Indigener am Ufer des Rio Negro in Amazonien
Indigener am Ufer des Rio Negro in Amazonien

27.11.2017

Zum Tode des Dominikaners Henri Burin de Roziers Kämpfer gegen Sklaverei in Brasilien

Über 30 Jahre lang setzte sich der Dominikaner Henri de Roziers für die arme Landbevölkerung Brasiliens ein. Dafür nahm er zahlreiche Morddrohungen in Kauf. Nun ist er mit 87 Jahren in Paris gestorben - friedlich.

100.000 Reais (heute umgerechnet rund 26.000 Euro) boten brasilianische Großgrundbesitzer 2005 für die Ermordung des französischen Dominikaners Henri de Roziers. Für die Hälfte hatten Auftragskiller Monate zuvor bereits die US-Umweltaktivistin und Missionarin Dorothy Strang umgebracht. Doch de Roziers entging den vielen Mordkomplotten, sehr zum Unwillen der Mächtigen im südlichen Amazonasraum - denn er wurde nicht müde, sie öffentlich an den Pranger zu stellen. Am Sonntag ist er mit 87 Jahren in seiner Heimatstadt Paris gestorben - nach langer Krankheit zwar, doch in Frieden.

Ein Leben lang machte sich de Roziers für die Schwachen stark. In seiner französischen Heimat setzte sich der aus gutbürgerlicher Familie stammende Rechtsanwalt Anfang der 70er Jahre für Obdachlose und Immigranten ein. Ende 1978 zog es ihn dann auf Geheiß seines Ordens nach Brasilien, wo er sich der kirchlichen Landpastoral (CPT) anschloss. In der Region des "Bico de Papagaio" am südlichen Rand des Amazonaswaldes nahm er seine Arbeit mit der armen Landbevölkerung auf.

Für die Landrechte von Kleinbauern

Hier, entlang der Agrargrenze, inmitten eines Wild-West-Szenarios ohne Gesetz und Ordnung, zog er als einziger Anwalt weit und breit für die Landrechte von Kleinbauern vor Gericht. "Er war ein Anwalt ohne Schuhe, der die Menschen verteidigte, als ob es um sein eigenes Leben ginge", sagte sein französischer Dominikanerbruder Xavier Plassat der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Seit Ende der 80er Jahre kämpfte Plassat an der Seite de Roziers gegen die Sklaverei in den ländlichen Regionen Brasiliens.

Anfang der 90er Jahre siedelte de Roziers in den Teilstaat Para um, das Epizentrum von Gewalt und Naturzerstörung am Amazonas. Als er im Oktober 2005 den Ludovic-Trarieux-Menschenrechtspreis erhielt, widmete er ihn den 29 in Para mit dem Tod bedrohten Umweltaktivisten. Zudem erinnerte er an die 446 ermordeten Landarbeiter in Para der vergangenen 20 Jahre.

Verlorene Mühe

Er selbst ließ sich von zahlreichen Morddrohungen nicht abschrecken. Bis ins hohe Alter engagierte sich de Roziers für die Landpastoral, stets im Sinne der Befreiungstheologie, nach der die Seele nur dann frei sein kann, wenn auch der Körper frei ist. Nach mehreren Schlaganfällen zog er sich in ein Krankenhaus in Sao Paulo zurück. 2013 kehrte er schließlich nach Paris zurück. 2016 erschien dort seine Autobiographie "Wie die Gier nach Gerechtigkeit".

"Zuletzt musste er aus der Ferne mitansehen, wie viele der Rechte, für die er gekämpft hatte, von der aktuellen Regierung wieder zurückgenommen wurden", sagte Plassat der KNA; "besonders was den Kampf gegen Sklaverei angeht, den Kampf für die Agrarreform, die Anerkennung der Landarbeiter und ein alternatives Entwicklungsmodell mit Respekt und Nachhaltigkeit".

"All das hast du getan, Henri"

Der brasilianische Journalist und Menschenrechtsaktivist Leonardo Sakamoto schreibt de Roziers friedlicher Tod nach langer Krankheit sei für den Ordensmann ein ganz besonderer Sieg. Denn dass er so lange überlebte, sei umgekehrt eine bittere Niederlage für die Holzmafia, Landräuber, Sklavenhalter und die skrupellosen Großgrundbesitzer der Amazonasregion. Sie hätten am Ende erfolglos seine Ermordung geplant.

Sein Ordensbruder Plassat (67) fasst Roziers Wirken so zusammen: "Ich war hungrig, und du hast mir zu essen gegeben; ich war krank, und du hast mich gepflegt; ich war obdachlos, und du hast mich aufgenommen; ich war gefangen, und du bist zu mir gekommen; ich war ein Sklave, und du hast mich befreit. Wort für Wort: All das hast du getan, Henri." Ihn tröste zu wissen, so Plassat, "dass Gott ihn an diesem Totensonntag mit offenen Armen empfangen hat".

Thomas Milz
(KNA)

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