Bilder der neuen Heiligen am Petersdom
Bilder der neuen Heiligen am Petersdom
Blick während der Heiligsprechungsfeier auf den Petersplatz
Blick während der Heiligsprechungsfeier auf den Petersplatz
Papst Franziskus blickt nach vorn
Papst Franziskus bei der Heiligsprechungsfeier auf dem Petersplatz
Bischöfe bei der Heiligsprechungsfeier im Vatikan
Bischöfe bei der Heiligsprechungsfeier im Vatikan
Heiligsprechungsfeier in Rom: Gläubige auf dem Petersplatz
Heiligsprechungsfeier in Rom: Gläubige auf dem Petersplatz
Eine Frau mit einem Bild von Oscar Romero
Teilnehmerin bei der Heiligsprechung u.a. von Erzbischof Oscar Romero
Priester tragen Gewänder mit dem Bildnis von Oscar Romero
Priester tragen Gewänder mit dem Bildnis von Oscar Romero

14.10.2018

Papst spricht Paul VI., Oscar Romero und deutsche Nonne heilig Neue Heilige für die Kirche

Papst Franziskus hat in Rom seinen Vorgänger Paul VI. und den ermordeten salvadorianischen Erzbischof Romero heiliggesprochen. Neben diesen wurden fünf weitere in das Verzeichnis der katholischen Heiligen aufgenommen, darunter Katharina Kasper.

Franziskus würdigte Paul VI. als "Prophet einer hinausgehenden Kirche, die Weitblick hat und sich um die Armen kümmert". Seine bleibende Mahnung an die Kirche sei das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), dessen "weiser Steuermann" Paul VI. gewesen sei. Sein Wirken als Papst sei aber auch von "Mühen und von Unverständnis" begleitet gewesen, sagte Franziskus. Besonderen Nachhall fand der als Giovanni Battista Montini bei Brescia geborene Paul VI. vor allem durch seine Enzyklika "Humanae vitae" (1968) zur Sexualethik. Wegweisend war aber auch sein Lehrschreiben "Populorum progressio" (1967) zu globaler Entwicklung und wirtschaftsethischen Fragen.

An Romero hob Papst Franziskus dessen Nähe zu den Armen und zum Volk hervor. Romero habe "auf weltliche Absicherungen, ja auf seine eigene Sicherheit" verzichtet, "um evangeliumsgemäß sein Leben hinzugeben". In ähnlicher Weise hätten auch Katharina Kasper und die übrigen Heiligen "ohne Lauheit, ohne Berechnung, mit der Leidenschaft, etwas zu riskieren und loszulassen", in der Nachfolge Jesu gelebt. Unter Paul VI. endete 1965 das Zweite Vatikanische Konzil, bei dem die Kirche ihre Haltung zur modernen Welt reformierte.

Erzbischof Romero, ein wichtiger Vertreter der Befreiungstheologie, wurde 1980 nach seinem Eintreten gegen die salvadorianische Militärjunta erschossen. Katharina Kasper gründete 1845 einen Verein für Kranken- und Altenpflege, aus dem später die Kongregation der Dernbacher Schwestern hervorging. Heute zählt sie rund 600 Schwestern.

Ohne Papst Benedikt XVI.

Zu der Heiligsprechung reisten zahlreiche hohe Delegationen nach Rom, unter ihnen die Staatschefs von El Salvador, Panama und Chile. Zu Ehren der aus Spanien stammenden Ordensgründerin Nazaria Ignazia March Mesa (1889-1943) nahm die spanische Königin Sofia an der Zeremonie teil.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. blieb der Feier fern. Der 91-Jährige sei nicht mehr so agil wie noch vor einigen Monaten, sagte Kardinal Angelo Becciu, Präfekt der Heiligsprechungskongregation, im Vorfeld. Paul VI. hatte bei seinem letzten Konsistorium am 27. Juni 1977 Joseph Ratzinger, den späteren Benedikt XVI., in den Kardinalsstand erhoben.

Kardinal Angelo Becciu, Präfekt der Heiligsprechungskongregation, hob in seiner Vorstellung der Heiligen den Einsatz des späteren Paul VI. für verfolgte Juden hervor. Giovanni Battista Montini war von 1937 an in leitender Position im vatikanischen Staatssekretariat tätig. Den ermordeten salvadorianischen Erzbischof Romero würdigte Becciu für seinen Einsatz für Arme inmitten "sozialer und politischer Unterdrückung". Die Westerwälderin Katharina Kasper habe trotz einfacher Herkunft ein großes Werk der Verkündigung und der Förderung des Sozialwesens ins Leben gerufen, sagte Becciu.

Papst: "Jesus ist radikal. Er gibt alles und verlangt alles"

Beim Gottesdienst trug Papst Franziskus einen Gürtel, den Romero im Augenblick seiner Ermordung am Altar getragen hatte. Außerdem benutzte der Papst ein Messgewand seines Vorgängers Paul VI. und dessen Kelch. Während der Heiligsprechungsfeier sagte Papst Franziskus, die Kirche müsse sich von alten Sicherheiten verabschieden. Sie müsse sich fragen, ob sie nur gute Gebote predige oder Jesus in Liebe nachfolge. Sie müsse um die Gnade bitten, Reichtum und "Sehnsucht nach Status und Macht" loszulassen.

Franziskus kritisierte in der Kirche einen Ballast, der ihre missionarische Sendung bremse, und weltliche Bindungen. Ohne einen "Fortschritt in der Liebe" erkrankten das Leben der Christen und die Kirche an "egozentrischer Selbstgefälligkeit". Dabei ende man bei einem Leben "ohne Schwung, wo ein wenig Narzissmus die Tristesse des Unvollendet-Bleibens überdeckt", so der Papst.

"Jesus ist radikal. Er gibt alles und verlangt alles: er gibt totale Liebe und verlangt ein ungeteiltes Herz", sagte der Papst. Jesus gebe sich "mit einem Prozentsatz an Liebe nicht zufrieden: wir können ihn nicht mit zwanzig, fünfzig oder sechzig Prozent lieben. Entweder alles oder nichts", sagte Franziskus. Reichtum sei gefährlich, weil ein Zuviel-Haben und Zuviel-Wollen das Herz ersticke. "Wo das Geld im Mittelpunkt steht, gibt es keinen Platz für Gott und auch keinen Platz für den Menschen", sagte der Papst.

(KNA)

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