Neher: Kritik an Sparbeschluss der Bischöfe
Symbolbild Kirche und Geld

18.09.2019

Der Vatikan muss seine finanzielle Lage verbessern Dem Papst fehlt für die große Reform viel Geld

Im Vatikan berät erneut der Kardinalsrat die Kurienreform, mit der Franziskus ihn beauftragt hat. Erschwert wird diese durch Geldsorgen. Auch eine Finanzreform wäre nötig.

Es ist das 31. Treffen des Rates, den Franziskus unmittelbar nach seiner Wahl im Frühjahr 2013 berufen hat und der inzwischen nur noch aus sechs Kardinälen sowie zwei Sekretären besteht. Befassen wird man sich vor allem mit den Rückmeldungen zur neuen Kurienordnung. Im April hatten sie ihren Entwurf zur neuen Konstitution "Praedicate evangelium" (Verkündet das Evangelium) an Bischofskonferenzen, Ordensleitungen, Kurienchefs und andere Fachleute verschickt.

Unkenntnis über Einkommen, Vermögen und Ausgaben

Eventuell sprechen die päpstlichen Berater auch über ein anderes, für die Reform nicht unerhebliches Problem: fehlendes Geld. Kardinal Reinhard Marx als Chef des Wirtschaftsrates wird deswegen am Freitag die Chefs der Kurienbehörden treffen. Franziskus habe ihn dazu beauftragt, schrieb das "Wall Street Journal".

Bei dem Treffen könnte Marx die Dikasterienchefs erneut darauf einschwören, sparsamer zu wirtschaften. Die Schwierigkeiten beginnen damit, dass der Vatikan selbst nicht genau weiß, wie viel Einkommen, Vermögen und Ausgaben er hat. Seitdem im Frühjahr 2017 das vatikanische Presseamt letztmalig so etwas wie einen Finanzbericht vorgelegt hat - Eckdaten des Budgets von 2015 -, ist noch unklarer, wie genau es um die Vatikanfinanzen steht.

Dem Schlüsselressort für Finanzen fehlt der Kopf

Tendenziell bewegt sich der Heilige Stuhl (die Leitungsbehörde der Weltkirche) eher in den roten, der Zwergstaat Vatikan hingegen in den schwarzen Zahlen. Konkret: 2015 machte der Heilige Stuhl 12,4 Millionen Euro Miese, während der Vatikanstaat ein Plus von knapp 60 Millionen meldete. Absolute Zahlen enthielten die Finanzübersichten ohnehin nicht. Aber sie gaben Anhaltspunkte.

Das alles sollte mit der Kurienreform besser werden. Doch just die Finanzbehörden sind seit langem unterbesetzt. Dem Wirtschaftssekretariat, als Schlüsselressort für die Finanzen gedacht, fehlt seit dem Weggang von Kardinal George Pell im Juli 2017 der Kopf. Den Posten des Generalrevisors hat Franziskus zwar im Januar gestärkt, wiederbesetzt hat er ihn aber nicht. Der energische Australier Pell hatte versucht, sich bei allen Behörden ein klares Bild zu verschaffen, war aber gegen italienische Gummiwände gerannt und hatte sich viele Gegner gemacht.

Vergleichsweise gut lief hingegen die von Benedikt XVI. begonnene Reform der sogenannten Vatikanbank IOR und der Finanzaufsicht AIF. Letztere ist allerdings nur für die Kontrolle etwaiger illegaler Aktivitäten zuständig. Das IOR hat etliche zweifelhafte Konten ausgemistet, seine Investmentpolitik ethisch überarbeitet, führte aber zuletzt deutlich weniger Gewinn an den Papst ab. Von 69,3 Millionen im Jahr 2014 halbierte er sich bis 2017 auf 31,9 Millionen, um 2018 abermals abzusacken - auf nur noch 17,5 Millionen Euro.

Fokus auf Spenden und Eintrittsgelder

Die Einnahmen sind das Problem für den Vatikan. Er zieht keine Steuern ein, sondern lebt von Spenden und Eintrittsgeldern. Allein die Vatikanischen Museen kassieren jährlich einen höheren zweistelligen Millionenbetrag. Allerdings werden die Museen in dieser Hinsicht mehr "gemolken" als ihnen gut tut. Die amerikanischen "Patrons of the Arts in the Vatican Museums" veranlasste dies dazu, ihre Spendengelder runterzufahren.

Beim Heiligen Stuhl kommen die Spenden vor allem aus der jährlichen weltweiten Kollekte für den Papst, dem "Peterspfennig", sowie aus freiwilligen Überweisungen von Diözesen, etwa aus USA, Deutschland, Italien und Polen. Wegen des Missbrauchsskandals haben Spenden aus USA deutlich nachgelassen. Hinzu kommt Kritik an römischem Missmanagement, das etwa mit Spenden Haushaltslöcher kirchlicher Krankenhäuser stopfte. Missmanagement stellt aber auch die Vermietung teils erstklassiger Immobilien weit unter Wert dar.

Widerstand gegen externe Berater

Um die Personalkosten zu reduzieren, werden seit 2017 frei werdende Stellen nicht wiederbesetzt und Beschäftigungsverhältnisse auf zehn Jahre begrenzt, damit keine Pensionsansprüche entstehen. Dies hat einiges bewirkt, reicht bilanztechnisch aber nicht aus. Gegen externe Berater, die Arbeitsabläufe und Kostenstrukturen prüfen, gebe es in einigen Behörden anhaltenden Widerstand, berichten Angestellte.

Auf die Frage, ob der Papst nicht einfach durchgreifen könne, antworten Vatikankenner mit dem Bonmot eines Vorgänger-Papstes: "Meine Macht reicht von meinem Schreibtisch bis zur Tür." Ab dort sei er auf den guten Willen seiner Mitarbeiter angewiesen. Unfähige oder Unwillige zu entlassen, macht sich für einen christlichen Arbeitgeber nicht gut. Um bessere Leute anzuwerben, darunter mehr Nichtkleriker, wie vom Kardinalsrat empfohlen, fehlt dem Papst wiederum das Geld. Wer eine Familie zu ernähren hat, braucht mehr Gehalt als ein Priester; dieser wiederum ist von seinem Bischof leichter zu versetzen.

Roland Juchem
(KNA)

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