Weihbischof Schwaderlapp äußert sich zu Dienst in Kenia

"Zunächst einmal komme ich als Lernender"

Nachdem der Papst sein Rücktrittsangebot abgelehnt hatte, will der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp nun für ein Jahr als Seelsorger nach Kenia gehen. Was er sich von dieser Zeit in Afrika erhofft, erzählt er im Interview.

Von Aufgaben entbunden: Weihbischof Dominikus Schwaderlapp / © Harald Oppitz (KNA)
Von Aufgaben entbunden: Weihbischof Dominikus Schwaderlapp / © Harald Oppitz ( KNA )

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie denn reagiert, als die Mitteilung aus Rom kam, dass Sie im Amt bleiben dürfen?

Weihbischof Dominikus Schwaderlapp (Kölner Weihbischof): Zunächst muss ich vorwegschicken, ich habe nicht lange mit dem Papst gesprochen, sondern mit Kardinal Ouellet, dem Präfekten der Bischofskongregation, der hat mir das Ergebnis mitgeteilt. Und natürlich bin ich dankbar für diese Entscheidung. Man ist nicht gut Richter in eigener Sache. Deshalb habe ich mich an den Papst gewandt und bin dankbar für diese Entscheidung, die natürlich auch für mich Auftrag bedeutet, jetzt in einer guten, erneuerten Weise voranzugehen.

DOMRADIO.DE: Nun haben Sie schon seit einigen Monaten ihr Amt ruhen lassen. Denn gleich nachdem das Gercke-Gutachten veröffentlicht wurde, hatten Sie dem Papst Ihren Rücktritt angeboten. Was haben Sie denn während der vergangenen Monate gemacht? Wie haben Sie denn die Zeit verbracht?

Schwaderlapp: Ich war zwar von meinen bischöflichen Aufgaben freigestellt, aber nicht als Priester. Im Rahmen meiner Tätigkeit als Domkapitular und darüber hinaus habe ich versucht, wirklich als Seelsorger zu wirken. Das heißt, angefangen natürlich beim Gebetsleben und Studium, wo ich etwas Nachholbedarf gesehen habe, habe ich sehr viele Gespräche führen können – auch mit Betroffenen von sexuellem Missbrauch. Das hat mich sehr bereichert und auch innerlich vorangebracht. Es war eine Zeit, in der ich dann auch reflektieren konnte, eine sehr in diesem Sinne auch dichte Zeit, wenn auch die Terminfülle nicht so gegeben war.

DOMRADIO.DE: Nun werden Sie aber nicht einfach weiter so im Amt als Weihbischof von Köln bleiben. Sie haben den Papst gebeten, Ihnen eine Zeit zu gewähren. Sie wollen in dieser Zeit in Kenia als Priester arbeiten, als ganz normaler Priester. Was hat Sie denn dazu bewogen?

Schwaderlapp: Ich habe am 18. März gesagt und das ist mir sehr wichtig, dass mehr als Fehler in einzelnen Fällen, mich beschäftigt und mich auch bedrückt und beschämt, dass ich nach meiner Auffassung als Seelsorger nicht genügt habe, versagt habe. Das heißt, dass ich das Leid von Verletzten nicht nahe genug an mich heran habe kommen lassen. Ich habe mit dafür gesorgt, dass so gut es ging, Fälle bearbeitet wurden. Da sind Fehler passiert, aber es wurde auch das Bemühen anerkannt. Aber ein Gutachten dieser Art erfasst nicht, dass ich eben auch ein Selbstanspruch als Seelsorger habe – und der ist mir da klar geworden. Da habe ich deutliche Defizite und ich sehe das, würde ich sagen, als eins der Schlüsselprobleme oder Schlüsselherausforderungen der Kirche bei uns, dass wir nah an den Menschen sind und dass wir als Priester auch wirklich Seelsorger sind.

Dass wir Menschen eben nicht nur betrachten als Fälle, als Gruppen, als Zahlen, sondern als einzelne, unverwechselbar von Gott geliebte Menschen. Das heißt, wieder als Seelsorger zu arbeiten und das wieder neu zu entdecken, zu vertiefen, meine eigene Berufung zu vertiefen und damit auch meinen Dienst zu verbessern, das war eigentlich das motivierende Moment, zu überlegen, ist es nicht gut, einen Dienst in der Weltkirche zu tun? Das hing nun damit zusammen, dass ich als Generalvikar immer wieder Kontakte hatte zu verschiedenen Projekten, die wir in aller Welt haben. Das hat mich damals schon sehr bereichert, wenn ich von solchen Reisen zurückkam in den letzten Jahren. Ich war Bischofsvikar für die muttersprachlichen Gemeinden in unserem Erzbistum und die Begegnung mit den dem Christsein, mit dem Katholisch sein in unterschiedlichen Kulturen hat mich immer sehr bereichert. Da ist der Gedanke entstanden: Wäre es nicht gut, eine Zeit in Afrika zu verbringen?

DOMRADIO.DE: Wie sind Sie da auf Kenia gekommen?

Schwaderlapp: Gut, es ging mir darum, keine Auszeit zu nehmen, sondern wirklich als Priester zu arbeiten. Ich habe dann mit unserer Diözesanstelle Weltkirche/Weltmission gesprochen, mit den Verantwortlichen dort. Was könnt ihr euch vorstellen? Habt ihr eine Idee? Die fanden die Idee generell gut und sagten, sie haben seit Jahren sehr gute Kontakte, Verbindungen zum Erzbistum Mombasa und zum Erzbischof Martin Kivuva. Da könnte man sich das vorstellen. Dann hatte ich natürlich mit dem Herrn Kardinal die Angelegenheit besprochen und der fand das auch okay. Er hat dann an den Erzbischof geschrieben und er hat gesagt ja, ich könne kommen und hat da zugesagt.

DOMRADIO.DE: Wissen Sie denn, was das für ein Erzbistum ist? Kennen Sie das? Haben Sie sich da informiert?

Schwaderlapp: Also, ich war noch nie da. Ich war einmal auf dem Flughafen in Nairobi. Ansonsten kenne ich Kenia nicht. Mombasa ist eine von zwei Millionenstädten, die Hauptstadt Nairobi, im Hochland im Landesinneren und am Meer eben Mombasa, eine Hafenstadt, die schon eine lange Geschichte vorzuweisen hat. Das Erzbistum ist ungefähr identisch mit den Stadtgrenzen. Das weiß ich.

Dann hat der Erzbischof Martin geschrieben, er möchte mich einsetzen, einerseits in einer Pfarrei, wo man Englisch spricht. Das ist die Amtssprache, aber es gibt eben noch die zweite Sprache Suaheli. Es gibt wohl auch dort Menschen, die eben schlecht Englisch sprechen und mehr Suaheli. Also er will mich in einer englischsprachige Gemeinde einsetzen und in die Projektarbeit. Er hat so ein, ich sage mal Diözesankomitee zur Bildung, zur Erarbeitung von Projekten, die in großer sozialer Not helfen sollen. Da möchte er mich auch einsetzen.

DOMRADIO.DE: Das heißt, sie arbeiten dort nicht als Weihbischof, sondern sie arbeiten dort als ganz einfacher Priester.

Schwaderlapp: Genau. Es ist natürlich kein Geheimnis, dass ich Bischof bin, Weihbischof bin. Aber dennoch mein Dienst da ist eben als Priester. Das ist die Figur, die es dafür gibt, eine sozusagen kirchenrechtliche Figur, ich bin Fidei-et-Donum Priester. Das heißt, es geht zurück auf eine Enzyklika von Pius XII., aus dem Jahr 1957, wo er dazu aufgerufen hat, dass die europäischen Ortskirchen Priester für eine gewisse Zeit nach Südamerika, nach Afrika oder Asien entsenden, um dort in der Seelsorge mitzuwirken. Und ein solcher Fidei-et-Donum Priester bin ich für ein Jahr.

DOMRADIO.DE: Da hat man ja nun hat man ja seine Vorstellung von der katholischen Spiritualität der Menschen in Afrika, die sich von unserer Spiritualität in Deutschland unterscheidet. Das ist spannend, da kommt ja einiges auf Sie zu.

Schwaderlapp: Ja, ich konnte verschiedene afrikanische Gemeinschaften kennenlernen, einerseits bei Besuchen in Afrika, aber vor allen Dingen auch hier bei uns im Rahmen der muttersprachlichen Gemeinden. Das ist ein sehr gemütvoller, herzvoller Glaube, auch temperamentvoll. Also Singen ist immer auch mit Bewegung verbunden. Zugleich habe ich dort immer auch eine große Innigkeit und Frömmigkeit erlebt - verbunden mit fröhlichen Gesichtern.

DOMRADIO.DE: Was versprechen Sie sich von dieser Zeit in Kenia? Was erhoffen Sie sich davon?

Schwaderlapp: Also ich erhoffe mir, dass ich da innerlich wachse, dass sich mein Horizont erweitert, dass ich andere Gesichtspunkte, die ich bisher nicht so im Blick hatte, kennenlerne und dann mit einem veränderten, erweiterten Blick auch wieder zurückkomme. Es wäre natürlich schön, wenn ich in dieser Zeit auch wirklich dort eine Hilfe wäre, aber zunächst einmal komme ich als Lernender.

DOMRADIO.DE: Als Lernender auch der Sprache, das ist ja auch eine Hürde.

Schwaderlapp: Ja, mein Schulenglisch ist noch verbesserungswürdig. Ich habe die Hoffnung, dass wenn man es übt da und einfach praktiziert, dass man dann auch hineinwächst.

DOMRADIO.DE: Sie gehören ja zu den Bischöfen, die verstärkt die neuen Medien nutzen. Werden Sie das auch in Afrika tun oder gehen Sie da auf Sendepause?

Schwaderlapp: Das will ich moderat tun. Ich weiß noch nicht genau, wie. Wie gesagt, es ist ja keine Auszeit, meine Freistellung ist ja auch beendet. Das Rücktrittsgesuch ist nicht angenommen, also ich bin da voll im Dienst und werde mich sicherlich auch zu gegebener Zeit melden. Wie und wann, da muss ich erst mal ankommen und versuchen Boden unter den Füßen zu bekommen.

DOMRADIO.DE: Wissen Sie schon, wann Sie aufbrechen und auch, wann Sie dann nach Köln zurückkommen?

Schwaderlapp: Am 16. Oktober breche ich auf, da geht das Flugzeug und meine Freistellung endet am 31. Juli. Also in diesem Zeitraum werde ich dann wiederkommen.

Das Interview führte Johannes Schröer.


Quelle:
DR