Venezuela kommt nicht zur Ruhe
Venezuela kommt nicht zur Ruhe
Reiner Wilhelm, Mexiko-Referent bei Adveniat
Adveniat-Länderreferent Reiner Wilhelm
 Juan Guaido, Präsident des entmachteten Parlaments in Venezuela
Juan Guaido, Präsident des entmachteten Parlaments in Venezuela, erklärt sich auf einer Kundgebung vor Anhängern zum Staatschef.
In der Kritik: Venezuelas Präsident Maduro
Venezuelas Präsident Maduro

24.01.2019

Machtkampf um die Führung Venezuelas Selbst Bischöfe gehen auf die Straße

Massenproteste in Venezuela: Die USA denken gar über eine militärische Intervention nach, um den selbst ernannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó zu unterstützen. Auch die Kirche ist auf Guaidós Seite und geht für ihn auf die Straße.

DOMRADIO.DE: Bei Massenprotesten gegen den venezolanischen Präsidenten Maduro gab es am Mittwoch mindestens 13 Tote. Der Parlamentschef Juan Guaidó hat sich selbst zum Interimspräsidenten ernannt. Bewerten Sie das als Befreiungsschlag in Richtung Demokratie?

Reiner Wilhelm (Venezuela-Referent beim katholischen Hilfswerk Adveniat): Ja, Guaidó kam einer Situation zuvor. Das Oberste Verfassungsgericht hat die Führung des Parlaments für abgesetzt erklärt und deswegen blieb ihm eigentlich nichts anderes übrig, als entweder dasselbe Schicksal erleiden zu müssen, wie seine Vorgänger – nämlich ins Exil zu gehen, verhaftet und gefoltert zu werden oder die Flucht nach vorne anzutreten. Und da hat er Fakten gesetzt, indem er sich selber zum Übergangspräsidenten ernannt hat.  

DOMRADIO.DE: Wer ist denn Juán Guaidó? Hat er das Zeug, Venezuela wieder zur Demokratie zurückzubringen?

Wilhelm: Das ist genau das Gute an der ganzen Sache, denn er ist unverbraucht, kaum bekannt und er ist jemand, der zu seiner politischen Haltung eigentlich auch steht. Alle waren überrascht, als er am 5. Januar den Amtseid als Parlamentspräsident geleistet und ein klares Konzept hatte und dass er kein einfacher Jüngling ist, so wie Maduro ihn bezeichnet hat.

Er kommt aus einer Mittelstandsfamilie, ist Ingenieur, hat an einer sehr berühmten Universität studiert – nämlich der Universität in Caracas. Er ist jemand, der als Studentenführer bereits für die Sache auf die Straße gegangen ist. Es ist jemand, der immer in der zweiten und dritten Reihe gestanden hat, aber auch jemand, der ein klares Profil hat.

DOMRADIO.DE: Sie stehen ja in ständigem Austausch mit Ihren Partnern vor Ort –  wie bewerten die die aktuelle Situation?

Wilhelm: Es war schon sehr interessant, dass die Bischöfe Guaidó zur Vollversammlung Anfang des Monats eingeladen haben. Dort hat er sich und auch sein Programm vorgestellt. Und daraufhin haben sie ihn voll unterstützt. Die Bischöfe stehen ganz klar und eindeutig auf der Seite des Volkes. Sie haben gesagt: "Es reicht jetzt. Die Demokratie muss wiederhergestellt werden, das geht mit diesem aktuellen Regime nicht." Insofern haben sie sich sehr klar und deutlich positioniert.

Die Bischöfe, die an den Demonstrationen teilgenommen haben, die Teil der Demonstrationen waren, die mitgelaufen sind, die teilweise die Leute ermuntert haben, haben gesagt: "Die Situation ist sehr schwierig, sehr angespannt. Man hört Schüsse. Man hat die Demonstranten eingekesselt. Aber – und das ist das Spannende – wir demonstrieren als gesamtes Volk, nicht als Opposition, nicht als Kommunisten; sondern alle gemeinsam." Und das ist unheimlich spannend gewesen.

DOMRADIO.DE: Das klingt ja so, als stände Venezuela auf der Schwelle zu einem Bürgerkrieg. Wie gefährlich ist die Lage?

Wilhelm: Die Lage ist natürlich sehr angespannt. Ich gehe davon aus, dass Guaidó nichts alleine gemacht hat. Das war abgesprochen mit den USA und auch mit den Nachbarstaaten. Als er den Amtseid abgelegt hatte, kam nur wenige Minuten später die Unterstützungsmeldung von den USA: "Wir erkennen Dich als Präsident an."

Das heißt: In den folgenden 72 Stunden wird es wirklich um alles oder nichts gehen. Die USA haben ganz klar gesagt: "Wir unterstützen Guaidó. Maduro ist nicht mehr der Präsident." Maduro hat während seiner Ansprache ganz klar und deutlich gegen die USA Stellung bezogen und hat vor Ort angeordnet, dass die Botschaft innerhalb von 72 Stunden geräumt werden müsse. Das hat die USA abgelehnt.

Zurzeit ist es ein Machtkampf zwischen dem Volk und Maduro und den USA. Denn die Situation kann sich so weit zuspitzen, dass man zurzeit nicht weiß, wie es weitergeht. Die Militärs werden jetzt eine klare und deutliche Position einnehmen müssen.

DOMRADIO.DE: Welche Rolle spielt die katholische Kirche in diesem Chaos?

Wilhelm: Die hat sich sehr deutlich positioniert. Die Bischöfe haben sich in dem Hirtenwort, das am 22. herausgekommen ist, sehr deutlich auf die Seite des Volkes gestellt. Sie haben die Militärs aufgefordert, ihrem Gewissen zu folgen und das Volk zu verteidigen. Und das ist eine ganz klare und deutliche Positionierung.

DOMRADIO.DE: Sie appellieren ausdrücklich an die Bundesregierung, die Opposition in Venezuela gegen Machthaber Maduro zu unterstützen. Wie genau stellen Sie sich das vor?

Wilhelm: Die Bundesregierung hat ja momentan keine eindeutige Haltung. Da sind andere klarer. Aber ist jetzt wirklich die Zeit, sich einfach mal zu überlegen: "Reichen nur noch Diplomatie und das Wort und dass man versucht, irgendwie in Dialog zu kommen und Neuwahlen auszurufen?" Das wird es nicht sein. Man muss sich jetzt positionieren und man muss sehen, was da in Venezuela passiert. Die Menschen leben am Rande des Existenzminimums. Sie haben Hunger. Es gibt keine Medikamente mehr. Die Chargen sind auf der Straße, haben die Menschen angegriffen. Also man muss sich hier klar und deutlich für die Demokratie positionieren.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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