Migranten an der US-Grenze in Tijuana
Migranten an der US-Grenze in Tijuana
Mexiko, Tijuana: Demo mit einem Schild "Keine Karawanen mehr"
Mexiko, Tijuana: Demo mit einem Schild "Keine Karawanen mehr"

03.12.2018

Park der Freundschaft in Tijuana bleibt geschlossen Umzug der Migranten in neues Lager

Der Umzug der Migranten von Tijuana in ein neues Lager ist fast abgeschlossen. Helfer kritisieren Diskriminierung von Mitgliedern des Flüchtlingstrecks. Der Erzbischof von Tijuana rät den Einwohnern, das wahre, stolze Gesicht Tijuanas zu zeigen.

Vor gut einer Woche scheiterte der Versuch von mehreren hundert Migranten in der nordmexikanischen Grenzstadt Tijuana, die Grenze der USA auch ohne gültige Papiere zu überqueren. Seitdem bleibt die Lage gespannt. Der international bekannte "Park der Freundschaft" ist nach Angaben der Zeitung Frontera (Sonntag Ortszeit, online) bereits seit drei Wochen geschlossen und verhindert damit lange geplante Familientreffen.

Der Platz direkt am Grenzzaun am Strand von Tijuana erlangte weltweit Berühmtheit, weil hier Angehörige ihre jeweils auf der anderen Seite des Grenzzauns lebenden Familien treffen können. Enrique Morones von der federführenden Nichtregierungsorganisation Border Angels aus dem benachbarten San Diego kritisierte die Schließung als gezielte Schikane jener Migranten aus Mittelamerika, die sich seit einigen Wochen in Tijuana aufhalten. Zugleich warf Morones mexikanischen Nachbarn des Freundschaftsparks und auch Mitgliedern der US-Grenzbehörden vor, gezielt weitere Zwischenfälle zu provozieren.

Tijuanas Erzbischof Moreno Barron: "Wir müssen Farbe bekennen"

Tijuanas Erzbischof Francisco Moreno Barron rief die Einwohner der Stadt auf, nach den jüngsten ausländerfeindlichen Vorfällen Farbe zu bekennen. "Wir müssen Mexiko und der Welt das wahre Gesicht eines Tijuana zeigen, das stolz auf seine Migrantengeschichte ist", sagte Moreno Barron der Zeitung "El Sol de Tijuana".

Zugleich warnte er davor, jene zu verurteilen, die nach der Ankunft der Karawane vor über zwei Wochen zurückhaltend oder sogar kritisch reagierten. Dies seien zumeist spontane Äußerungen gewesen, die nicht auf ausländerfeindliche der rassistische Haltungen schließen ließen. Tijuanas Bürgermeister Juan Manuel Gastelum hatte immerhin einen Teil der mittelamerikanischen Migranten als "Kiffer und Faulpelze" bezeichnet, sich später aber für seine Wortwahl entschuldigt.

Übergangslager "Benito Juarez" seit Samstag geschlossen

Unterdessen wurde am Samstag das bisherige, direkt an der US-Grenze gelegene Übergangslager "Benito Juarez" geschlossen. Die Behörden versiegelten die Eingangstore des Sportkomplexes, in dem in den vergangenen drei Wochen teils mehr als 6.000 Migranten mehrerer Trecks aus Mittelamerika untergebracht waren. Begründet wurde der Schritt mit den unzureichenden sanitären Einrichtungen. Der Sportplatz soll nun gereinigt werden und bald wieder den Einwohnern der nordmexikanischen Grenzstadt zur Verfügung stehen.

Mit der Verlegung in das größere Veranstaltungsgelände "El Barretal" im Südosten der Stadt gebe es nun bessere Bedingungen für die Versorgung der Menschen, erklärte ein Sprecher der nationalen Migrationsbehörde. Einige Migranten protestierten gegen die Verlegung, weil das neue Lager deutlich weiter von der Grenze entfernt sei. Rund 100 Migranten entschlossen sich, im direkten Umfeld des Sportplatzes zu bleiben, und bauten ihre Zelte neben dem bisherigen Lager auf.

Mitte Oktober hatte sich ein Migranten-Treck aus Honduras auf den Weg Richtung USA gemacht. Zwischenzeitlich befanden sich in weiteren Gruppen mehr als 9.000 Menschen auf der Durchreise durch Mexiko. Vor gut einer Woche versuchten einige hundert Migranten, die Grenze zu den USA zu stürmen; sie wurden aber von den US-Beamten mit Tränengas zurückgedrängt.

Tobias Käufer
(KNA)

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