Explosionen in christlichen Kirchen in Indonesien
Explosionen in christlichen Kirchen in Indonesien
Anschlag auf Kirche
Anschlag auf Kirche

13.05.2018

Attacken gegen Christen in Südostasien Neuer Islamisten-Hotspot in Südostasien?

Bei einer Serie von Bombenanschlägen auf christliche Kirchen auf der indonesischen Insel Java sind am Sonntag mindestens 13 Menschen getötet worden. Experten befürchten, dass sich in Südostasien ein neuer Islamisten-Hotspot entwickelt.

DOMRADIO.DE: Was ist genau auf der Insel Java passiert?

Thomas Müller (Open Doors-Experte für die Region Asien): Soweit uns bisher bekannt ist, ist um 7.30 Uhr dortiger Zeit (bei uns 2.30 Uhr) ein Anschlag auf eine katholische Kirche, die Santa Maria Kirche, passiert. Binnen zehn Minuten kam es dann zu zwei weiteren Anschlägen – auf eine protestantische und eine Pfingstkirche. Es handelte sich wohl um Selbstmordattentäter. Laut Augenzeugenberichten soll es sich beim Anschlag auf die protestantische Kirche um eine verschleierte Frau gehandelt haben, die mit zwei kleinen Kindern in diese Kirche gegangen ist, gegen den Widerstand von Sicherheitskräften. Sie hat sich quasi ihren Weg hinein erzwungen und sich dann in die Luft gesprengt. Drei weitere Bomben an zwei anderen Orten in der Nähe von Kirchen konnten danach entschärft werden.

DOMRADIO.DE: Kann man davon ausgehen, dass das ein gezielter Anschlag auf die Christen dort war?

Müller: Ich denke schon. Christliche und auch andere Minderheiten sind immer wieder das Ziel von radikalen Muslimen und Gruppierungen. Auch Sicherheitskräfte sind immer wieder das Ziel von Angriffen. Im letzten Jahr gab es in Jakarta einen Anschlag auf Sicherheitskräfte. Gerade gestern ist ein Aufstand in einem Hochsicherheitsgefängnis in Jakarta zu Ende gegangen, bei dem auch Islamisten fünf Sicherheitskräfte festgehalten und ermordet haben.

DOMRADIO.DE: Indonesien ist das größte muslimische Land der Welt. Christen sind mit etwa neun Prozent zwar in der Minderheit, aber Indonesien ist als toleranter Staat bekannt. Wie passen diese Anschläge dazu?

Müller: Traditionell war Indonesien ein immer sehr tolerantes Land. Dieses Bild hat sich aber in den letzten Jahren gewandelt. Die Situation hat sich radikalisiert. Aktuellen Umfragen unter Schülern und Studenten zufolge befürwortet etwa ein Viertel der Befragten die Einrichtung eines Kalifats. Das ist sicherlich von dem inspiriert, was wir in Syrien und im Irak gesehen haben. In einer anderen Umfrage aus dem vergangen Jahr haben acht Prozent angegeben, dass sie auch selbst in einen gewaltsamen Dschihad ziehen würden, wenn das notwendig werden sollte. Indonesien hat etwa 260 Millionen Einwohner. Bei acht Prozent kann man sich vorstellen, wie groß das Potenzial ist.

DOMRADIO.DE: Wie ist die Radikalisierung möglich in einem so toleranten Land?

Müller: Das hat sicherlich damit zu tun, dass radikalen Gruppierungen nicht wirklich begegnet wird. Letztes Jahr ist die Hizb ut-Tahrir als Terrororganisation verboten worden. Sie hat seitdem keinen Rechtsstaats mehr. Sie trifft sich aber trotzdem weiterhin, nur eben unter einem anderen Namen und ohne das alte Banner an das Gebäude zu hängen. Eine andere radikale Gruppe, die sehr instrumental war in der Absetzung und Verurteilung des christlichen Gouverneur von Jakarta und die Hunderttausende Muslime mobilisiert und auf die Straße gebracht hatte, um zu demonstrieren, dass dieser Christ nicht wiedergewählt werden dürfe und dass er Blasphemie begangen hätte – diese Gruppe darf weiterhin ungehindert arbeiten und Menschen radikalisieren. Von daher müssen wir befürchten, dass sich in Südostasien ein neuer Hotspot entwickelt. Dazu kommt, dass wir das nicht nur in Indonesien gesehen haben, sondern auch auf den Philippinen, was ja räumlich nahe liegt. Dort haben radikale und mit dem IS verbundene Gruppierungen letztes Jahr die 200.000-Einwohner Stadt Marawi erobert und fünf Monate lang gehalten. Damals wurden auch gezielt Christen umgebracht. Die Täter waren nicht nur Philippinos. Unter ihnen waren auch Indonesier und Malaysier.

DOMRADIO.DE: Was macht denn Open Doors für die Christen und inwiefern kann man von Deutschland aus helfen?

Müller: Wir versuchen jetzt ganz aktuell insbesondere den Hinterbliebenen zu helfen. Ansonsten machen wir viele Schulungen, in denen wir versuchen, den Christen zu erklären, beizubringen oder sie zu ermutigen wie sie auf radikale Gruppierungen reagieren können – nämlich mit Liebe und damit, dass man den christlichen Glauben, also die Liebe die vom Christentum ausgeht, bezeugt. Bisher war es auch so, dass es immer nur kleine Anschläge in Indonesien gegeben hat. Diese koordinierte Attacke die wir heute erlebt haben, hat aber schon eine neue Qualität.

Das Interview führte Christoph Paul Hartmann.

(DR)

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