Mauer zwischen Nord- und Südkorea
Mauer zwischen Nord- und Südkorea

01.09.2017

Wie geht es den Christen in Südkorea? "Von Bedrohung wenig zu spüren"

Der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA wird immer bedrohlicher. Wie besorgt sind die Menschen im Nachbarland Südkorea? Offenbar nicht allzu sehr, wie Mi-Hwa Kong, Pfarrerin der deutschsprachigen Gemeinde in Seoul, im Interview erklärt.

domradio.de: Sie leben ungefähr 50 Kilometer von der nordkoreanischen Grenze entfernt. Wie viel kriegen Sie von den Spannungen aus Nordkorea mit?

Mi-Hwa Kong (Pfarrerin der deutschsprachigen, evangelischen Gemeinde in Seoul): Die Menschen in Seoul scheinen sich davon nicht sehr beeindrucken zu lassen oder sie merken nicht so viel von der beunruhigenden Lage. Ich kriege das eher von Deutschland aus mit. Ich denke, dass die Koreaner vor Ort die Situation gar nicht anders kennen, denn die sind von Geburt an daran gewöhnt. Hier geht der Alltag weiter. Ich arbeite an der deutschen Schule in Seoul und im Gespräch mit den Lehrern ist mir aufgefallen, wie gelassen die Menschen mit der Situation umgehen. Das gilt natürlich umso mehr, je länger sie in Seoul leben.

domradio.de: Sie selbst sind in Deutschland aufgewachsen, haben lange in Köln gelebt und sind erst vor ein paar Wochen nach Seoul gegangen. Haben Sie sich Sorgen gemacht, bevor Sie nach Südkorea umgesiedelt sind?

Mi-Hwa Kong: Ich habe die Nachrichten wahrgenommen, ja. Das konnte mich aber nicht von der Entscheidung abbringen, diese Stelle hier anzutreten. Ich finde das nämlich spannend, hier als Seelsorgerin und Pfarrerin zu arbeiten. Gerade in Krisensituationen und in unruhigen Zeiten ist es gut, wenn Kirche vor Ort ist und wir für die Menschen ansprechbar sind.

domradio.de: Wie sieht denn das Leben der Christen in Südkorea aus?

Mi-Hwa Kong: Man geht davon aus, dass etwa ein Drittel der Menschen hier Christen sind, davon ist je eine Hälfte katholisch und eine evangelisch. In die deutschsprachige Gemeinde kommen vor allem Expats, also Menschen, die für einige Jahre nach Seoul entsendet werden, um hier zu arbeiten. Aber es kommen auch andere, die mal für ein paar Jahre in Deutschland gelebt haben, an der deutschen Sprache interessiert sind und das Glaubensleben in deutscher Sprache weiterleben wollen.

domradio.de: Spielt die politische Lag in Ihren Predigten eine Rolle?

Mi-Hwa Kong: Wir beziehen uns darauf. Was uns vor allem bleibt, ist das Gebet. In den Fürbitten, dass wir um einen Frieden bemüht sind, dass entsprechende Personen in den Machtpositionen Einsicht haben. Wir setzten uns letztlich durch das Gebet für eine Einigung ein.

domradio.de: Als Deutsche blicken wir selbst auf eine Geschichte von Trennung und Wiedervereinigung. Sehen die Koreaner Deutschland deswegen als Vorbild?

Mi-Hwa Kong: Trennung und Wiedervereinigung ist sicher die erste Verbindung, die man hat, wenn man als Deutscher auf einen Koreaner trifft. Das ist ein Thema, das die beiden Länder vereint und darauf wird man als Deutscher auch angesprochen.

domradio.de: Was denken Sie, wie wird es weitergehen?

Mi-Hwa Kong: Wenn man das wüsste. Wir sind alle keine Propheten. Wir alle wünschen uns eine Wiedervereinigung; wobei die Koreaner aber auch um die wirtschaftliche Situation wissen und sich der Konsequenzen einer Wiedervereinigung bewusst sind.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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