Fünf Heiligsprechungen im Vatikan - darunter Kardinal Newman
Fünf Heiligsprechungen im Vatikan - darunter Kardinal Newman

13.10.2019

Kardinal Newman - ein Champion für Englands Katholiken Schwieriges Standing in der britischen Gesellschaft

Über Jahrhunderte stand Englands größte Minderheit unter dem Verdacht des Landesverrats. Erst in den vergangenen Jahrzehnten gelang es den "Papisten", sich einen Platz in der britischen Gesellschaft zurückzuerobern.

Guy Fawkes, katholischer Fanatiker aus York, versuchte 1605, das britische Parlament und die Herrschaft von König Jakob I. mit zwei Tonnen Schwarzpulver in die Luft zu jagen. Das Attentat des 5. November, die sogenannte Pulverfass-Verschwörung gegen die Unterdrückung der Katholiken, misslang - und hatte doch schwerwiegende Folgen: Englands größte Minderheit stand fortan über Jahrhunderte unter dem Verdacht des Landesverrats.

Erst in den vergangenen Jahrzehnten ist es ihr gelungen, sich einen Platz in der britischen Gesellschaft zurückzuerobern. Eine Galionsfigur war der Konvertit und Kardinal John Henry Newman (1801-1890), der nun am 13. Oktober im Vatikan heiliggesprochen wird.

Herrscher musste Anglikaner sein

Reich und mächtig war die Kirche im englischen Mittelalter - wie man bis heute an ihren monumentalen Kathedralbauten sehen kann. Doch mächtiger war König Heinrich VIII. Er brach 1533 mit dem Papst in Rom, weil dieser sich weigerte, die Ehe des Königs zu annullieren.

Als Oberhaupt einer neuen Staatskirche setzte sich Heinrich VIII. 1534 selbst ein. Kirche - das hieß in England fortan anglikanisch. Bis 2015 schloss ein Gesetz von 1701, der sogenannte Act of Settlement, jeden von der Thronfolge aus, der "die päpstliche Religion bekennt oder einen Papisten heiratet". Seither bedeutet die Heirat mit einem Katholiken zwar nicht mehr automatisch das Aus; der Herrscher selbst muss aber Anglikaner sein.

Bild des Katholizismus änderte sich

Katholiken führten über Jahrhunderte ein Schattendasein. Zumeist waren es irische Einwanderer, als arme Hungerleider eingetroffen in mehreren Wellen. Katholiken, das waren Ausländer, Unterprivilegierte aus der Arbeiterklasse. Besonders katholisch: das schottische Glasgow. Intellektuell spielte der britische Katholizismus - einige wenige Beispiele wie die anglikanischen Konvertiten Newman oder Gilbert Keith Chesterton (1874-1936) ausgenommen - bis in die 1950er Jahre praktisch keine Rolle.

Es waren vor allem das große karitative und schulische Engagement und eine moralische Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche, die in den vergangenen Jahrzehnten eine gewisse Verbürgerlichung ermöglichten. Irgendwann gab es katholische Ärzte, Rechtsanwälte, Parlamentsabgeordnete. Das Bild des Katholizismus begann sich zu ändern hin zu einer lebendigen, zunehmend akzeptierten und integrierten Konfession.

Prinz  Charles und die anglikalische Kirche

Auch die klischeebeladenen Warnungen vor papistischer Unterwanderung sind Vergangenheit. Indizien für eine wachsende Hoffähigkeit des Katholizismus gab es - bis zum jüngsten Rückschlag des Missbrauchsskandals - in den vergangenen Jahren viele. Da war 2002 die Einladung an den Kardinal von Westminister, vor Königin Elizabeth II. zu predigen. Da war der Übertritt von Ex-Premier Tony Blair in die katholische Kirche 2007. Auch die deutlichen Warnungen der katholischen Kirche vor einem ungerechtfertigten Krieg im Irak und andere öffentliche Stellungnahmen sorgten für mehr moralisches Gewicht.

Die vielleicht tiefste Wunde fügte wohl Prinz Charles der angeknacksten anglikanischen Seele zu. Der geschiedene, dann verwitwete, inzwischen wiederverheiratete Thronfolger, womöglich künftiges Oberhaupt der Staatskirche von England, verschob im Frühjahr 2005 seine Hochzeit: aus Rücksicht ausgerechnet auf die Beisetzung von Papst Johannes Paul II., vor dessen Sarg sich in Rom auch die britischen Spitzen von Kirche - und Staat - versammelten.

"Viel Selbstvertrauen verloren"

Experten bescheinigen Großbritanniens Katholiken großen Einsatz im praktischen sozialen Leben, aber einen eher defensiven, wenig missionarischen Geist - typisch für eine lange diskriminierte Minderheitenkirche. Gleichwohl, so der Jesuit Oliver Rafferty, habe es in den 50er Jahren noch rund 10.000 Konvertiten pro Jahr gegeben.

In den vergangenen Jahren sei die Zahl vernachlässigbar geworden - wohl auch eine Folge der allgemeinen Säkularisierung und der Missbrauchsskandale. Rafferty: "Bei allem, was der Katholizismus in den vergangenen 50 Jahren gewonnen hat, hat er doch viel von seinem Selbstvertrauen verloren. Er wird zwar gesellschaftlich voll akzeptiert, hat aber manche Züge aufgegeben, die einst seine besondere Präsenz ausmachten."

Alexander Brüggemann
(KNA)

Messenger-Gemeinde

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 15.11.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Vorlesetag in katholischen Büchereien
  • Zwischen Meditation und Gesängen: Entspannen im Kloster
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Comic Festival in Köln
  • Sophie von Bechtolsheim über ihren Großvater Graf von Stauffenberg
  • Caritas-Aktion: "Brille am Dom"
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Comic Festival in Köln
  • Sophie von Bechtolsheim über ihren Großvater Graf von Stauffenberg
  • Caritas-Aktion: "Brille am Dom"
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Das Kölner Kinderfilmfestival "Cinepänz"
  • Hochwasser in Venedig
  • So war der bundesweite Vorlesetag
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Das Kölner Kinderfilmfestival "Cinepänz"
  • Hochwasser in Venedig
  • So war der bundesweite Vorlesetag
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Aktion "Brille am Dom": Caritas fordert Unterstützung für Einkommensschwache
  • Vorlesetag: Das war heute los
  • Stadt oder Land? - Autor Jan Brandt über die Wohnungssuche
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff