Papst Pius XI.
Papst Pius XI.

16.06.2019

Reihe: Kurioses aus päpstlichen Gefilden Ein Papst auf dem Matterhorn

Ulrich Nersinger bietet jeden Sonntag als versierter Vatikankenner einen nicht alltäglich Blick hinter die Kulissen des Heiligen Stuhls. Heute: Ein Papst auf dem Matterhorn.

Johannes Paul II. und Benedikt XVI. verbrachten bisweilen in den Sommermonaten Tage ihres jährlichen „Urlaubs“ in den Alpen und unternahmen dort gemütliche Bergwanderungen. Einer ihrer Vorgänger war hingegen vor seiner Wahl zum Oberhirten der katholischen Kirche um Professionalität in der Bezwingung von Bergen bemüht. Pius XI. (1922-1939) wird oft als der Papst der Gelehrten betrachtet. Der Pontifex hatte sich vor allem als Wissenschaftler einen Namen gemacht — als Professor am Priesterseminar in Mailand sowie als vielgerühmter Präfekt der Ambrosiana und der Vatikanischen Bibliothek. Achille Ratti war jedoch auch auf gänzlich anderem Gebiet nicht unbekannt; er galt als ein passionierter Bergsteiger, der sogar Erstbesteigungen vorweisen konnte und eine nicht unbedeutende Zahl alpinistischer Schriften verfasst hatte.

Die Qualitäten eines Bergsteigers bestimmten sein Leben, seinen starken und entschlossenen Charakter. Selbst kleine Vorfälle, die eher mit Humor zu betrachten sind, geben davon Zeugnis. Der 80-jährige Bischof von Foligno, Monsignore Corbini, bat den Papst in einer Audienz, ihn von der Leitung der Diözese zu entlasten, da ihm die Jahre schon stark zusetzten. Der gleichaltrige Papst gab ihm prompt zur Antwort: „Wir spüren die Jahre nicht!“ Die Verhandlungen zu den Lateranverträgen von 1929, die mit der Gründung des Vatikanstaates gekrönt wuden, gestalteten sich nicht einfach. Oft drohte ein Scheitern. Immer wieder griff Pius XI. persönlich ein. Der passionierte Bergsteiger in ihm erklärte seinen Mitarbeitern: „Gratwanderungen dürfen uns nicht erschrecken.“

Größter Gletscher Patagoniens nach Pius XI. benannt

Seine Kenntnisse von der Welt der Berge setzte der Pontifex auch für die Glaubensverkündigung und die Seelsorge ein. Im Jahre 1923 bestimmte Pius XI. den hl. Bernhard von Aosta (+ um 1081), den Begründer des weltberühmten, auf den Passhöhen des Großen Sankt Bernhard gelegenen Hospizes, zum Patron der Bergsteiger und Alpenbewohner. Die Augustiner-Chorherren des Hospizes, die allesamt über hohe alpinistische Befähigungen verfügten, betraute er mit einer äußerst schwierigen Aufgabe — der katholischen Mission auf dem Dach der Welt, in Tibet.

Alpenvereine und Bergsteigervereinigungen in aller Welt bedachten den Papst mit zahlreichen Auszeichnungen - und auch Benennungen diverser Lokalitäten. In Chile wurde der größte Gletscher Patagoniens nach Pius XI. benannt: „El Glaciar Pio XI“. Von der mehr als sieben Kilometer breiten, bis zu 70 Meter hohen Front des Gletschers stürzen die vom südlichen patagonischen Eis stammenden Brocken in den Eyre Fjord; der auf der Höhe des Berges Fitz Roy und der Ortschaft Puerto Edén gelegene Gletscher bietet ein eindrucksvolles Naturschauspiel, er dringt etwa zehn Kilometer pro Jahr ins Landesinnere vor. In den Ötztaler Alpen trägt die auf 2.543 Meter gelegene Weißkogelhütte auf Italienisch die Bezeichnung „Rifugio Pio XI alla Palla Bianca“.

Erstbesteigung der Dufourspitze von Osten

Zu den gut zwanzig großen Touren, die Achille Ratti zwischen 1885 und 1913 unternahm, gehörte im Juli und August 1889 die Route: Monte Rosa — Erstbesteigung (!) der Dufourspitze von Osten — Überschreitung des Zumsteinsattels — Matterhorn — Theodulpass. In der Dunkelheit der Nacht brachen Ratti und seine Gefährten am 7. August zum Matterhorn auf. Für die Sektion Mailand des italienischen Alpenclubs beschrieb er das alpine Wagnis:

"Wir begannen den Aufstieg auf dem gewöhnlichen Wege, von Fels zu Fels, von Grat zu Grat, von Seil zu Seil, bis wir unter der ,Schulter’ des Matterhorns zurückkehrenden Bergsteigern begegneten. Von ihren Führern erfuhren wir, dass der Schnee auf der Spitze nicht sehr haltbar sei, und dass an einzelnen Stellen auch Neuschnee die Felsen leicht bedecke. Da wir den Aufbruch spät begonnen hatten, waren wir gleich anfangs auf einen schweren Anstieg und jetzt noch auf mehr Arbeit oben gefasst. Wir gingen also hinauf, indem wir streng ausführten, was Whymper in der Beschreibung seiner schwierigen Erstbesteigung sagte: ‚Vorsicht und Langsamkeit werden hier zur Notwendigkeit’ — und wir fanden uns ausgerechnet an der Stelle, an der Whymper die angeführten Worte ausgesprochen hatte. Von Zermatt gesehen, erscheint die Seite unersteigbar. In Wirklichkeit ist sie es nicht für den, der sich auf die Sicherheit seiner Füße und die Kraft seiner Arme verlassen kann, besonders bei Schneeverhältnissen, wie wir sie vorfanden. Endlich erreichten wir den Gipfel. Die scheidende Sonne goss ihre letzten Strahlen auf das weite, unbeschreibliche Rundgemälde: nie werde ich die furchtbare Schönheit der Abgründe vergessen, die unter dem Gipfel nach dem Valtournanche senkrecht in der Tiefe gähnten. Aber die Sonne ging unter. Eine eisige Luft mahnte zum Abstieg. Unser Kamerad François Bich, dessen einer Fuß wahrscheinlich infolge Überanstrengung auf den letzten Felsen schmerzte, übergab die Führung an Josephe Gadin, dem ich folgte. Kaum begannen wir abzusteigen, als wir den Einfluss der Kälte bemerkten: der Schnee war mit einer Eisschicht bedeckt.

Immer mehr machte sich die Notwendigkeit äußerster Vorsicht bemerkbar: die Schnelligkeit des Abstiegs, zu der die späte Stunde aufforderte, musste der Sicherheit geopfert werden. Aber Gadin war auf Schnee und Eis in seinem Element. Nur einer allein durfte sich auf einmal bewegen. An den schwierigen Stellen, wenn Gadin mich fest und sicher wusste, bat er mich, das Seil zu halten; ich sah ihn unter mir, aufrecht am Abgrund, sicher und geschickt mit dem Pickel arbeiten. Jemand fragte mich, was bei einem etwaigen Absturz Gadins geschehen wäre. Mir zu allererst hätte dieser Gedanken kommen müssen, und doch dachte ich keinen Augenblick daran, da ich sah, wie er arbeitete. Auch hätte ich ihn allein halten können. Eine Zeitlang hatten wir gehofft, eine Hütte rechtzeitig genug zu erreichen, um die Nacht dort zuzubringen. Es kam aber anders; dicht unter der ‚Schulter’ machten wir Halt.

Da das Wetter immer noch herrlich war, verbrachten wir die Nacht sorglos da, wo wir uns gerade befanden. Ich kann sagen: wir wurden reichlich belohnt! Die eigenartige Gestalt des Matterhorns, die vollkommene Einsamkeit, in der es seine gigantische Spitze zum Himmel hebt, die Mannigfaltigkeit der Landschaft unter uns, ließen mir diese Nacht in mancher Hinsicht noch schöner erscheinen als jene, die ich fast eine Woche zuvor auf der Spitze des Monte Rosa zugebracht hatte. Wir waren alle in bester Stimmung. Doch die Kälte war schneidend, und da wir Hände und Füße fortwährend bewegen mussten, fühlten wir, dass wir den Abstieg nicht beginnen konnten, ehe die Sonnenwärme uns wieder geschmeidig gemacht hätte. Nachdem wir den Aufstieg der Sonne und ihr langsames Emporsteigen beobachtet hatten, stiegen wir ab."

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