Schlammkatastrophe im Rio Doce
Schlammkatastrophe im Rio Doce
Schlammwüste nach dem Dammbruch
Schlammwüste nach dem Dammbruch

28.04.2016

Nach Umweltkatastrophe fordern Opfer Entschädigung Arsen und Kadmium im Rio Doce

Die Opfer der größten Umweltkatastrophe Brasiliens kämpfen um Gerechtigkeit und gegen das Vergessen. Bis heute verschmutzt giftiger Klärschlamm Fluss und Meer.

"Wir müssen zusammenhalten! Nur gemeinsam werden wir es schaffen, unser Recht auf Entschädigung durchzusetzen." Maria Quintão spricht energisch - nicht verbittert, sondern kämpferisch. Die 69-jährige Brasilianerin hat vor einem halben Jahr alles verloren, was sie besaß. Am 5. November begrub eine gewaltige Schlammlawine ihr Dorf, Bento Rodriguez, nachdem wenige Kilometer oberhalb der Damm des Klärbeckens einer Eisenerz-Mine gebrochen war. 19 Menschen kamen ums Leben.

Auf seinem Weg talabwärts hat der Schlamm weitere Dörfer zerstört und die Menschen entwurzelt. Jetzt wohnen sie alle in Mariana, einer Provinzhauptstadt im zentralbrasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.

Dörfer müssen wieder aufgebaut werden

Das verantwortliche Bergbauunternehmen Samarco hat sie in Mietwohnungen untergebracht und zahlt jedem Vertriebenen eine kleine monatliche Finanzhilfe, denn die Lebenshaltungskosten in Mariana sind hoch. "Erste Hilfe ist keine Entschädigung", sagt Quintão und erntet Applaus. Samarco müsse dafür sorgen, dass die Dörfer wieder aufgebaut werden, fernab von der Gefahr, die von mehreren Klärschlammbecken oben in den Bergen ausgeht. "Auch die von Lehm verschandelte Landschaft und der verseuchte Fluss müssen gereinigt werden", fordert Quintão.

Nur wenige der mehr als 700 Vertriebenen kommen zu den regelmäßigen Treffen. Es sind vor allem Frauen, die abends ins Kulturzentrum in die Altstadt von Mariana gehen. Die Schlammlawine gilt als schlimmste Umweltkatastrophe Brasiliens. Doch aus den Schlagzeilen ist sie längst verschwunden.

Mit Unterstützung der katholischen Kirchengemeinde geben die Engagierten eine kleine Zeitung heraus, um die Erinnerung an die verschütteten Orte wachzuhalten. Und um Vorurteilen zu begegnen: "Viele in Mariana sind gegen uns", erzählt Quintão: "Sie tuscheln, dass wir mit der Hilfe von Samarco besser leben würden als früher. So ein Blödsinn!" Auch würden die Vertriebenen dafür verantwortlich gemacht, dass die Samarco-Mine jetzt stillliegt - und die ganze Bergbauregion mangels Steuereinnahmen und Arbeitslosigkeit vor einer Finanzkrise steht.

Betroffene werden nicht angehört

Die Bewegung der Staudamm-Opfer (MAB) gibt der Bergbaufirma die Schuld an dem Desaster und spricht wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen von "jahrelanger Verantwortungslosigkeit". MAB-Sprecher Thiago Alves kritisiert zudem, dass die Entschädigungen und ökologischen Aufräumarbeiten von einer Stiftung koordiniert werden sollen, in der das Unternehmen das Sagen hat. "Hinter verschlossenen Türen werden die Verursacher des Desasters über die Wiedergutmachung befinden, während die Betroffenen nicht einmal angehört werden", vermutet Alves.

Aktivisten wie Alves sehen das Unglück als logische Folge der brasilianischen Wirtschaftspolitik. Da das Land auf den Export von Mineralien angewiesen ist, werden Umweltstandards oft missachtet. Zudem drängt der Kongress darauf, ökologische Auflagen zu verwässern.

Anfang März einigte sich Samarco mit der Bundesregierung auf die Zahlung von umgerechnet rund fünf Milliarden Euro, mit denen im Lauf von 15 Jahren vor allem die Umweltschäden beseitigt werden sollen.

Die Schlammlawine verschmutzte den Flusslauf des Rio Doce auf mehr als 300 Kilometern und auch das Mündungsgebiet im Bundesstaat Espititu Santo. Bis heute zieht sich der Fluss als rotes Band durch die Landschaft. Tausende Fischer und Anrainer haben ihren Lebensunterhalt verloren. Bei Fischen im Rio Doce wurden extrem hohe Schwermetallkonzentrationen festgestellt, vor allem von Arsen und Kadmium.

Ganze Region leidet

"Die ganze Region leidet immer noch sehr unter den Folgen des Unglücks", klagt João Paulo Batista, Sozialsekretär der Stadtregierung von Mariana. Er hofft auf Mittel aus dem Entschädigungsfonds für seine Kommune und ist stolz auf die Hilfen der Stadt für die entwurzelten Menschen: "Alle sind gut untergebracht und finanziell versorgt."

Auch Quintão ist dankbar, und Spenden kamen aus ganz Brasilien. Doch in Mariana will sie keinesfalls bleiben. "Wir leben hier völlig vereinzelt, ich vermisse meine früheren Nachbarn." Sie hofft auf einen Neuaufbau ihres Dorfes Bento Rodriguez.

Andreas Behn
(epd)

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