Chiles Staatspräsident, Sebastian Pinera, besucht Papst Franziskus
Chiles Staatspräsident, Sebastian Pinera, besucht Papst Franziskus

13.10.2018

Chiles Präsident beim Papst Missbrauch im Mittelpunkt

Der Missbrauchsskandal in Chile bestimmt seit Wochen die innenpolitische Debatte. Er war auch das beherrschende Thema des Besuchs von Chiles Präsident Sebastian Pinera im Vatikan sein.

Oft gilt das Verhältnis von Papst Franziskus zu konservativen Staatschefs auf seinem Heimatkontinent als eher unterkühlt. Mit Argentiniens Präsident Mauricio Macri zum Beispiel fand Franziskus bislang kaum eine Basis, dafür aber pflegt er einen regen Austausch mit Boliviens sozialistischem Präsidenten Evo Morales.

Am Wochenende kommt mit Chiles Präsident Sebastian Pinera ein konservativer lateinamerikanischer Präsident in den Vatikan, dessen Mithilfe der Papst in der aktuell schwierigen Lage gut gebrauchen könnte. Denn im Heimatland Pineras bestimmt ein Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche seit Monaten die Schlagzeilen. Genauer gesagt, seit dem Papstbesuch in Chile zu Jahresbeginn. Da hatte Franziskus allerdings kaum Zeit für den gerade ins Amt gewählten Politiker.

Pinera kommt als Kritiker der Kirche

Nur ein kurzes Treffen gab es mit Pinera während der Visite. Aus Protokollgründen, hieß es damals. Denn die Amtsübergabe von Michelle Bachelet, heute UN-Menschenrechtskommissarin, war nach den Wahlen noch nicht erfolgt. Die chilenische Presse nahm das Kurztreffen am Rande des Programms verwundert zur Kenntnis und fragte sich, warum Pinera nicht mehr Aufmerksamkeit eingeräumt wurde.

Inzwischen haben sich die Vorzeichen geändert. Pinera kommt als Kritiker der Kirche in den Vatikan und als Sieger einer langjährigen juristischen Auseinandersetzung mit Bolivien vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. In dieser Angelegenheit hatte Morales immer wieder versucht, Franziskus auf seine Seite zu ziehen, was in Chile argwöhnisch verfolgt wurde.

Den Haag aber entschied vor einigen Tagen, dass Chile nicht mit Bolivien über einen Meereszugang verhandeln muss. Der Papst hatte einen brüderlichen Dialog vorgeschlagen. Das empfahl das Gericht auch, allerdings ohne rechtlich bindende Wirkung.

Missbrauchsskandal wird im Vordergrund stehen

Wenn Pinera am Samstagvormittag den Papst trifft, wird aber vor allem der Missbrauchsskandal in Chile im Vordergrund stehen. Pinera amtiert seit März als Staatsoberhaupt, nachdem er diese Position schon einmal von 2010 bis 2014 bekleidete. Es ist sein erster Besuch bei Franziskus. 2011 war er bei dessen Vorgänger Benedikt XVI. (2005-2013) zu Gast.

Im aktuellen Skandal übte Pinera scharfe Kritik an der Kirche. Sie habe im Umgang mit Missbrauchsfällen schwerwiegende Fehler begangen, sagte der Regierungschef im Juli. Es schmerze ihn, dass hohe Würdenträger um die Taten zwar gewusst, sie aber verheimlicht hätten.

Erst kürzlich bekräftigte Pinera diese Kritik. So etwas dürfe sich nie mehr wiederholen, forderte er. Ein Onkel des Staatspräsidenten, Bernardino Pinera Carvallo, ist emeritierter Erzbischof von La Serena. Der heute 103-Jährige war von 1983 bis 1990 Leiter des Erzbistums Serena und von 1984 bis 1988 Vorsitzender der Chilenischen Bischofskonferenz.

Kardinal Ezzati schweigt zu Vorwürfen

Im Brennpunkt des chilenischen Missbrauchsskandals steht der inzwischen 88 Jahre alte Priester Fernando Karadima, der 2011 wegen sexueller Vergehen verurteilt wurde. Aus seinem Kreis gingen mehrere Bischöfe hervor, unter ihnen auch Juan Barros von Osorno, der von Opfern Karadimas der Mitwisserschaft beschuldigt wird.

Papst Franziskus hatte zur Klärung der Vorwürfe einen Sondergesandten nach Chile geschickt und die gesamte Chilenische Bischofskonferenz in den Vatikan gebeten. Inzwischen nahm Franziskus neben dem Rücktritt von Barros sechs weitere Rücktrittsgesuche von Bischöfen an.

Zuletzt rückten auch die beiden Kardinäle Ricardo Ezzati und Francisco Errazuriz ins Zentrum der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, Missbrauchsfälle im Erzbistum Santiago vertuscht zu haben. Beide weisen die Vorwürfe zurück. Ezzati entschied sich bei der Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft, zu der Angelegenheit zu schweigen.

Von Tobias Käufer

(KNA)

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