Papst Franziskus trifft Muhammad bin Zayid Al Nahyan, Kronprinz von Abu Dhabi, 2016
Papst Franziskus trifft Muhammad bin Zayid Al Nahyan, Kronprinz von Abu Dhabi, 2016

06.12.2018

Papst auf Friedensmission in Arabien Überraschend nach Abu Dhabi

Erstmals besucht ein Papst die Arabische Halbinsel: Im Februar nimmt Franziskus an einem interreligiösen Treffen teil. Mit Blick auf Saudi-Arabien wirft die unerwartete Ankündigung auch Fragen auf.

Überraschend hat der Vatikan eine Papstreise in die Emirate angekündigt: Vom 3. bis 5. Februar besucht Franziskus das Emirat Abu Dhabi und nimmt dort an einem interreligiösen Treffen teil. Erstmals setzt damit ein Nachfolger des Apostels Petrus seinen Fuß auf die Arabische Halbinsel - ein Schritt, der auch im benachbarten Saudi-Arabien wahrgenommen werden wird.

Der Papst folge einer Einladung von Kronprinz Muhammad bin Zayid Al Nahyan und der katholischen Kirche in den Vereinigten Emiraten, teilte der Vatikan am Donnerstag mit. Anlass ist den Angaben zufolge eine interreligiöse Begegnung mit dem Titel "Human Fraternity" (Menschliche Brüderlichkeit).

"Selig sind die Friedensstifter"

Der Papstbesuch selbst steht unter dem Motto "Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens". Das ist der Beginn eines bekannten Friedensgebets, das Franz von Assisi (1181/1182-1226) zugeschrieben wird. Die Autorenschaft ist unsicher; doch der heilige Bettelbruder reiste 1219, also genau vor 800 Jahren, in den Orient, um vor Sultan Al-Kamil zu predigen. Papst Franziskus wählte seinen Namen nach Franz von Assisi – just weil der ihm, wie der Vatikan betont, ein leuchtendes Beispiel für den Ausspruch Jesu schien: "Selig sind die Friedensstifter".

Vom Programm ist bislang nur bekannt, dass Franziskus am Abreisetag, einem Dienstag, eine öffentliche Messe in Abu Dhabi feiern wird – etwas, was der örtliche Bischof Paul Hinder ausdrücklich als großzügige Geste der Regierung würdigt. Der Schweizer Kapuziner verwaltet ein Gebiet von der neunfachen Fläche Deutschlands. Rund 2,2 Millionen Katholiken leben dort, fast ausnahmslos Ausländer und Gastarbeiter.

Vergleichsweise frei

Die besondere Situation der Kirche auf der Arabischen Halbinsel wird unter anderem darin deutlich, dass sie keine Bistümer hat, sondern nur Vorstufen dazu, sogenannte Apostolische Vikariate: Zu Hinders Beritt gehören neben den Emiraten Oman und Jemen. Um Bahrain, Katar, Kuwait und Saudi-Arabien kümmert sich als Bischof der Italiener Camillo Ballin. In Saudi-Arabien ist die Lage so sensibel, dass für die Seelsorge Verantwortliche nicht gern über ihre Arbeit sprechen.

Da gelten die Emirate als vergleichsweise frei. Feste wie Ostern und Weihnachten finden regelmäßig Echo in den (von Ausländern gelesenen) Medien; die Herrscherfamilien präsentieren sich als Schirmherren der Christen. Als in Abu Dhabi 2015 die zweite Kirche eingeweiht wurde, kam nicht nur Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, sondern auch Abu Dhabis Kulturminister Scheich Nahyan bin Mubarak.

Dialog zwischen Muslimen und Christen

Vom Besuch des Papstes erhofft Bischof Hinder einen "wichtigen Schritt im Dialog zwischen Muslimen und Christen". Neben gegenseitigem Verständnis soll die Visite auch Friedensbemühungen im Nahen Osten voranbringen, erklärte er am Donnerstag. Dieses Anliegen versinnbildlicht das Besuchslogo – eine Taube mit einem Olivenzweig.

Ein hochrangiges interreligiöses Treffen fällt für den Vatikan eigentlich in eine schwierige Zeit. Die Spitze des päpstlichen Dialogrates ist durch den Tod von Kardinal Jean-Louis Tauran im Juli verwaist. Auch ist noch unklar, wer von islamischer Seite teilnimmt. Wenn es stimmen sollte, dass entsprechende Reisepläne schon seit längerem in den Schubladen schlummerten, ist die Frage, warum man sie ausgerechnet jetzt herauszog.

Kashoggi-Affäre und Jemen-Konflikt

Spannend ist auch, ob und wie die Hüter der Heiligen Stätten in Saudi-Arabien auf die Visite reagieren. Im November 2017 reiste der Patriarch der mit Rom verbundenen maronitischen Kirche, Kardinal Bechara Boutros Rai, zu König Salman ibn Abd al-Aziz und Kronprinz Mohammed bin Salman. Von dem als historisch bewerteten Besuch kehrte er mit der Einschätzung zurück, er sehe Chancen für mehr Religionsfreiheit.

Jüngst pries der koptische Patriarch Tawadros II. den Kronprinzen als einen "aufgeschlossenen Mann" und "Säule" der arabischen und islamischen Welt. Er kündigte an, Bin Salman zu besuchen. Vielleicht will der Vatikan angesichts der unangenehmen Kashoggi-Affäre und des Jemen-Konflikts nun einen anderen Akzent setzen.

Abu Dhabis Kronprinz und Franziskus kennen sich von einem Besuch 2016 im Vatikan. Nach der Unterredung überreichte der Papst Muhammad ein Friedensmedaillon mit Olivenzweigen. "Mir gefällt dieses Bild", sagte Franziskus damals, "denn die beiden Zweige nähern sich einander immer mehr an."

Burkhard Jürgens
(KNA)

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