Ulrich Graf von Plettenberg
Ulrich Graf von Plettenberg

17.03.2021

Generalvikar prophezeit enormen Schaden durch Vatikanpapier Nicht nur Unverständnis, sondern Entsetzen

Der Trierer Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg hat das Nein der vatikanischen Glaubenskongregation zu Segnungen homosexueller Partnerschaften kritisiert. Der Entscheidung fehle es an Respekt vor der Liebe zweier Christen. 

Er habe "keinerlei Verständnis für die römische Klarstellung", sagte von Plettenberg am Dienstag laut einer Mitteilung des Bistums Trier. "Dieses Unverständnis bis hin zum Entsetzen" teile er mit vielen anderen Gläubigen. Der Schaden, der mit dieser neuerlichen römischen "Intervention" verursacht werde, sei enorm, so der Generalvikar.

Warum kann man dann Dinge segnen?

"Ich kann allerlei Dinge segnen - aber zwei Menschen, die sich in Liebe und Treue verbunden wissen, die die Höhen und Tiefen eines gemeinsamen Lebens miteinander teilen wollen, soll ich nicht segnen können?", fragte von Plettenberg. Es gehe ihm ausdrücklich nicht um Gleichmacherei, aber "um Respekt Menschen gegenüber, die sich nach bestem Wissen und Gewissen für diese Lebensform entschieden haben und sie aus dem christlichen Glauben heraus gestalten und leben wollen".

Laut der am Montag verbreiteten Erklärung der Vatikanischen Glaubenskongregation hat die katholische Kirche keine Vollmacht, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Zwar sei bei solchen Initiativen "der aufrichtige Wille" zu erkennen, homosexuelle Personen zu begleiten. Da aber die Verbindungen von homosexuellen Paaren nicht dem göttlichen Willen entsprächen, könnten sie nicht gesegnet werden.

Unterschriftenaktion für Segnung homosexueller Paare

Mit einer Unterschriftenaktion erklären unterdessen katholische Seelsorgerinnen und Seelsorger in Deutschland ihre Bereitschaft, homosexuelle Paare zu segnen. Bis Dienstagmittag haben eine entsprechende Erklärung mehr als 200 Menschen unterschrieben, darunter 75 Priester und Diakone, ebenso Ordensleute und Ordensobere, wie die Initiatoren, der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose und Pfarrer Bernd Mönkebüscher aus Hamm, erklärten.

Die Aktion ist eine bewusste Antwort auf eine Absage der Römischen Glaubenskongregation an solche Segnungen.

"Wir verweigern eine Segensfeier nicht", heißt es in der Erklärung. Man tue dies in der Verantwortung als Seelsorgerinnen und Seelsorger, die Menschen in wichtigen Momenten ihres Lebens den Segen zusagten, den Gott allein schenke. "Wir respektieren und schätzen ihre Liebe und glauben darüber hinaus, dass der Segen Gottes mit ihnen ist." Theologische Argumente und Erkenntnisgewinne seien zur Genüge ausgetauscht.

"Wir nehmen nicht hin, dass eine ausgrenzende und veraltete Sexualmoral auf dem Rücken von Menschen ausgetragen wird und unsere Arbeit in der Seelsorge untergräbt."

Auch Gemeinde- und Pastoralreferenten unterstützten das Anliegen, ebenso Religionslehrer und Hochschullehrer. Bis zum Palmsonntag (28. März) um 12.00 Uhr wolle man Unterschriften sammeln. Danach werde die Erklärung an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und an die Vorsitzende des Synodal-Forums "Sexualität und Partnerschaft" beim Synodalen Weg, Birgit Mock, gesendet.

(KNA)

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