Wo und wie Päpste Urlaub machen
Wo und wie Päpste Urlaub machen
Ulrich Nersinger trifft Franziskus
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Papst Benedikt XVI. im Urlaub im italienischen Aosta-Tal bei Les Combes
Papst Benedikt XVI. im Urlaub im italienischen Aosta-Tal bei Les Combes
Papst Franziskus auf Werbeplakat
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Papst Johannes Paul II. im Jahr 1987
Papst Johannes Paul II. im Jahr 1987

22.07.2019

Vatikanexperte über die Urlaube der Päpste Wie findet ein Pontifex Erholung?

Ferienzeit ist Reisezeit und Gelegenheit zur Erholung. Bei Päpsten kann dies ganz unterschiedlich aussehen. Während der eine gerne Skifahren gegangen ist, lässt sich der andere nur schwer dazu überreden, mal eine Auszeit einzulegen.

DOMRADIO.DE: Franziskus hat seine Generalaudienzen für die nächsten Wochen ausgesesetzt, das heißt aber nicht, dass er an den Strand fährt... 

Ulrich Nersinger (Vatikanexperte): Nein, es ist leider jedes Jahr das gleiche Drama. Man versucht ihn irgendwie zu überreden, doch etwas Urlaub zu machen, mal in die Vatikanischen Gärten zu gehen oder einen Ausflug in die Umgebung zu machen. Aber es ist fast jedes Jahr das gleiche Spiel: Der Papst lässt sich nicht so richtig zu einem Urlaub überreden.

DOMRADIO.DE: Das geht sogar so weit, dass er selber sagt, das letzte Mal, dass er wirklich Urlaub gemacht hat, war 1975. Ist das nicht ein bisschen unverantwortlich als Hauptverantwortlicher der katholischen Kirche, sich nicht mal zur Ruhe kommen zu lassen?

Nersinger: Ich weiß, dass man wirklich bemüht ist, ihm zu sagen, Sie müssen das und das einmal machen, um etwas auszuspannen. Er hat die Vatikanischen Gärten vor der Haustür und man bietet ihm auch an, dahinzufahren, wo auch frühere Päpste schon kleine Sommerurlaub gemacht haben. Leo XIII. hatte eine kleine Palazzina, in der er sich erholte. Johannes XXIII. hat dazu einen Turm genutzt. Aber es scheint doch sehr schwierig zu sein, den Papst auch nur von einem kleinen Ausflug zu überzeugen.

DOMRADIO.DE: Wenn wir uns zurückerinnern an frühere Päpste, dann spricht man immer von Castel Gandolfo, der Sommerresidenz der Päpste in den Albaner Bergen, ungefähr 30 Kilometer südlich von Rom.

Nersinger: Das ist ganz interessant zu sehen. Bis zum Ende des Kirchenstaates war Castel Gandolfo die bevorzugte Sommerresidenz der Päpste und auch noch nach 1929. Aber die Päpste des 19. Jahrhunderts haben Castel Gandolfo eher zu einem Ausgangspunkt genommen. Die sind sehr viel in die Umgebung geritten. Pius IX. galt als herausragender Reiter, der die ganze Gegend durchstreifte und auch in Ortschaften hielt und in die Häuser hineinging. Von ihm wird sogar berichtet, dass er dann die Küchen aufsuchte und hineinschaute, was in den Kochtöpfen war.

DOMRADIO.DE: Man spricht auch darüber, dass in Castel Gandolfo die Wirtschaft zusammenbrechen könnte, weil die Touristen nicht mehr kommen, wenn der Papst nicht mehr da ist.

Nersinger: Das ist leider eine Sache, die vielleicht auch vom Papst nicht bedacht wurde. Man hat Castel Gandolfo zwar zum Museum ernannt und es gibt Ausflüge dorthin. Aber es ist natürlich nicht mehr das, was man früher kannte. Und die Bevölkerung hat – wenn es auch nur wenige Monate waren, die der Papst da war – davon gelebt. Und da trauert man diesen Zeiten doch nach.

DOMRADIO.DE: Gibt es denn für Päpste überhaupt die Möglichkeit, irgendwo inkognito hinzugehen? Als Papst ist man ja eines der bekanntesten Gesichter der Welt. Mir fällt ein, dass Johannes Paul II. immer wieder mal in Skimontur in den Alpen unterwegs war.

Nersinger: Da gab es teilweise abenteuerliche Unternehmungen, sodass man den Vatikan mehr oder weniger geheim verlassen hat, um dem Papst kleine Ausflüge zu ermöglichen. Von so etwas war Johannes Paul II. sehr schnell zu überzeugen. Und es gibt eine ganze Reihe von Berichten darüber, wie der Papst inkognito da hinkam. Aber nach einer gewissen Zeit hat man natürlich auch das gewusst und dann fand sich auf den eigentlich verborgenen Skipisten doch der ein oder andere, der mal einen Blick auf den Papst werfen wollte.

DOMRADIO.DE: Gibt es denn so Gerüchte auch über Franziskus? Oder ist es definitiv so, dass er im Vatikan bleibt?

Nersinger: Gerüchte gibt es. Aber dass er jetzt einen richtigen Urlaub draußen macht oder Urlaubsausflüge, glaube ich nicht. Er macht manchmal Ausflüge – auch unangekündigt –, aber ich würde die nicht mit dem Begriff Urlaub verbinden.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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