In der Kritik: Venezuelas Präsident Maduro
Venezuelas Präsident Maduro

17.03.2015

Adveniat über neues Gesetz in Venezuela "Ein weiterer Schritt in Richtung Diktatur"

Venezuelas Präsident Maduro hat sich vom Parlament mit weitreichenden Sondervollmachten ausstatten lassen. Das Parlament hat sich damit quasi selbst entmachtet. Die Kirche versucht zu vermitteln.

domradio.de: Jetzt hat sich Nicolás Maduro mit diversen Sondervollmachten ausgestattet. Wie bewerten Sie das? Ist das ein weiterer Schritt in Richtung Diktatur?

Reiner Wilhelm (Venezuela-Referent beim katholischen Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat): Es ist ein weiterer Schritt in Richtung Diktatur. Bereits im vergangenen Jahr hat er damit begonnen, die Opposition nach und nach auszuschalten. Sein letzter Coup war die Gefangenname von Antonio Ledezma, dem Bürgermeister von Caracas und einem wichtigen Vertreter der Opposition. Er versucht jetzt über diese Schiene, die Macht an sich zu reißen.

domradio.de: Begründet hat er diesen letzten Schritt mit angeblich massiver Bedrohung aus den USA. Präsident Obama plane einen Putsch in Venezuela. Warum argumentiert Maduro so?

Wilhelm: Er hat immer versucht, Putsch-Gerüchte in die Welt zu setzen, genau wie sein Vorgänger Chávez. Es geht darum, dass er unheimlich unter Druck steht. Es gibt nichts mehr zu essen, es gibt kaum noch etwas zu kaufen. Die Menschen leiden wirklich an allem Not. Die Inflation ist galoppierend. Und da versucht er, den Schauplatz auf eine andere Ebene zu führen und die USA haben sich da wirklich angeboten.

domradio.de: Er versucht, von den internen Problemen abzulenken. Die drastische Inflation in Venezuela hat dazu geführt, dass selbst Grundnahrungsmittel sehr knapp geworden sind. Wie steht es denn vor diesem Hintergrund um Maduros Popularität, zwei Jahre nach seinem Amtsantritt?

Wilhelm: Er hat seine Popularität immer von seinem Vorgänger Chávez abgeleitet, der unheimlich populär gewesen ist. Ich war vor wenigen Monaten noch in Venezuela und man muss für alles lange anstehen. Oft muss man schon am Vorabend  Schlange stehen, um überhaupt reinzukommen. Und dann weiß man nicht, was man kaufen kann, weil man nicht weiß, ob die Regale gefüllt sind und was man darin findet – es gibt weder Milch, noch Windeln. Und wenn man diese Situation sieht, dann kann man sich vorstellen, in welcher Situation dieses Land ist und dass Maduro keinerlei Popularität mehr hat. Nur noch 22 Prozent sprechen sich für ihn aus. Der Rest ist einfach sehr kritisch geworden.

domradio.de: Die katholische Kirche hat Maduros Politik von Beginn an sehr kritisch gesehen. Was wissen Sie über kirchliche Reaktionen auf den aktuellen Alleingang Maduros?

Wilhelm: Die Kirche hat ja bereits vorab reagiert, indem sie die Maßnahme der USA stark kritisiert hat. Es geht ja eigentlich um nichts, denn diejenigen, die von dem Embargo betroffen sind, sind Personen, die in der Nähe der Macht stehen und in die USA nicht mehr einreisen dürfen, deren Konten eingefroren werden, wenn sie überhaupt Konten in den USA haben. Insofern ist es eine Maßnahme, die Venezuela überhaupt nicht trifft. Aber die Kirche sagt: Muss es denn sein? Man hat der Regierung quasi in die Hände gespielt und die Opposition weiter geschwächt. Und die Kirche, die mit der Opposition fast gleichgesetzt wird durch die Regierung, weil sie versucht, in diesem Konflikt zu vermitteln, muss dann auch Farbe bekennen, muss dann auch sagen: Leute, es geht so nicht weiter. Wir müssen versuchen, über den Dialog ins Gespräch zu kommen und diese Problematik zu lösen.

domradio.de: Wird die Kirche auch von Seiten Maduros und seiner Anhänger als Gesprächspartnerin anerkannt?

Wilhelm: Es sind da verschiedene Akteure auf dem Markt. Auf der einen Seite die Bischofskonferenz, die interessiert Maduro nicht. Auf der anderen Seite ist da der Papst, der einen Repräsentanten vor Ort hat, nämlich den Nuntius und der wird durchaus gefragt. Und er hat sich in der letzten Woche auch wieder aktiv in die Thematik eingemischt und hat gesagt: Wenn ihr uns braucht, wir sind da. Papst Franziskus hat ja im Angelus-Gebet ganz besonders neben Syrien und der Ukraine auch an Venezuela gedacht und für Venezuela gebetet. Das Thema ist dem Vatikan durchaus ein Anliegen und ist präsent. Und deswegen kann die Kirche durchaus eine Vermittlerrolle einnehmen.

domradio.de: Venezuela erlebt in diesen Wochen dramatische Momente. Wie versuchen Sie von Adveniat, Ihre Partner vor Ort zu unterstützen?

Wilhelm: Es gibt vielfältige Hilfen. Auf der einen Seite die Präsenz. Vor wenigen Monaten bin ich noch im Amt gewesen, das ist unheimlich gefährlich, die Gewaltsituation ist immens hoch. Aber die Tatsache, dass wir präsent sind, dass wir ansprechbar sind, das spielt schon eine wichtige Rolle auch für die Menschen. Wir versuchen mit Medikamenten zu helfen, man kann im Land ja keine Medikamente mehr kaufen. Wir versuchen, mit unserer Unterstützung, die wir von Deutschland aus geben können, den Menschen vor Ort auch mit alltäglichen Kleinigkeiten zu helfen.

Das Interview führt Hilde Regeniter.

(DR)

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