Kardinal verteidigt Segnungsverbot für homosexuelle Paare

"Keine Frage des Willens"

Kardinal Marcello Semeraro hat den Diskriminierungsvorwurf durch das vatikanische Segnungsverbot für Paare gleichen Geschlechts zurückgewiesen. Das gleiche Verbot gelte auch für heterosexuelle Lebensgemeinschaften außerhalb der Ehe.

 (DR)

Das sagte der Dogmatiker und Präfekt der Heiligsprechungskongregation der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" (Dienstag). Anders als die staatliche Gesetzgebung sei die Kirche "dem Willen Gottes unterworfen".

"Keine Frage des Willens"

Semeraro verglich das Thema homosexueller Verbindungen mit der Debatte um die Zulassung von Frauen zum Priesteramt. Es sei "keine Frage des Willens". Die katholische Kirche sei "an die Heilige Schrift gebunden, an das Wort Gottes". Ob eine Person sündig sei, lasse sich nicht von ihrer Lebensgemeinschaft ableiten; man dürfe "über die innere Situation nicht urteilen", betonte Semeraro.

Dessen ungeachtet könne die Kirche "keine Verbindung anerkennen, die von der Heiligen Schrift nicht vorgesehen ist", sagte der Kardinal.

Die Glaubenskongregation hatte am Montag erklärt, dass die katholische Kirche keine Vollmacht habe, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Zwar sei bei solchen Initiativen "der aufrichtige Willen" zu erkennen, "homosexuelle Personen anzunehmen, sie zu begleiten und ihnen Wege des Glaubenswachstums anzubieten", heißt es in dem Papier.

Nicht dem göttlichen Willen entsprechend

Da aber die Verbindungen von homosexuellen Paaren nicht dem göttlichen Willen entsprächen, könnten sie nicht gesegnet werden. Einzelne Theologen kritisierten die Entscheidung als rückwärtsgewandt und nicht auf der Höhe der Wissenschaft.

Kardinal Marcello Semeraro / © Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Marcello Semeraro / © Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA