Russische Kapelle (Symbolbild)
Russische Kirche bricht mit Patriarchat von Konstantinopel
Bartholomaios I.
Bartholomaios I.
Der Patriarch von Moskau: Kyrill I.
Der Patriarch von Moskau: Kyrill I.

15.09.2018

Russische Kirche bricht mit Patriarchat von Konstantinopel Drohende Kirchenspaltung in der Orthodoxie

Paukenschlag in der orthodoxen Kirche: Im Streit um eine Eigenständigkeit der ukrainischen Kirche hat Moskau dem Ehrenoberhaupt und Patriarchen von Konstantinopel die Freundschaft gekündigt. Eine Eskalation droht.

Der orthodoxen Kirche droht wegen eines Streits zwischen den bedeutendsten Kirchenzentren Konstantinopel und Moskau die Spaltung. Die Sondersitzung des Leitungsgremiums der russisch-orthodoxen Kirche, des Heiligen Synods, in Moskau endete am Freitagabend mit einem Paukenschlag: Aus Protest gegen die Initiative zur Schaffung einer eigenständigen orthodoxen Kirche in der Ukraine stellt die russische Kirche vorerst die Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel ein.

"Ungefähr dem Abbruch diplomatischer Beziehungen"

Sollte Konstantinopel der Kirche in der Ukraine die Autokephalie (Eigenständigkeit) verleihen, sei die russisch-orthodoxe Kirche "gezwungen, die eucharistische Gemeinschaft zu beenden", sagte der Leiter des kirchlichen Außenamtes, Metropolit Hilarion, vor Journalisten. Die nun beschlossene Aussetzung der Zusammenarbeit mit Konstantinopel entspräche "ungefähr dem Abbruch diplomatischer Beziehungen"zwischen Staaten.

Symbolisch am schlimmsten: Die russisch-orthodoxe Kirche verzichtet in ihren Messen vorerst auf das ehrende Gedenken des Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel. Künftig sollen die Geistlichen in den Gottesdiensten nur noch die Oberhäupter aller anderen orthodoxen Landeskirchen nennen. Bislang wurde an erster Stelle Bartholomaios I. gedacht - dem Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie.

Konzelebrationen ausgesetzt

Der Moskauer Patriarch Kyrill I. und die 13 weiteren Mitglieder des Heiligen Synod unterbrachen die Gemeinschaft mit Konstantinopel radikal. Sie setzten die Konzelebration mit Bischöfen des Patriarchats von Konstantinopel aus, also das gemeinsame Feiern von Gottesdiensten. Ebenso eingestellt wird jede Beteiligung an kirchlichen Strukturen, die vom Patriarchat von Konstantinopel geleitet werden: "Bischofsversammlungen, theologischer Dialog und multilaterale Kommissionen".

Das hat auch Folgen für Deutschland. Ob sich die drei russissch-orthodoxen Bischöfe und Priester weiter an den Sitzungen der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland beteiligen, ist nun zumindest fraglich. Die Bischofskonferenz leitet gemäß der Kirchenstatuten der oberste Repräsentant des Ökumenischen Patriarchats in der Bundesrepublik, Metropolit Augoustinos.

Verletzung der Brüderlichkeit

Der in München residierende russisch-orthodoxe Erzbischof Mark hält den Kurs des Patriarchats von Konstantinopel für sehr gefährlich. Bartholomaios I. habe mit der Ernennung von zwei Bischöfen zu Exarchen für die Ukraine die kirchliche "Brüderlichkeit" verletzt und das Kirchenrecht gebrochen. "Das ist eine unerlaubte Einmischung in die Angelegenheiten einer anderen Nationalkirche", sagte Mark der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Sie droht den Frieden in der orthodoxen Kirche zu stören oder sogar zu zerstören."

Bartholomaios I. will in der Ukraine eine von vielen dort lebenden orthodoxen Christen gewünschte eigenständige (autokephale) Landeskirche auf den Weg bringen. Dazu berief er vor einer Woche die beiden Exarchen. Die russisch-orthodoxe Kirche will aber ihre Oberhoheit über die orthodoxe Kirche in der Ukraine mit ihren rund 12.000 Pfarreien behalten. Das Moskauer Patriarchat betrachtet das osteuropäische Land als sein kanonisches Territorium.

Großes Gewicht hat freilich die Meinung der Priester und Gläubigen in der Ukraine. Wollen sie zum Moskauer Patriarchat gehören oder eine eigenständigen ukrainischen Kirche haben? Für die Bildung einer autokephalen Landeskirche in der Ukraine sprachen sich im August in einer Umfrage des unabhängigen Rasumkow-Zentrums 35 Prozent der Ukrainer aus; 19 Prozent waren dagegen. Den übrigen Befragten war es egal oder sie antworteten nicht.

Oliver Hinz
(KNA)

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