Kinder in Mossul
Kinder in Mossul

05.07.2017

Hilfswerk: IS-Gewalt hinterlässt zerrüttete Kinderseelen "Ein Horrorerlebnis nach dem nächsten"

Die Hilfsorganisation Save the Children fordert mehr Unterstützung für die Kinder von Mossul. Es brauche dringend mehr Kindertherapeuten und psychologisch geschultes Personal, erklärte die Organisation am Mittwoch in Berlin.

Die brutalen Kämpfe und das Leben unter der Herrschaft der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hätten bei den Kindern in der nordirakischen Stadt zu massiven psychischen Schäden geführt. Allerdings stünden nur 2 Prozent der notwendigen finanziellen Mittel bereit. Die Kinder, die aus Mossul geflüchtet seien, hätten "ein Horrorerlebnis nach dem nächsten hinter sich", sagte die Länderdirektorin von Save the Children im Irak, Ana Locsin.

Lebensrettende Maßnahmen seien wichtig. "Aber den Kindern auch psychologische Unterstützung zu gewährleisten, um sich mental zu erholen, sollte ebenso Priorität haben." Die Welt müsse mehr unternehmen, um zeitnah zu helfen.

90 Prozent der Kinder haben Angehörigen verloren

Laut einer Studie, die auf Interviews mit betroffenen Kindern basiert, haben mindestens 90 Prozent von ihnen einen Angehörigen durch Tod, Trennung auf der Flucht oder Entführung verloren. Viele mussten zudem mitansehen, wie ein Angehöriger getötet wurde.

Alle Kinder zeigten den Angaben zufolge Anzeichen von sogenanntem toxischen Stress, einer dauerhaften Stressreaktion, die langfristig zu Depressionen und Herzkrankheiten führen kann. Mehr als die Hälfte zeige eine Art "Roboterverhalten". Besonders auffällig sei, "wie introvertiert und verschlossen die Kinder sind", sagte Marcia Brophy, Gesundheitsexpertin bei Save the Children für den Nahen Osten. Die betroffenen Mädchen und Jungen würden nicht innerhalb weniger Wochen oder Monate gesund, sondern bräuchten "Unterstützung über Jahre hinweg".

(KNA)

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