Papst Johannes Paul II. zeigt sich am 16. Oktober 1978 auf dem Balkon des Petersplatzes im Vatikan
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Wird nicht nur in Polen verehrt: Der verstorbene Papst Johannes Paul II.
Wird nicht nur in Polen verehrt: Der verstorbene Papst Johannes Paul II.
Papst Johannes Paul II. begrüßt die Menschen im Marienwallfahrtsort Tschenstochau 1979.
Papst Johannes Paul II. begrüßt die Menschen im Marienwallfahrtsort Tschenstochau 1979.

22.10.2019

Zum Gedenken an Papst Johannes Paul II. Der erste Papst aus Osteuropa

Vor 41 Jahren wurde Papst Johannes II. in sein Amt eingeführt. Er war der erste Nicht-Italiener als Papst nach 455 Jahren und der erste Osteuropäer in dem Amt. Für das Ende des Kalten Krieges war er von besonderer Beudeutung.

DOMRADIO.DE: Als heute vor 41 Jahren Papst Johannes Paul II. auf die Mittelloggia trat und die wartenden Gläubigen auf dem Petersplatz begrüßte, war unter ihnen der heutige Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick. Wie war der Moment, als der Name Karol Kardinal Wojtyla ausgerufen wurde?

Ludwig Schick (Erzbischof von Bamberg): Das war zunächst schwierig, dass das überhaupt mitgeteilt wurde, weil der damalige Kardinal Diakon den Namen Wojtyla wohl nicht so richtig aussprechen konnte. Von daher gab es eine richtige Spannung, die man auf dem Petersplatz gespürt hat.

Als klar wurde, dass es ein Pole war, war unter den Italienern eine richtige Schockstarre zu spüren. Denn die meisten auf dem Petersplatz waren Italiener. Sie hatten sich dann erholt und als der neu gewählte Papst auf die Loggia trat, er italienisch sprach und die Italiener auch einlud, ihm zu helfen, wenn er sich nicht richtig im Italienischen ausdrückt, ist nach und nach das Eis gebrochen. Zum Schluss - das dauerte ja fast eine Stunde, bis die Inthronisierung zu Ende war, war schon eine gelöste Stimmung wieder da.

DOMRADIO.DE: Wir sprechen ja vom Jahr 1978. Sie selber sind damals zum Studium in Rom gewesen, und 1978 war auch das berühmte "Drei-Päpste-Jahr". Wie haben Sie das erlebt, als knapp zwei Monate nach der Wahl von Johannes Paul I. Johannes Paul II. kam?

Schick: Der Tod von Paul VI. war auch schon eine Erschütterung damals. Der war zwar alt und es war abzusehen, dass er bald sterben würde. Gleichzeitig war es politisch auch eine schwierige Situation. Mit Paul VI. starb auch ein politischer Papst. Dann wurde Johannes Paul I. gewählt.

Ich habe alle Audienzen von Johannes Paul I. miterlebt. Das waren, glaube ich, vier. Zu der Zeit hatte ich Besuch, der immer zu den Audienzen wollte. Er war eine liebenswürdige Persönlichkeit und sprach die Herzen an. Die Italiener waren glücklich. Und dann kam eben der Tod. Ich habe Rom in den vier Jahren, in denen ich da war, nie so still gesehen wie an diesem Tag, als Johannes Paul I. starb.

Und dann kam Johannes Paul II. Da habe ich so eine große Erwartungshaltung gespürt. Da kommt einer aus dem Osten, aus dem kommunistischen System. Das muss Auswirkungen haben für Europa. Zunächst einmal. Das hat es auch gehabt. Jetzt ist ein Lateinamerikaner da, der andere Schwerpunkte setzt.

DOMRADIO.DE: Sie haben sich damals gefragt: Was hat diese Wahl eines Osteuropäers zu bedeuten? Wie würden Sie das heute im Rückblick beurteilen?

Schick: Gespürt habe ich das damals schon. Ich war politisch immer ziemlich interessiert und war auch während der Zeit des Kommunismus in Polen gewesen. Ich habe gespürt, dass etwas Neues kommen wird. Irgendwie war mir klar, der Eiserne Vorhang, das kann so nicht bleiben. Einer hat den schon überschritten und jetzt muss irgendwas folgen. Das ist dann auch so eingetreten und ich bin froh, dass  alles so gekommen ist. Die Vereinigung Europas und auch Deutschlands wäre ohne Johannes Paul II. so nicht vonstatten gegangen - jedenfalls nicht so schnell.

DOMRADIO.DE: Welt und Kirche haben sich seit 1978 verändert. Was sind die Fragen heute für die Zukunft?

Schick: Die internationale Gemeinschaft, das ist mit Papst Franziskus noch einmal deutlicher geworden, dass auch die katholische Kirche eine weltumspannende Kirche ist, dass es eine Globalisierung gibt, die anhält und dass die Kirche hier ihre Rolle wirklich wahrnehmen muss. Es gibt nicht nur eine Globalisierung der Wirtschaft, der Informationen, des Kapitals, sondern auch eine Globalisierung der Werte, der Gerechtigkeit, des Friedens, der Solidarität, weil ohne dass auch die wirtschaftliche Globalisierung und Medien-Globalisierung auch aus dem Ruder laufen können.

Das ist ja das Anliegen von Papst Franziskus, dass er diese internationalen Verflechtungen deutlich macht und sagt: Hier haben wir einen Auftrag. Dazu gehört auch der Auftrag "Bewahrung der Schöpfung". Für Franziskus ist das ja nicht nur eine Frage von Klima und Naturressourcen, sondern der Gemeinschaft aller Menschen auf der ganzen Welt miteinander, die eine gute Zukunft bauen müssen.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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