Papstbesuch in der Schweiz könnte Zeichen für Ökumene sein

Neue Wege statt Stillstand

Papst Franziskus reist im Juni in die Schweiz. Der Weltkirchenrat in Genf hat ihn eingeladen - zum 70. Geburtstag der Organisation. André Jacober von Radio Maria erhofft sich ein ökumenisches Signal vom Papst.

Kapelle Sankt Niklausen in Kerns (Schweiz) / © Sabine Biedermann (KNA)
Kapelle Sankt Niklausen in Kerns (Schweiz) / © Sabine Biedermann ( KNA )

DOMRADIO.DE: Das Motto des Papst-Besuches lautet "Gemeinsam gehen, beten und arbeiten". Welche Erwartungen haben Sie an das Treffen von Papst Franziskus und dem Weltkirchenrat?

André Jacober (Geschäftsführer Radio Maria, Schweiz): Vor allem, dass ein Zeichen gesetzt wird. Papst Franziskus setzt ja sehr viele Zeichen. Ich glaube, dass es in der Schweiz sehr wichtig ist, dass vom Papst ein Signal kommt. In der Schweiz dürfen wir schon auf vielen Gebieten in der Ökumene viel machen. Über Neujahr war ein großes Treffen in Luzern mit sechstausend Menschen und es gab ein öffentliches Statement für die Ökumene. Der Papstbesuch kann bewirken, dass es so weitergeht, dass man nicht stillsteht, sondern dass man neue Wege sucht. 

DOMRADIO.DE: Glauben Sie denn, dass Franziskus einen Fahrplan zu mehr Ökumene im Reisegepäck haben wird? 

Jacober: Das weiß ich nicht. Ich glaube auch nicht, dass es so wichtig ist, was konkret passiert, sondern dass das Thema immer präsent bleibt. In der Schweiz gibt es viele Gruppen - auch zum Beispiel von den Charismatikern -, die schon auf vielen Ebenen zusammenarbeiten. Wenn der Papst ein Statement gibt, ist das sehr wichtig. Bei den verschiedenen Konfessionen kommt manchmal von den Bischöfen in der Schweiz sehr wenig. Hier arbeitet man mit der Landeskirche der Reformierten zusammen und ist vielleicht noch im Arbeitskreis christlicher Kirchen - aber darüber hinaus kommt nicht immer sehr viel. Wenn der Papst ein starkes Signal setzt, kann das natürlich etwas bewirken bei denen die schon jetzt aktiv sind.

DOMRADIO.DE: Das letzte Mal hat ein Papst 2004 die Schweiz besucht. Johannes Paul II. war in Bern. Was hat sich denn seit seinem Besuch in Bezug auf Ökumene geändert? 

Jacober: Johannes Paul II. war im Juni 1982 auch in Genf. Damals hat die Ökumene eine große Rolle gespielt. 2004 hatte sein Besuch eine mehr innerkirchliche Dimension. Das Thema Ökumene war also nicht zentral und deshalb ist davon auch nicht viel geblieben. Aber der Papst ist natürlich in positiver Erinnerung geblieben und es freut uns, dass nach langer Abwesenheit - Papst Benedikt XVI. kam ja nie in die Schweiz - endlich wieder mal ein Papst kommt.

Das Interview führte Heike Sicconi.


Quelle:
DR