Verletzter Junge in Aleppo
Franziskanerpater Firas Lufti versucht den Horror des Krieges in Worte zu fassen.

17.08.2016

Franziskanerpater aus Aleppo über die dramatische Lage "Es ist wie in einem großen Gefängnis"

In der völlig zerstörten syrischen Stadt Aleppo versorgt Franziskanerpater Firas Lufti gemeinsam mit 14 Ordensbrüdern zahlreiche Menschen mit Wasser und Nahrungsmitteln. Im Gespräch versucht er den Horror des Krieges in Worte zu fassen.

KNA: Pater Lufti, wie ist die Lage in Aleppo im Moment?

Franziskanerpater Firas Lufti: Die Situation ist wirklich dramatisch. Die Hauptversorgungsroute zwischen Aleppo und anderen syrischen Städten wird immer wieder blockiert oder ist sehr gefährlich zu befahren. Es ist deshalb sehr schwierig, Nahrungsmittel zu bekommen. Für Wasser sind die Menschen oft drei oder vier Stunden unterwegs. Dazu kommt die Verzweiflung und Angst, vor allem der Kinder. Nachts können wir nicht schlafen, weil die Bombardements ganz in der Nähe sind.

KNA: Wo in Aleppo befindet sich Ihr Franziskanerkloster?

Lufti: Wenn man von Damaskus kommt, befinden wir uns am Eingang der Stadt, in einem südlichen Stadtteil, der von der Assad-Regierung kontrolliert wird.

KNA: Wie nahe sind Sie den Kriegshandlungen?

Lufti: Wir sind nur etwa 100 oder 200 Meter von den Kämpfen zwischen den Regierungstruppen und den Milizen entfernt. Wir hören nicht nur, was passiert, manchmal kommen hier auch Raketen durch. Unser Franziskanerkloster St. Anthony of Padua wurde im Mai getroffen - eine Person starb, mehrere wurden verletzt.

KNA: Das war sicher ein Schock...

Lufti: Es war auch deshalb besonders schlimm, weil wir in dem Konvent täglich 200 bis 300 Menschen zu Gast haben - das war auch bei dem Angriff so. Es kam zu Panik. Das Kloster ist ein einzigartiger Ort. Viele Familien kommen mit ihren Kindern, die hier zum Beispiel Fußball spielen. Denn die Familien können nicht aus der Stadt heraus. In Aleppo lebt man wie in einem großen Gefängnis.

KNA: Wie helfen Sie denen, die nicht zu Ihnen kommen können?

Lufti: Wir liefern Wasser. Jeden Tag fahren wir einen großen Tank mit Wasser aus unserem Brunnen zu ihnen. Und wir verteilen Essenspakete für mehr als tausend Familien monatlich. Wir geben außerdem Geld, damit die Leute den Strom bezahlen können, der durch große Generatoren erzeugt wird. Viele können nur für drei Stunden am Tag Strom kaufen.

KNA: Verzweifeln die Menschen angesichts der Lage in Aleppo?

Lufti: Ich gestehe, dass die ersten Gefühle, wenn man im Krieg lebt, Momente der Verzweiflung sind. Aber aus meiner Sicht haben die Menschen nur eine Wahl: Entweder sie glauben daran, dass es Gott gibt, der uns hören und retten kann - oder nicht. Wenn sie daran glauben, fühlen sie sich nicht allein im Kampf gegen die Absurdität dieses Krieges.

KNA: Können Sie den Horror von Aleppo in Worte fassen?

Lufti: Ich beschreibe es so: Das Böse existiert. Wir glauben aber daran, dass Menschen, die das Gute wollen, jenen entgegentreten, die sich teuflischen Handlungen hingeben. Denn Krieg führt nur zu Zerstörung, Tod und Trauer. Hier ist eigentlich jeder zerstört - psychisch und physisch. Aber immer dann, wenn unser Leid wenigstens gehört wird, ist das etwas Gutes. Damit wird ein Fenster geöffnet, das macht uns Hoffnung, dass wir nicht allein sind.

KNA: Haben Sie viele Menschen sterben sehen?

Lufti: Sicher. Ich habe viele Beerdigungen von Kindern und jungen Menschen begleitet - das ist eine sehr traurige Erfahrung.

KNA: Welche Perspektiven sehen Sie in den kommenden Monaten?

Lufti: Ich hoffe auf ein Ende des Krieges. Wir müssen für Frieden beten. Jeder muss etwas tun. Die Welt ist ein kleines Dorf, ein Mikrokosmos. Die Kinder hier haben das Recht, in Frieden zu leben. Sie müssen als Personen leben dürfen. Es darf nicht sein, dass sie am Ende nur als Zahl von Getöteten auftauchen - als "hundert tote Kinder" oder "tausend tote Kinder".

Das Interview führte Norbert Demuth

(KNA)

Sommertour Pilgern Zwei Null 19

12 Dome in 12 Tagen: Die multimediale Radpilgertour!

Sommer-Gewinnspiel

Ab dem 15. Juli wochentäglich: unser multimediales Sommer-Gewinnspiel. Kirchengeräusch anhören, erraten und gewinnen!

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 17.07.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Runde 3: Das geheime Kirchengeräusch - Raten Sie mit!
  • Happy Birthday, Angela! Prälat Jüsten gratuliert zum 65. Geburtstag der Kanzlerin
  • Entscheidung in Straßburg: EU-Abgeordneter und ZdK-Mitglied Peter Liese berichtet
  • Von Dom zu Dom: DOMRADIO.DE-Chefredakteur auf Fahrrad-Tour
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Kirchen gegen Trump: Asylrecht der USA quasi aufgehoben?
  • Die Europäische Bischofskonferenz Comece zu von der Leyen
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Kirchen gegen Trump: Asylrecht der USA quasi aufgehoben?
  • Die Europäische Bischofskonferenz Comece zu von der Leyen
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Festwoche und Himmelsleuchten: Düsseldorf feiert den Heiligen Apollinaris
  • Rom und der Müll: Ist der Vatikan umweltbewußt?
  • Urlaub Anno Dazumal: Sr. Katharina über die Sommerferien ihrer Kindheit
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Festwoche und Himmelsleuchten: Düsseldorf feiert den Heiligen Apollinaris
  • Rom und der Müll: Ist der Vatikan umweltbewußt?
  • Urlaub Anno Dazumal: Sr. Katharina über die Sommerferien ihrer Kindheit
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Festwoche und Himmelsleuchten: Düsseldorf feiert den Heiligen Apollinaris
  • Kirchen gegen Trump: Asylrecht der USA quasi aufgehoben?
  • Die Europäische Bischofskonferenz Comece zu von der Leyen
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag. (Achtung: Sommerpause ab 1. Juli)