Vatikanexperte Nersinger: Kongregation muss Schwierigkeiten beiseite schaffen
Vatikanexperte Nersinger: Kongregation muss Schwierigkeiten beiseite schaffen
Vatikanexperte Ulrich Nersinger
Vatikanexperte Ulrich Nersinger

10.09.2019

Vatikanexperte über viel diskutierte Seligsprechungen "Das Wunder ist nicht das Allerwichtigste"

Der Pallottiner-Pater Richard Henkes wird an diesem Wochenende seliggesprochen. Der Vatikanexperte Ulrich Nersinger erinnert sich aus diesem Anlass an überraschende und viel diskutierte Seligsprechungen aus der Vergangenheit.

DOMRADIO.DE: Sie haben selbst Ihr Studium bei der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen absolviert und waren an Selig- und Heiligsprechungsprozessen begeiligt. Wie sieht denn die Arbeit so einer Kongregation konkret aus?

Ulrich Nersinger (Vatikanexperte, war an einigen Selig- und Heiligsprechungen beteiligt): Die Kongregation tritt dann in Erscheinung, wenn der betreffende Fall - in der Fachsprache heißt es "Causa" - in der Diözese, wo sie angefangen hat, schon bearbeitet wurde; wenn alles Material gesammelt und nach Rom geschickt wurde.

Dort in Rom sitzt dann ein Sachbearbeiter, in der Fachsprache heißt der Relator. Der kümmert sich um die Materialien, die er aus der Diözese bekommen hat und erstellt daraus eine sogenannte Positio, also eine Darlegung des Falles. Er achtet natürlich darauf, dass er alles einbaut, dass er die Tugenden darlegt und im Fall eines Martyriums den Ablauf des Martyriums darlegt. Diese Positio wird verschiedenen Gremien in der Kongregation vorgelegt, die darüber abzustimmen haben.

Wenn diese verschiedenen Gremien dann positiv entschieden haben, wird die Sache schließlich dem Papst vorgelegt. Der Papst entscheidet letztendlich, ob diese Causa einen positiven Ausgang nimmt. Wenn das geschehen ist, schließt sich noch ein weiteres Verfahren über ein Wunder an. Und dann ist es Sache des Papstes, einen endgültigen Schritt zu setzen.

DOMRADIO.DE: Das heißt, zu den Kriterien für eine Seligsprechung gehört das Wunder mit dazu?

Nersinger: Ja. Das Wunder ist aber nicht das Allerwichtigste. Vielfach wird es als die Krönung begriffen oder als sehr wichtig. Das ist es eigentlich nicht. Das Wunder wird als Digitus Dei genommen, als Fingerzeig Gottes. Also, Gott selber sagt: Hier ist etwas Übernatürliches geschehen - auf die Fürsprache des betreffenden Mannes oder der betreffenden Frau hin. Also, es ist nicht das Allerwichtigste. Und wir wissen ja, der Papst kann sogar von einem Wunder dispensieren, also jemanden von einem Wunder entbinden.

DOMRADIO.DE: Können Sie sich an Fälle erinnern, die vielleicht in der Prüfungsphase und der Arbeit der Kongregation besonders überraschend waren?

Nersinger: Ja, es gibt eine ganze Reihe von solchen Causae, bei denen man überrascht war, wie sie letztendlich ausgegangen sind. Zu meiner Zeit während des Studiums gab es solche Fälle.

Und es gibt ein ganz klassisches Beispiel aus dem letzten Jahrhundert, nämlich den Fall der Anna Katharina Emmerick. Schon relativ früh nach ihrem Tod waren die ersten Schritte eingeleitet worden. Anfang des vergangenen Jahrhunderts sah das alles sehr gut aus. Und dann zeigte sich ein großes Problem: Die Visionen von Anna Katharina Emmerick sind ja durch Clemens von Brentano aufgeschrieben worden. Und die Kongregation hat sich gefragt: Was ist denn jetzt eigentlich von Anna Katharina Emmerick und was ist von Clemens von Brentano? Man kann gar nicht genau sagen, was wirklich die echten Aussagen sind und was der Dichter dazugedichtet hat.

Man hat also den Fall ruhen lassen und ihn nicht weiter verfolgt. Papst Paul VI. war dann aber sehr interessiert an der Mystik der Anna Katharina Emmerick und hat den Fall neu aufgerollt. Er hat gesagt: Wir trennen ihr Dulderleben von ihren Visionen. Und so ist der Fall positiv ausgegangen.

Ein anderer Beispielfall, der auch im letzten Jahrhundert spielt: Kaiser Karl von Österreich. Von ihm hat man gesagt: Sein Leben ist eigentlich heroisch, aber eine Seligsprechung wird politisch heikel werden. Sie kann vereinnahmt werden, kann auch von Monarchisten benutzt werden, um es politisch auszubeuten. Letztendlich hat man dann den Kern seines Lebens herausgearbeitet und von der Politik getrennt. Es gibt also immer wieder Fälle, wo man sehen muss, wie man Schwierigkeiten beiseite schaffen kann.

Das Interview führte Martin Mölder.

(DR)

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