07.03.2018

In Bethlehem entstehen Rosenkränze für den Weltjugendtag Perlen für Panama

Der Rosenkranz soll im Zentrum des kommenden Weltjugendtags Anfang 2019 in Panama stehen. Damit ihn dort alle Teilnehmer beten können, werden im Heiligen Land derzeit 1,5 Millionen Gebetsketten gefertigt.

Mit beiden Händen schöpfen die Männer von der Caritas aus großen Säcken. Dutzend um Dutzend breiten sie Rosenkränze aus Olivenholz auf dem Gartentisch aus. Ein paar Meter weiter warten säckeweise Perlen, Kreuze und Garn auf die Weiterverarbeitung. Die Stapelware in dem kleinen Lagerraum im Garten des YMCA in Beit Sahour ist nur der Anfang, oder, in Zahlen ausgedrückt: ein Bruchteil der 1,5 Millionen Rosenkränze, die bis Ende September auf eine lange Reise gehen sollen. Ihr Bestimmungsort: Panama-Stadt. Dort, knapp 12.000 Kilometer Luftlinie von Bethlehem entfernt, sollen im Januar die Teilnehmer des 23. Weltjugendtag für Frieden im Heiligen Land und der Welt beten.

Feiner Holzstaub liegt in der Luft. Das konstante Surren der Maschinen unterstreicht die geschäftige Atmosphäre in dem Kellerraum.

Schnell und mit sicherer Präzision dreht die spanbedeckte Hand die dünne Holzplatte unter dem Bohrkopf, bis die Späne fliegen. Dann noch eine, und noch eine. Das fahle Neonlicht kontrastiert mit dem warmen Honigton des Olivenholzes. Einen Arbeitsplatz weiter dreht eine andere staubige Hand die Scheibe auf links. Bohrt. Kleine Perlen, eine nach der anderen, fallen in den Korb.

Konzentriert arbeiten sich die Männer durch das Holz, gesprochen wird kaum. "Dieses Projekt ist unsere Chance", sagt Omar aus Bethlehem und Besitzer des kleinen Ateliers. Vorher habe er je nach Saison Holzarbeiten für Weihnachten hergestellt oder mangels Alternativen riskante Arbeiten in israelischen Siedlungen übernommen. Aus Omars Einmannbetrieb ist eine Produktion mit elf Angestellten geworden, die "30 bis 35 Frauen" nicht mitgerechnet, die die Perlen zu Ketten aufziehen.

Expansionskurs

Zwei neue Maschinen und vier Angestellte sind es bei Ihab, dessen Atelier in Beit Dschallah mittels Laser die Schriftzüge "Bethlehem" und "JMJ 2019" in die Kreuze fräst. Weitere Neueinstellungen und die Expansion seiner Werkstatt auf die Perlenherstellung sind geplant, "mit vollautomatischen Maschinen aus Deutschland". Tourismus, sagt Ihab, ist saisonabhängig. Die Rosenkränze hingegen sind sichere Arbeit und unabhängig von der politischen Situation.

Am Anfang von allem stand der Papst. Er wolle den Rosenkranz als Gebet für Frieden zum Zentrum des kommenden Weltjugendtags machen, erklärte er Daniel Pittet, dessen Buch mit Glaubenszeugnissen von Ordensleuten die Teilnehmer des Weltjugendtags in Krakau begeisterte.

Pittet teilte den Wunsch des Papstes mit seinem langjährigen Freund, dem emeritierten Bischof von Reykjavik, Peter Bürcher. "Ave JMJ", ein 1,5-Millionen-Dollar-Projekt nahm seinen Anfang: "Ave wie Ave Maria als Symbol des Rosenkranzgebets, JMJ wie die spanische Abkürzung für den Weltjugendtag - 'Jornada Mundial de la Juventud'", sagt Bürcher, "oder auch die Initialen für Jesus, Maria und Joseph".

Um Jugendlichen das Rosenkranzgebet nahezubringen, brauchen sie einen Rosenkranz, befand der Alt-Bischof pragmatisch. Und: "Ihr könnt die Rosenkränze billig in China einkaufen - oder aber wir können sie als Zeichen der aktiven Solidarität mit den Menschen im Heiligen Land in Bethlehem fertigen lassen." Stolz steht Bischof Peter beim Projektbesuch in Bethlehem im Gesicht, obwohl sich die Schwere seiner Folgen in Tonnen messen ließe: 30 Tonnen Fracht, verteilt auf zwei Container werden am Ende zusammenkommen, 81 Millionen Perlen, 1,5 Millionen Kreuze, Zellophanbeutel und Papstbildchen, 750 Kilometer elastische Schmuckkordel Marke "Stretch Magic 1mm".

Sicheres Einkommen

Für das Team bestehend aus dem Schweizer Bischof, der Jerusalemer Caritas und der für das Fundraising zuständigen "Association Saint-Jean-Marie Vianney Lausanne" sind diese Zahlen nebensächlich. Auf die soziale Seite des Rosenkranzprojekts sind sie stolz: Es sichert rund 800 Menschen wie Hassan und Ihab in und um Bethlehem das Einkommen für ein Jahr. Dazu kommen jene, die indirekt profitieren, wie Holzhändler und Lieferanten.

Einen Dollar kostet ein Rosenkranz, dazu die Verpackungs- und Transportkosten - ein "sehr fairer Preis", findet Samer Baboun, Leiter einer kirchlichen Ausbildungs- und Arbeitsinitiative für benachteiligte Menschen in Bethlehem. In seinen Werkstätten entsteht ein Teil der Holzkreuze für Panama. Auch die "respektvolle Zahlungspolitik" des "Ave JMJ" helfe den Menschen, sich ein Leben in Würde aufzubauen. "Wir schaffen Arbeit, ohne anderen die Arbeit wegzunehmen, weil unsere Produkte nicht in den Handel geraten", sagt Bürcher. "Auch wenn angedachte Folgeprojekte nicht zustande kommen, sind die Rosenkränze für die Menschen ein Gewinn", sagt Harout Bedrossian von Caritas Jerusalem.

Fast hätten sie dabei die Rechnung ohne den kirchlichen Hausherrn in Panama gemacht. Aus Platzgründen, reagierte Erzbischof Jose Domingo Ulloa auf die Rosenkranzoffensive, können nur 500.000 Jugendliche empfangen werden - die 1,5 Millionen waren jedoch schon bestellt. Die Lösung, die Bürcher und sein Team erdachten: Drei statt nur einem Rosenkranz wird jeder Teilnehmer erhalten - einen für sich selbst, einen zweiten, den er einem Menschen in Panama schenkt und der dritte für einen Menschen zu Hause. Aus überzähligen Gebetsketten wird so ein missionarischer Auftrag.

Dass seine Handarbeit auf diese Weise in alle Welt geht, mache ihn glücklich, sagt Ihab, "vor allem, dass die jungen Menschen ein Produkt aus dem Heiligen Land bekommen und damit den Familien und Christen hier helfen!" Carmen kann dem nur zustimmen. Während ihr Mann mit Bohren beschäftigt ist, fädelt sie mit ihren drei Töchtern die kleinen Perlen auf das elastische Garn. 2.200 Rosenkränze knüpfen Carmen und ihre Töchter in der Woche. Nachbarin Hadil schafft es allein auf über 1.200. Nur beten kann sie bei der Arbeit nicht, sagt sie lachend. "Die Arbeit erfordert meine ganze Konzentration."

Andrea Krogmann
(KNA)

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Aus Panama berichten Ina Rottscheidt und Kathi Geiger.

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Tägliche Eindrücke aus Panama gibt der Social Media-Redakteur André Grosser vom Newsdesk im Erzbistum Köln. Er begleitet die WJT- Reisegruppe des Erzbistums.