Einer der Drei Heiligen Könige wird meist mit stereotypen Merkmalen dargestellt
Einer der drei Heiligen Könige wird meist mit schwarzer Hautfarbe dargestellt

03.12.2020

Streit um den schwarzen König an der Krippe Weihnachtsfriede in Gefahr?

Die Debatte ist hoch emotional. Darf ein schwarzer König an der Krippe stehen? Und dürfen sich Sternsinger schwarz schminken? Dafür gibt es gute Argumente, wie auch der Kulturreferent der Deutschen Bischofskonferenz erläutert.

Ist der Weihnachtsfriede gefährdet? Darf - in Zeiten von "Black Lives matter" und wachsender Sensibilität für Rassismus - ein schwarzer König an der Weihnachtskrippe stehen? Und dürfen Kinder, die, als Heilige Drei Könige verkleidet, von Haus zu Haus ziehen, noch schwarz geschminkt werden?

In manchen Gemeinden wird aufs Schminken mittlerweile ganz verzichtet. Und im Oktober gab die evangelische Münstergemeinde in Ulm bekannt, sie wolle die Heiligen Drei Könige aus ihrer Weihnachtskrippe entfernen. Die dort bislang genutzte Holzfigur des Melchior sei "aus heutiger Sicht eindeutig als rassistisch anzusehen".

Klare Unterscheidung nötig

Jakob Johannes Koch sieht das völlig anders. Jeder der biblischen Sterndeuter sei "ein hoch angesehener Weiser, ein König des Wissens", schreibt der Kulturreferent der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in der Dezemberausgabe der Zeitschrift "Politik und Kultur" des Deutschen Kulturrates. Dass Weihnachtskrippen mit der Figur des Caspar oder Melchior einen Afrikaner zeigten, der Königswürde und Wissen symbolisiere, habe mit hoher Wertschätzung und universaler Menschenwürde zu tun. "Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und aus unterschiedlichen Ethnien sind gleichwertige Akteure und Adressaten von Jesu Frohbotschaft."

Koch dringt auf eine klare Unterscheidung: Anders als das verhöhnende Blackfacing oder als die niederländische Schreckfigur des Zwarten Piet drücke der Auftritt eines schwarzen Königs Wertschätzung aus.

Aus Sicht des Kulturexperten wird umgekehrt ein Schuh daraus: "Sollen wirklich nur noch die 'drei weißen heiligen Könige' durch die Straßen ziehen?" fragt er. Sollte Melchior in der Weihnachtskrippe ein irgendwie neutrales Aussehen bekommen? Das könnte auch als neue Apartheid in Kunst, Kultur und Brauchtum interpretiert werden.

Historische Zusammenhänge

Das sieht der französische Mittelalterhistoriker Michel Pastoureau ähnlich. In seinem Buch "Schwarz. Geschichte einer Farbe" verweist er auf historische Zusammenhänge: Erst ab Ende des 14. Jahrhunderts finde sich auf Wappen und Bildern in Europa ein schwarzhäutiger König. Damals habe Europa  Aufgeschlossenheit und Neugier auf Afrika entwickelt - und parallel auch der Farbe Schwarz eine neue Bedeutung gegeben.

Zuvor, im Mittelalter, war schwarze Haut in Literatur und Malerei in der Tat in der Regel negativ besetzt. Sie wurde denjenigen zugeschrieben, die sich außerhalb der gesellschaftlichen, religiösen oder moralischen Ordnung bewegten - Henkern, Hexen und Teufeln. Auch der Verräter Judas wurde oft mit dunkler Haut oder mit schwarzem Heiligenschein dargestellt.

Dunkle Hautfarbe sprachen die mittelalterliche Malerei und Literatur auch den Sarazenen zu, also den muslimischen Gegnern der hellhäutigen und blonden Kreuzritter. "Je dunkler die Haut, desto suspekter die Person", fasst Pastoureau die symbolische Bedeutung der Farbe zusammen.

Schwarz wurde zur Farbe der Kurie

Das änderte sich mit dem 14. Jahrhundert. Schwarz wurde positiv aufgeladen, symbolisierte Autorität und Nüchternheit. Es hielt Einzug in die Kleidung der Patrizier in den Städten und in die Amtstracht von Würdenträgern und Geistlichen. Es wurde zur Farbe der Königshäuser und der Kurie. Und in Malerei und Literatur tauchen vermehrt positiv besetzte Persönlichkeiten mit schwarzer Hautfarbe auf. Schwarze Hautfarbe steht ab jetzt für Exotik und für den Anspruch des Christentums, alle Völker zu bekehren.

Dabei war der schwarze König laut Mittelalterforscher "weder das älteste noch das beste Beispiel für die Christianisierung einer dunkelhäutigen Figur". In dieser Rolle ging ihm nicht nur die legendäre Königin von Saba voraus, die im Alten Testament König Salomo einen Besuch abstattete, sondern auch der im ganzen Abendland verehrte heilige Mauritius (Moritz).

Mauritius war Kopte, römischer Soldat und Märtyrer. Wegen seiner Tapferkeit stieg er im 12. Jahrhundert neben Sankt Michael und Sankt Georg zum Schutzpatron der Ritter auf. War sein Gesicht in bildlichen Darstellungen anfangs ebenfalls weiß, so nahm er seit dieser Zeit immer deutlicher afrikanische Züge an. "Der Schutzpatron der Ritter war von da an ein Schwarzer, der seine afrikanischen Züge mit Stolz zur Schau trug", schreibt Pastoureau.

Christoph Arens
(KNA)

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