Plakat: Neben den Heiligen Pius X., Johannes Paul II. und Johannes XXIII., sind auch der aktuelle Papst Franziskus und Papst Paul VI. abgebildet
Plakat: Neben den Heiligen Pius X., Johannes Paul II. und Johannes XXIII., sind auch der aktuelle Papst Franziskus und Papst Paul VI. abgebildet

14.10.2018 - 00:00

Viel Kritik an Heiligsprechung von Päpsten durch Päpste "Selbstbeweihräucherungen einfach mal aussetzen"

Die Päpste versehen immer mehr Päpste mit Kirchenehren. "Santo subito!" – der Ruf beim Tod Johannes Pauls II. ist ein augenfälliges Signal: Die Kirche scheint dabei, ihre eigenen Standards auszuhöhlen.

Am Sonntag (14. Oktober) wird Papst Paul VI. (1963-1978) auf dem Petersplatz heiliggesprochen - jener Papst, der das Zweite Vatikanische Konzil zum Ende brachte und die Kirche auf weltweiten Reisen für die Anliegen der Armen öffnete. "Der Pillen-Paul heilig?", fragen Kritiker. Und der Potsdamer Historiker Rene Schlott nennt die Amtszeit "glücklos und allenfalls durchschnittlich". Doch von solchen inhaltlichen Erwägungen ganz abgesehen: Die Bilder gleichen sich. Für drei Viertel der Päpste des 20. Jahrhunderts laufen Selig- oder Heiligsprechungsverfahren, oder sie sind schon abgeschlossen.

Die "Akkumulation von Heiligsprechungen von Päpsten durch Päpste" rufe inzwischen "selbst bei gläubigen Katholiken ein gewisses Stirnrunzeln hervor", kritisiert der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück in der "Neuen Zürcher Zeitung" – und fragt: "Steht die Selbstsakralisierung der Institution Kirche nicht in krassem Missverhältnis zu den Krisen und Skandalen, die in letzter Zeit publik geworden sind?"

"Das Papsttum feiert sich selbst"

Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf greift den Ball auf – und wird sogar noch deutlicher: Blicke man darauf, wer heiligspricht, nämlich ausschließlich der amtierende Papst, müsse man sagen: "Das Papsttum feiert sich selbst", so Wolf im Interview der Verlagsgruppe Bistumspresse. Er fragt: "Ist es angemessen, dass die Kirche sich und ihre obersten Repräsentanten feiert, wo sie eigentlich in Sack und Asche gehen müsste?" In Zeiten von Missbrauchsdebatten könne es ein Zeichen sein, solche "Selbstbeweihräucherungen einfach mal auszusetzen".

Kein Selig- oder Heiligsprechungsverfahren gibt es bislang für Leo XIII. (1878-1903), Pius XI. (1922-1939) und für Benedikt XV. (1914-1922), den hoch verehrten Friedenspapst des Ersten Weltkriegs. Der fromme Pius X. (1903-1914) wurde 1951 von Pius XII. (1939-1958) selig- und 1954 heiliggesprochen. Für diesen wiederum, Papst des Zweiten Weltkriegs, wurde 2009 der sogenannte heroische Tugendgrad festgestellt; für eine Seligsprechung fehlt aber noch das vorgeschriebene Wunder.

Selig- und Heiligesprechungen

Der Konzilspapst Johannes XXIII. (1958-1963) wurde 2000 unter Johannes Paul II. seliggesprochen – freilich im Doppelpack gemeinsam mit dem streng konservativen Pius IX. (1846-1878). Für den "lächelnden", volksnahen 33-Tage-Papst Johannes Paul I. (1978) wurde das Verfahren bereits unter seinem Nachfolger gestartet, 2003; 2017 wurde ihm der "heroische Tugendgrad" zuerkannt. Und wieder Johannes Paul II. (1978-2005) leitete 1993 das Verfahren auch für Paul VI. (1963-1978) ein. Seiner Seligsprechung 2014 – zusammen mit der Heiligsprechung eben jenes Johannes Paul II. – folgt nun auch seine Heiligsprechung.

Der Papst aus Polen, ein Mystiker vor dem Herrn, wollte der Welt und der Kirche des blutigen 20. Jahrhunderts Vorbilder geben – auch solche, an die man sich noch zu Lebzeiten erinnert. Dafür warf er eine Maschinerie der Selig- und Heiligsprechungen an, die bis heute auf vollen Touren läuft. Auch und gerade er selbst wurde davon erfasst. Schon bei seinem Tod standen die "Santo subito"-Rufer bereit. Und Benedikt XVI. (2005-2013) gab ihnen nach, setzte die Verfahrensordnung außer Kraft – so dass sein direkter Vorgänger quasi auf der Überholspur zur Heiligsprechung gelangte: selig 2011, heilig 2014.

"Nach den Regeln der historischen Kunst"

Der Experte Wolf bemängelt, in den beiden Historikerkommissionen für die Verfahren von Johannes Paul II. und Paul VI. seien jeweils die Akten und Quellen nicht "nach den Regeln der historischen Kunst" geprüft worden. Zum einen seien gar nicht alle Akten freigegeben worden; zum anderen habe es schlicht an Zeit gefehlt. Jeder Märtyrer für den Glauben im Nationalsozialismus habe es schwerer, heiliggesprochen zu werden als ein Papst.

Der Dogmatiker Tück sieht die gegenseitigen Ehrenbezeugungen der Päpste nicht selten jeweils kirchenpolitisch motiviert; sozusagen als Kronzeugen der eigenen Gesinnung im Himmel. Ein Grund mehr, dass die Kirche nicht ohne Not ihre Standards aufweichen sollte - die sie selbst schon vor Jahrhunderten eingezogen hat, eben weil es allüberall "Santo subito"-Rufe gab.

Auch für Benedikt XVI. und Franziskus stünden ohne Zweifel bereits jeweilige Rufer bereit. Wichtiger als Zugeständnisse an die Volksseele und an die Mediengesellschaft scheint aber dieser Tage zu sein, dass der Kirche neue Glaubwürdigkeit nachwächst, um das christliche Zeugnis im 21. Jahrhundert zu erneuern.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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