Zwei homosexuelle Männer halten sich an den Händen
Homosexualität ist für Bischof Huonder nicht tolerierbar

11.08.2015

Journalistin zu Homosexuellen-Äußerungen von Schweizer Bischof "Huonder hat bei katholischer Basis schweren Stand"

Der Schweizer Bischof Huonder hat sich mithilfe von Bibelzitaten extrem ablehnend gegenüber Homosexuellen geäußert. Die Schweizer Katholiken stellen sich immer mehr gegen ihn, erzählt die Journalistin Evelyne Baumberger im domradio.de-Gespräch.

domradio.de: Bischof Houder sagt zu den Textstellen aus dem alttestamentlichen Levitikus: Die Zitate "würden genügen, um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende zu geben". - Können Sie uns erklären, was er mit diesen Worten meint?

Evelyne Baumberger (Redakteurin beim Schweizer christlichen Sender "Radio Life Channel"): Das ist Spekulation, was er damit gemeint hat. Es geht um eine kurze Stelle in einem Vortrag über Ehe und Familie. Im größten Teil des Vortrags geht es um Frau und Mann. Wenn er sagt, dass seine Worte aus dem Zusammenhang gerissen wurden, kann man sagen, dass es gar nicht viel Zusammenhang gibt.

Ich finde interessant, dass er ausgerechnet diese eine Stelle aus dem Levitikus zitiert und nicht eine aus dem Neuen Testament, in dem es auch Stellen gibt, die man auf die Frage der Homosexualität hin interpretieren könnte. Die Stellen sind aber weniger krass, in denen steht nichts von einer Todesstrafe. Insofern drückt die Wahl der Textstelle schon eine extremere Haltung aus.

Er hat danach gesagt, es sei ein Missverständnis gewesen. Er hat sich so halbwegs entschuldigt. Er hat gesagt, er sei auf der Linie des Katechismus, der ja auch eine ablehnende Haltung gegenüber homosexuellen Praktiken ausdrückt. Ich finde es brisant, dass er sich ausgerechnet diese Stelle rausgepickt hat. Es gibt ja Staaten auf der Welt - Uganda und Jamaika zum Beispiel - in denen Homosexuelle sehr viel Gewalt erleiden müssen, zum Teil christlich legitimiert. Ich glaube nicht, dass er die Textstellen unbewusst rausgesucht hat.   

domradio.de: Bischof Huonder hat sich nicht das erste Mal zu dem Thema geäußert. Vor einiger Zeit hat er gefordert, Homosexuelle von der Kommunion auszuschließen, da sie nicht dem christlichen Lebenswandel folgen. Allgemein gesprochen: Welchen Stand hat Bischof Huonder in der Schweizer Kirche?

Baumberger: Man muss zu der Äußerung von vor einiger Zeit sagen, dass er da in Bezug auf die Kommunion auch von wiederverheiratet Geschiedenen gesprochen hat. Er äußert sich nicht nur zu Fragen der Homosexualität. In der Öffentlichkeit hat er einen schweren Stand. Huonder ist aber Bischof und daran wurde von Kirchenseite auch noch nicht gerüttelt. Es gibt ein Aktionskomitee "Es reicht", das vom Katholischen Frauenbund gegründet wurde. Da gab es eine Demonstration im letzten Jahr, es wurden Unterschriften zur Absetzung von Bischof Huonder gesammelt. Auch die katholischen Medien haben sich letzte Woche geäußert und gesagt, er leiste der Kirche einen Bärendienst. Er hat innerhalb der katholischen Kirche bei der Basis einen mehr und mehr schweren Stand. Von der Bischofskonferenz kam aber noch keine Äußerung zu ihm.   

domradio.de: Gibt es zu dem aktuellen Fall also keine Reaktionen der Schweizer Kirche?

Baumberger: Die Bischofskonferenz äußert sich nicht dazu. Sie sagt, dass sie keine einzelnen Aussagen ihrer Bischöfe kommentiert. Aber der Präsident der Bischofskonferenz, Markus Büchel aus St. Gallen, hat sich geäußert. Er hat einen Brief an alle Seelsorger in seinem Bistum geschrieben und darin notiert, dass man sich nicht in erster Linie die sexuelle Orientierung eines Menschen anschauen solle. Man solle sich an jeder gleichberechtigten Beziehung, in der sich die Partner als Geschenk Gottes ansehen, erfreuen. Und er schreibt, dass das heutige Wissen die Homosexualität als Anlage und nicht als freigewählte Orientierung erkennt. Da äußert sich der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz ziemlich revolutionär.   

domradio.de: Was sagt denn die Gesellschaft in der Schweiz zu dieser Debatte um Bischof Huonder?

Baumberger: Das war letzte Woche ein großes Thema. Es ist ja auch noch Sommerloch. Eigentlich finden die Menschen und die Medien deplatziert, was Bischof Huonder da gesagt hat. Sie können es nicht nachvollziehen. Was mich positiv überrascht, ist, dass die Menschen differenzieren zwischen dem Bischof und der katholischen Kirche in der Schweiz als Ganzes. Deswegen finde ich es schade, dass sich die Bischofskonferenz nicht äußert. Die Leute schlagen sich ja eigentlich schon auf ihre Seite.   

domradio.de: Wir sprechen über das Thema, weil der Dachverband der Schwulen in der Schweiz, "Pink Cross", gestern (10.8.15) eine Anzeige gegen Bischof Huonder erstattet hat. Wird es zum Prozess kommen?

Baumberger: Die Klage wird jetzt geprüft. Der ehemalige Bundesgerichtspräsident Giusep Nay hat gesagt, die Strafanzeige habe eher keine Chance, weil Bischof Huonder nicht wortwörtlich zur Gewalt aufruft. Man müsse es interpretieren. Sollten die Strafbehörden anders urteilen, dann könnte Bischof Huonder bis zu drei Jahren Gefängnis oder eine Geldstrafe drohen. Aber die Experten sagen, dass es wahrscheinlich nicht soweit kommen wird.

 

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(dr)

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