertigung auf die drei genannten Länder verweisen. Drei von vier Staaten verzichteten auf minderjährige Soldaten.

 

 

So seien in Deutschland allein im vergangenen Jahr 1.679 Minderjährige als Soldatinnen und Soldaten angeheuert worden, erklärte das Deutsche Bündnis Kindersoldaten. Der Anteil der unter 18-Jährigen an den insgesamt 20.012 neu eingestellten Soldaten war 2018 im Vergleich zum Vorjahr von 9,1 auf 8,4 Prozent gesunken und damit erstmals seit 2013 wieder rückläufig.

Insgesamt habe sich seit 2011 der Anteil der Minderjährigen in der Bundeswehr aber mehr als verdoppelt, hieß es unter Verweis auf die neue Studie "Why 18 matters" des deutschen Bündnisses und der Organisation Child Soldiers International.

Belege sexualisierter Gewalt

Die Studie belegt den Angaben zufolge zudem, dass es in der Bundeswehr regelmäßig zu sexueller Gewalt und Missbrauch komme. In den Jahren 2017 und 2018 seien minderjährige oder gerade volljährig gewordene Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr von sexualisierten Ritualen, sexueller Belästigung und Vergewaltigung betroffen gewesen, hieß es.

Der kinderpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Norbert Müller, sagte: "Eine Viertelmillion Kindersoldaten weltweit sind eine Viertelmillion zu viel." Die Bundesregierung müsse ihre Verantwortung ernst nehmen und die Rekrutierung Minderjähriger bei der Bundeswehr endlich beenden, fordert er. Seine Fraktion will am Donnerstag einen entsprechenden Antrag im Parlament stellen.

Der rote Handabdruck als Zeichen

Bei dem Aktionstag namens "Red Hand Day" setzen Kinder und Jugendliche weltweit mit roten Handabdrücken ein Zeichen gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Auch die Kinderkommission des Bundestages beteiligt sich. Abgeordnete und Beschäftigte geben ihre Abdrücke ab. Anschließend werden diese an die Vereinten Nationen weitergeleitet.

(KNA, epd)

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