Kardinal Gerhard Ludwig Müller (m.) im Gespräch (Archiv)
Kardinal Gerhard Ludwig Müller (m.) im Gespräch

03.03.2017

Müller weist Vorwürfe zu Vatikan-Umgang mit Missbrauch zurück "Kirche fällt kein weltliches Urteil"

Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller hat den Vorwurf, der Vatikan gehe nicht entschieden genug gegen Missbrauchstäter vor, zurückgewiesen. "Das ist nicht der Fall. Man muss verstehen, dass wir als Kirche kein weltliches Urteil fällen."

Das sagte der Präfekt der Glaubenskongregation der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Freitag im Interview. Zuvor hatte der Rücktritt des einzigen verbliebenen Missbrauchsopfers Marie Collins aus der päpstlichen Kinderschutzkommission für Kritik gesorgt.

In der Kirche gehe es um die Einschränkung des geistlichen Dienstes und, als härteste Strafe, um die Entlassung aus dem Klerikerstand, so Müller. Für jeden Kleriker gelte jedoch auch das staatliche Strafrecht; staatliche Gerichte könnten etwa Gefängnisstrafen verhängen. "Unser Verfahren ist ein zusätzliches, quasi ein disziplinarisches Verfahren - so wie ein Lehrer nicht nur von einem Gericht belangt werden kann, sondern sich auch dem Kultusministerium stellen muss."

Der Wille Sensibilität schaffen zu wollen

Der Papst habe die Kinderschutzkommission eingesetzt, um zu zeigen, dass Missbrauch ein schweres Verbrechen ist, das bekämpft werden muss. Er habe damit weltweit mehr Sensibilität schaffen wollen. Es sei jedoch nicht Aufgabe der Kommission, die Glaubenskongregation, die für die Bearbeitung der meisten Missbrauchsfälle zuständig ist, zu unterstützen.

Collins hatte ihren Rücktritt mit "Frustration über mangelnde Kooperationsbereitschaft anderer Behörden der römischen Kurie" begründet und damit indirekt die von Müller geleitete Glaubenskongregation kritisiert. So lehnte diese nach Collins zufolge etwa im Januar den Vorschlag ab, auf Briefe von Missbrauchsopfern zu antworten.

Nicht leicht für die Kirche?

Zu unbestätigten Medienberichten, wonach sich Franziskus angeblich im Missbrauchsfall eines italienischen Priesters über das Votum der Glaubenskongregation für eine Entlassung aus dem Priesterstand hinweggesetzt habe, betonte Müller, in diesem Fall seien die Akten noch nicht geschlossen. Es gebe neue Elemente, über die er derzeit jedoch nicht sprechen könne. Grundsätzlich sei es für die Kirche nicht leicht, sich mit "etwas so Entsetzlichem und Undenkbarem" wie Missbrauch auseinanderzusetzen.

"Wir als Bischöfe sind doch im Grunde naive Menschen, die an das Gute glauben. Wir haben auch nicht Kriminalistik studiert." Die Kirche stecke bei diesem Thema "noch in einem Lernprozess". Zudem gebe es in jedem Land eine andere Mentalität, Kultur und Gesetzgebung. Nicht überall sei der Grad der Sensibilisierung so hoch, "wie wir es eigentlich erwarten sollten".

(KNA)

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