Hass-Parole in Tabgha
Hass-Parole in Tabgha
Brandanschlag auf Brotvermehrungskirche in Tabgha
Brandanschlag auf Brotvermehrungskirche in Tabgha
Pater Nikodemus
Pater Nikodemus Schnabel
Kardinal Woelki und eine Pilgergruppe in Tabgha
Kardinal Woelki und die Pilgergruppe in Tabgha

18.06.2015

Vermutlich jüdische Täter des Brandanschlags auf Kloster in Israel Hass im Heiligen Land

Nach dem Brandanschlag auf das deutsche Benediktinerkloster Tabgha am See Genezareth hat die israelische Polizei 16 Jugendliche unter Tatverdacht festgenommen. Der Kölner Kardinal Woelki zeigt sich erschüttert.

Ein Trakt des erst 2012 eingeweihten und mit Geld aus Deutschland finanzierten Neubaus am See Genezareth ist am frühen Donnerstagmorgen abgebrannt. Ein 80-jähriger Mönch und eine 20-jährige deutsche Volontärin mussten mit Verdacht auf Rauchvergiftung in eine Klinik. An einer Wand wurde ein antichristliches Graffiti hinterlassen.

Nach Angaben der Zeitung "Haaretz" handelt es sich bei den Inhaftieren um jüdische Religionsstudenten aus Siedlungen im Westjordanland. Sie erhielten Rechtsbeistand von der rechtsnationalen Organisation Honenu. Laut der israelischen Polizei liegen die Ermittlungen bei der Abteilung für extremistische Straftaten.

Brotvermehrungskirche verschont

"Das Atrium ist komplett verbrannt", sagte Walid Hag, Bauingenieur des neuen Klostergebäudes auf dem Gelände des christlichen Pilgerortes, dem epd. Auch der Durchgang zwischen Kirche und Kloster müsse völlig erneuert werden, sagte Hag, ein Katholik aus Nazareth. Die Brotvermehrungskirche selber ist nur indirekt durch Rauchschäden betroffen.

"Es hat hier und auch in unserer Kirche in Jerusalem, der Dormitio-Abtei der Benediktiner auf dem Zionsberg, schon wiederholt Vandalismus gegeben", berichtet Hag. Er vermutet als Täter jüdische Fanatiker aus dem Umfeld der radikalen Siedlergruppe "Preisschild". Es gehe um eine kleine Gruppe, die die friedliche Koexistenz zwischen Juden und Christen zerstören wolle.

Sicherheitsminister Gilad Erdan verurteilte den Angriff laut "Haaretz" als niedrigen und feigen Akt. "Wir werden niemandem erlauben, das Zusammenleben zwischen Religionen und Ethnien in Israel zu stören. Die Grundsätze der Toleranz zwischen Religionen zu verletzen, ist ein Schlag gegen die wichtigsten Werte in Israel, und wir werden Handlungen wie diesen mit null Toleranz begegnen", so der Minister.

Seit Jahren Angriffe auf christliche Stätten

Vertreter der katholischen Kirche sagten der Zeitung, sie sähen den jüngsten Vorfall als Fortsetzung von seit Jahren andauernden Angriffen auf christliche Stätten. Regierung und Behörden seien damit bislang nicht angemessen umgegangen. Über den neuesten Anschlag sei inzwischen auch der Vatikan unterrichtet worden.

Der deutsche Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, war auf die Nachricht vom Brand hin nach Tabgha gereist. Er äußerte sich "erschüttert" und verlangte eine zügige und gründliche Aufklärung. "Es muss sichergestellt werden, dass diese Einrichtungen in Israel, ebenso in Deutschland und Europa, geschützt sind und bleiben", erklärte Michaelis.

Kardinal Woelki: "Traurig und ratlos"

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland reagierten bestürzt auf den Brandanschlag. Die Nachricht mache ihn "traurig und ratlos", nachdem die Tat anscheinend durch religiösen Fanatismus motiviert sei, sagte Woelki, der Präsident des Deutschen Vereins vom Heiligen Land ist, am Donnerstag gegenüber domradio.de.

Julien Chaim Soussan vom Vorstandsbeirat der Rabbinerkonferenz sprach von einer "verabscheuungswürdigen Tat". Bei den Parolen handele es sich um ein Zitat aus dem jüdischen Gebet. Die Schuldigen hätten "das religiöse Selbstverständnis jedes einzelnen Juden beschmutzt".

Die katholische Kirche befindet sich an dem Ort, an dem Jesus Christus bei der Speisung der Fünftausend eines seiner größten Wunder vollbrachte, indem er fünf Brote und zwei Fische vermehrte. Der Deutsche Verein vom Heiligen Land hatte das Gelände 1889 erworben. Auf diesem befinden sich die byzantinische Brotvermehrungskirche mit Mosaiken mit Tier- und Pflanzendarstellungen sowie die Klosteranlage.

In den vergangenen Jahren wurden mehrfach Anschläge auf christliche Einrichtungen und Moscheen in Israel und im besetzten Westjordanland verübt. Dabei aufgetauchte Parolen deuten auf Taten jüdischer Extremisten hin.

(KNA, DR, dpa, epd)

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