Unterschiedliche Reaktionen auf Vatikan-Papier zu Pfarreireformen
Zwei Geistliche vor den Absperrungen am Petersplatz

31.03.2021

Papst als Arbeitgeber muss Personalkosten senken Franziskus kürzt Kardinälen das Gehalt

Der vom Vatikan vorgelegte Haushaltsplan für die Kurie weist für dieses Jahr ein Minus von 64 Millionen Euro aus. Schuld sind auch Mindereinnahmen durch die Corona-Pandemie. Jetzt hat der Papst den Klerikern an der Kurie die Gehälter gekürzt.

"Papst kürzt Kardinälen das Gehalt" - lautete eine Meldung von vergangener Woche. Nachdem die strukturelle Finanzkrise der Kurie durch pandemiebedingte Einnahmeausfälle deutlich verschärft ist, sahen Franziskus' Finanzexperten sich zu drastischen Maßnahmen veranlasst: Zehn Prozent Abschlag bei Kurienkardinälen, acht Prozent bei anderen leitenden Mitarbeitern und drei Prozent in der mittleren Führungsebene. Trotzdem dürfte dies eher eine symbolische Maßnahme sein.

Unter den gut 4.000 Mitarbeitern von Kurie und Vatikanstaat machen die gut 40 Kardinäle gerade mal ein Prozent aus. Nimmt man ihr Monatsgehalt, früher euphemistisch "piatto cardinalizio" (Kardinalsteller) genannt, von 4.500 bis 5.000 Euro, spart deren Gehaltskürzung monatlich maximal 20.000 Euro, im Jahr - inklusive Weihnachtsgeld - also eine gute Viertelmillion.

Laien mit Familien kommen besser weg

Gekürzt wird zudem nur bei Klerikern und Ordensleuten. Laien, von denen viele Familie haben, kommen - fast - ungeschoren davon. Wie alle müssen sie nur auf eine zweijährliche automatische Höherstufung wegen Dienstalter verzichten. Greifen sollen die Maßnahmen ab dem 1. April erst einmal für zwei Jahre; so sieht es das am 24. März veröffentlichte Motu Proprio "über die Eindämmung der Ausgaben für das Personal des Heiligen Stuhls, des Governatorats des Staates Vatikanstadt und anderer damit verbundener Einrichtungen" vor.

Demnach gelten die Maßnahmen auch für die Mitarbeiter des Bistums Rom und der weiteren päpstlichen Basiliken. Betroffen sind insgesamt über 4.000 Personen. Betriebsbedingte Kündigungen, so hatte Franziskus mehrfach betont, müssten unter allen Bedingungen vermieden werden.

Gleichwohl steht die Forderung des Kardinalsrats von Ende 2018 im Raum, den Personalbestand mittel- und langfristig zu reduzieren. Päpstliche Vorgabe: keine betriebsbedingten Kündigungen!

Etliche Stellen nicht wieder besetzt

Bisher schon wurden etliche Stellen nicht wieder besetzt, Entsendungen nicht verlängert, damit Mitarbeiter keine Pensionsansprüche sammeln. So sanken die Personalausgaben der Kurie zwischen 2018 und 2019 von 140 auf 137 Millionen Euro. Gleichwohl steigen sie laut dem kürzlich vorgestellten Haushaltsplan 2021 wieder auf 139,5 Millionen Euro. Ab 2023, so hoffen die Verantwortlichen im Wirtschaftssekretariat, ist die Pandemie so weit eingedämmt, dass sich Einnahmequellen wie Eintrittsgelder, Mieteinnahmen und Spenden der Weltkirche wieder einpendeln.

Im Zusammenhang mit der Kurienreform heißt es immer wieder, der Vatikan solle mehr Laien einstellen, vor allem aus anderen Teilen der Weltkirche. Damit würde die Kurie weniger klerikal und bilde die Gesamtkirche besser ab. Sehr wünschenswert, bestätigen Kuriale, aber angesichts bescheidener vatikanischer Gehälter lasse sich kaum qualifiziertes Personal für fünf Jahre nach Rom locken - zumal, wenn der oder die Angestellte noch eine Familie ernähren muss.

Das individuelle Gehalt besteht aus einem Grundgehalt, etwaigen Sonderzulagen, einer zweijährlichen Höherstufung nach Dienstalter sowie Feiertags-, Nacht- und anderen Sonderzulagen für das Laienpersonal. Auch gibt es ein 13. Monatsgehalt.

Die Gehaltsordnung der Kurie für die untere und mittlere Ebene hat zehn Stufen. So erhält etwa jemand, der seit zehn Jahren für den Papst arbeitet, in Gehaltsstufe Stufe 6 rund 2.150 Euro, Überstunden und Sonderschichten nicht eingerechnet. Davon abgezogen werden 300 bis 400 Euro für Alters- und Krankenversicherung; Lohnsteuer gibt es im Vatikanstaat keine.

Über den zehn Grundstufen gibt es vier Gehaltsklassen für Führungspersonal wie Präfekten, Sekretäre und Untersekretäre; sie reichen bis zu den 5.000 Euro für Kardinalpräfekten.

Seelsorgepersonal in Italien noch schlechter gestellt

Mag das Gehaltsniveau hinter Vatikanmauern nicht allzu generös sein. In Italien ist das Seelsorgepersonal noch schlechter gestellt: Dort erhalten selbst Kardinäle und Bischöfe nur ein knappes Drittel. Ein italienischer Bischof geht laut Gehaltsordnung der Italienischen Bischofskonferenz mit maximal 1.700 Euro brutto nach Hause, das sind etwa 1.300 bis 1.400 Euro im Monat netto.

Schätzungen zufolge sollen die nun verfügten Gehaltskürzungen im Vatikan rund eine Million Euro sparen. Das ist ein kleiner Happen angesichts des für 2021 berechneten Defizits der Kurie von rund 50 Millionen Euro.

Woher nehmen? Eine Möglichkeit klang am vergangenen Samstag im Jahresbericht der Vatikan-Justiz an. Laut Staatsanwalt Gian Piero Milano hat seine Behörde 2020 wegen diverser Finanzdelikte international Pfändungen in Höhe von rund 105 Millionen Euro beantragt. Sollte es Milano gelingen, nur die Hälfte davon einzutreiben, wäre zumindest das avisierte Defizit für 2021 aufgefangen.

Roland Juchem
(KNA)

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