Aufräumarbeiten in Tabgha
Aufräumarbeiten in Tabgha
Die provisorischen Verkaufstische
Die provisorischen Verkaufstische

29.07.2015

In Tabgha gehen die Aufräumarbeiten voran Extremismus einer Minderheit

Das Leben in Tabgha geht weiter. Nach dem Brandanschlag im Juni gab es viel Solidarität für die deutschen Mönche. Sie erwarten aber auch eine juristische Aufklärung.

Der Brandanschlag auf das deutsche Benediktinerkloster Tabgha am See Genezareth darf nach Worten des deutschen Botschafters in Israel, Clemens von Goetze, nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Bei einem Solidaritätsbesuch der Spitzen der fünf deutschen katholischen Studentenverbände in der Jerusalemer Dormitio-Abtei forderte von Goetze von Israel eine schnellstmögliche Aufklärung sowie größtmögliche Anstrengungen, um derartige Anschläge künftig zu verhindern.

Zu dem Treffen kamen auch der Abt der Dormitio, Gregory Collins, der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff sowie Vertreter des Deutschen Vereins vom Heiligen Land. Vertreter des Kartellverbands der katholischen deutschen Studentenverbindungen überreichten eine Spende von 5.100 Euro für den Wiederaufbau in Tabgha.

Anklage erhoben

Am Tag nach der Begegnung erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei Tatverdächtige. Gegen drei weitere wird noch ermittelt. Die fünf sind Regierungsangaben zufolge Mitglieder einer jüdisch-extremistischen Gruppe innerhalb der Siedlerbewegung, die sich dem Kampf gegen christliche Einrichtungen verschrieben hat. Ihre Organisation steht seit längerem unter behördlicher Beobachtung.

Der Anschlag auf Tabgha sei kein Kavaliersdelikt, sondern ein offensichtlicher Akt des Extremismus und der Intoleranz, sagte von Goetze. Er erwarte von Israel als demokratischem Staat, die Aufklärung und Strafverfolgung wahrzunehmen. Gleichzeitig verwies der Botschafter auf die für Christen zunehmend bedrohliche Lage im Nahen Osten. Es sei davon auszugehen, dass die durch eine Identitätskrise islamischer Staaten ausgelösten internen Konflikte noch eine Weile andauern.

Kein Anlass für Israelhass

Abt Gregory Collins warnte davor, die Ereignisse in Tabgha für antisraelisches Reden zu missbrauchen. Es handele sich bei den Tätern um eine extreme Minderheit. Collins verwies auf die enorme Solidarität aus verschiedensten jüdischen Kreisen, darunter eine Gruppe Rabbiner, die eine Spendenaktion für den Wiederaufbau Tabghas initiiert haben. "Wer uns als Christen angreift, muss eine christliche Antwort erhalten", so Collins wörtlich. Diese liege in Vergebung und Versöhnung.

Klostersprecher Nikodemus Schnabel kritisierte die Kommunikation der Polizei mit dem Kloster. So gebe es keine direkten Informationen über den Stand der Ermittlungen. Von den Festnahmen und der Anklage gegen erste Verdächtige habe man aus den Medien erfahren. Schnabel forderte, den Solidaritätsbekundungen der israelischen Politik müssten nun Taten folgen. Besonders das Thema Erziehung in jüdisch-israelischen Schulen müsse angegangen werden. Gegenwärtig kommt das Thema Christentum laut Schnabel ausschließlich im Geschichtsunterricht im Zusammenhang mit den Kreuzfahrern und mit der Schoah vor und zeichnet "kein sehr sympathisches Bild der Christen".

Langsame Rückkehr zum Alltag

In Tabgha schreiten nach Klosterangaben unterdessen die Aufräumarbeiten voran. Asche und Schutt sowie die verbrannten Teile des Dachs seien entfernt, die Klosterkirche wieder für Pilger zugänglich. Die Einrichtung provisorischer Verkaufsstände erlaube es, nach der Zeit des vollständigen Verdienstausfalls durch die Schließung des zerstörten Klosterladens wieder Einnahmen für den Unterhalt des Klosters und der Angestellten zu haben.

Der Südflügel des erst 2012 neu errichteten Klosters mit dem Empfangsraum für Gäste, der Klosterpforte sowie weiteren Funktionsräumen wurde durch den Anschlag weitgehend zerstört. Zwei Personen mussten wegen Rauchvergiftung behandelt werden. Auf einer Wand des Klosters fand sich der hebräische Schriftzug: "Falsche Götzenbilder müssen zerschlagen werden". Eine Fotogalerie im provisorisch eingerichteten Zugang zur Kirche soll Besuchern vermitteln, was in der Brandnacht geschah. Nun sollen Maßnahmen ergriffen werden, um Anschlägen wie diesen künftig besser vorzubeugen.

Von Andrea Krogmann
(KNA)

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