Joseph Zen Ze-kiun und Papst Franziskus
Joseph Zen Ze-kiun und Papst Franziskus

22.11.2018

Kardinal Zen will sich ins Kloster zurückziehen und schweigen "Ich kann nicht gegen den Papst kämpfen"

Im schwierigen Dialog zwischen dem Vatikan und der chinesischen Führung in Peking ist Kardinal Zen der schärfste Kritiker des Papstes. Nun zieht er sich zurück, das habe er vor wenigen Tagen dem Papst in einem umfassenden Brief mitgeteilt.

Kardinal Zen werde sich in ein Kloster zurückziehen und künftig nicht mehr mit Journalisten sprechen. Bis zuletzt hatte der 86-jährige frühere Bischof von Hongkong versucht, eine Übereinkunft Roms mit dem kommunistischen Regime in Peking zu verhindern. Nach der Verkündung einer Vereinbarung Ende September sprach er von von einem "unglaublichen Verrat".

Vor wenigen Tagen nach Rom gereist

Zen berichtet in dem Interview, er sei vor wenigen Tagen nach Rom gereist, um Papst Franziskus persönlich einen sieben Seiten umfassenden Brief zu überreichen. Er habe sichergehen wollen, dass dieser das Schreiben auch erhält, da er der Umgebung des Papstes nicht traue. Bereits im Frühjahr hatte er angekündigt, im Fall einer Einigung seinen Kampf aufzugeben.

Der Vatikan und China hatten im September ein "vorläufiges Abkommen" zur Ernennung von Bischöfen geschlossen. Papst Franziskus erkannte acht regierungstreue Bischöfe an, die ohne päpstliche Zustimmung geweiht worden waren. Damit stehen erstmals seit über 60 Jahren alle katholischen Bischöfe Chinas in Gemeinschaft mit Rom.

Diplomatische Beziehungen seit 1951 unterbrochen

Die Ernennung katholischer Bischöfe und die Anerkennung bereits amtierender regierungstreuer, aber ohne Zustimmung Roms geweihter Oberhirten waren entscheidende Hindernisse in der Annäherung beider Länder. Deren diplomatische Beziehungen sind seit 1951 unterbrochen.

Derzeit ist der Großteil der geschätzt 13 Millionen Katholiken in China in der staatlich zugelassenen "Patriotischen Vereinigung" organisiert. Daneben besteht eine sogenannte Untergrundkirche mit mehr als 30 Bischöfen ohne staatliche Genehmigung. Von den etwa 65 regierungstreuen Bischöfen waren einige nicht von Rom anerkannt. Dass sich der Papst die letzte Entscheidung über Bischofskandidaten vorbehält, sah Peking bislang als Einmischung in innere Angelegenheiten. Laut Beobachtern zielt die Einigung auf einen pragmatischen Umgang mit der Frage.

Teile der chinesischen Kirche hatten die Verhandlungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Peking mit Sorge verfolgt. Kardinal Zen warf dem Vatikan Naivität vor und warnte vor einem "Ausverkauf" der Kirche in China. Er forderte Kardinal Pietro Parolin zum Rücktritt wegen "Verrats des katholischen Glaubens" auf. Parolin liefere seine Herde "den Wölfen zum Fraß".

(KNA)

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