Heiligenverehrung in China
Heiligenverehrung in China

24.09.2018

Was hinter dem Abkommen zwischen dem Vatikan und China stecken könnte Das Reich der Mitte auf Kuschelkurs?

Seit fast 70 Jahren ruhten die diplomatischen Beziehungen zwischen China und dem Vatikan. Katholiken werden noch immer in der Volksrepublik verfolgt. Nun gibt es ein historisches Abkommen. Aber alle Probleme scheinen längst nicht gelöst.

DOMRADIO.DE: Zunächst zur Klärung der Situation in China: Die katholische Kirche ist dort in zwei Lager gespalten, eine vom Staat anerkannte katholische Kirche und eine inoffizielle Untergrundkirche. Kann man das so sagen?

Katharina Wenzel-Teuber (Katholisches China Zentrum in Sankt Augustin): Ja, im Prinzip ist das so. Natürlich sind die Übergänge fließend. Das sind also nicht zwei Blöcke, die sich gegenüberstehen. Sondern es gibt auch im Untergrund Kirchenangehörige mit guten Kontakten zur lokalen Regierung oder in der offiziellen Kirche Leute, die sich auch mal gegen Übergriffe der Regierung wehren.

Es ist ein historisches Problem. Im Jahr 1957 wurde in China von chinesischen Katholiken auf Druck der Regierung die patriotische Vereinigung der chinesischen Katholiken gegründet, die die Unabhängigkeit von Rom in ihren Statuten hat. Erstmals seit 1958 kam es in China zu Weihen von Bischöfen ohne päpstliche Ernennung.

Es ist aber nicht ganz so, dass die kommunistische Partei Chinas die Bischöfe einsetzt. Es gibt im Moment hundert Bischöfe in China. 64 davon gehören der offiziellen, von der Regierung anerkannten Kirche an. Aber nur sieben von ihnen sind von Rom bisher nicht anerkannt. Das heißt, die meisten in der offiziellen Kirche sind auch bisher schon vom Papst anerkannt. Es gibt 36 von der Regierung nicht anerkannte Bischöfe im Untergrund, die eben nur vom Papst anerkannt sind. Das Ganze hat natürlich immer viel Leid verursacht, wie man sich vorstellen kann.

DOMRADIO.DE: Jetzt gibt es die Vereinbarung zwischen dem Vatikan und China. Der Wortlaut ist nicht ganz bekannt, aber es heißt, dass China den Papst darin offiziell anerkennt. Dafür darf China aber bei der Ernennung der Bischöfe mitreden. Ist es auch die Information, die Sie haben?

Wenzel-Teuber: Ein bisschen anders ist es wohl. Wir haben natürlich nur das, was man lesen kann. Der Wortlaut wurde nicht veröffentlicht. Das heißt, über den genauen Inhalt des Abkommens kann man nur spekulieren.

Aber nach dem, was vorher von Vatikan-Journalisten durchgesickert ist, soll das Abkommen so aussehen, dass Bischofskandidaten - wie das bisher schon in den von der Regierung vorgesehenen Verfahren lokal exerziert wird - in den Diözesen von diözesanen Gremien in China gewählt werden. Dann sollen sie von der offiziellen Bischofskonferenz in China, die bisher von Rom nicht anerkannt ist, zugelassen werden und die Namen der Kandidaten an den Papst weitergegeben werden. Der erkennt sie dann an oder legt ein Veto ein.

Neu ist eben dieser Schritt, also dass überhaupt der Papst gefragt werden soll.

DOMRADIO.DE: Nun gibt es für diesen möglichen Fortschritt in der Beziehung zwischen dem Vatikan und China Applaus. Es gibt aber auch viel Kritik. Der emeritierte Bischof von Hongkong, Kardinal Zen, sagt, der Vatikan sei naiv, wenn er dieses Abkommen jetzt abschließt. Was sagen Sie dazu?

Wenzel-Teuber: Ich weiß nicht, ob man es als naiv bezeichnen sollte. Aber es gibt natürlich bei diesem Abkommen auch erhebliche Risiken. China wird sicherlich auch versuchen, auf die Wahl der Kandidaten Einfluss zu nehmen. Das hat die Regierung bisher schon getan. Wie weit wird sie dabei gehen? Das ist eine Frage. Wird sie das Abkommen einhalten? Dann besteht darin ein Problem, dass dieser Wechsel in der Haltung des Vatikans natürlich auch Irritationen in der chinesischen Kirche unter den Katholiken auslöst.

Dazu kommt auch, dass im Zuge dieses Abkommens der Vatikan auch sieben illegitime Bischöfe auf Forderungen der chinesischen Seite anerkennen wird. Auch das verstehen viele chinesische Katholiken nicht. Es ist jetzt wohl auch so, dass der Druck auf den Untergrund sicherlich zunimmt. Kardinal Zen zum Beispiel hat gemeint, die Regierung könnte nun sagen: "Der Heilige Stuhl stimmt uns schon zu. Jetzt müsst ihr uns auch gehorchen." Diese Probleme könnten auch jetzt noch kommen.

Und auch die Frage nach der Zukunft der 36 Untergrundbischöfe steht im Raum. Über die wurde wohl nicht verhandelt. Sie sind weiter aus chinesischer Sicht illegitim und es soll in künftigen Verhandlungen noch über sie beraten werden. Aber das ist bisher noch unklar.

DOMRADIO.DE: Papstfreundliche Kreise loben das Abkommen als historischen Fortschritt. Kann man dies so bezeichnen?

Wenzel-Teuber: Es ist auf jeden Fall das erste Abkommen zwischen der kommunistischen Volksrepublik China und dem Heiligen Stuhl überhaupt. Die Beziehungen waren abgebrochen und insofern ist es auf jeden Fall als historisch zu kennzeichnen.

Nach den Worten von Kardinalstaatssekretär Parolin ist es das Ziel, realistische pastorale Lösungen für die chinesischen Katholiken zu finden und die Einheit zu fördern. Auch in der chinesischen Kirche gibt es durchaus Personen, die das positiv sehen. Wenn es keine illegitimen Bischöfe mehr gibt, können die auch in Zukunft nicht mehr als Sand im Getriebe von der chinesischen Regierung eingesetzt werden. Das war nämlich bisher der Fall, indem man immer versucht hat, bei Bischofs- und Priesterweihen die illegitimen Bischöfe einzubinden und dadurch alles in ein kirchenrechtliches Zwielicht zu rücken.

Wenn das Abkommen funktioniert, wird es zukünftig auch keine Bischöfe mehr geben, die vom Papst nicht anerkannt sind. Das hat natürlich auch seine guten Seiten.

DOMRADIO.DE: Welches Interesse hat denn der chinesische Staat, mit der Kirche zusammenzuarbeiten? Gibt es da zwischen katholischer Kirche und Staat gemeinsame Interessen?

Wenzel-Teuber: Ich denke, China hat zum einen gemerkt, dass die chinesischen Katholiken illegitime Bischöfe, die vom Papst nicht anerkannt sind, nicht akzeptieren. Damit haben diese Bischöfe natürlich auch - wenn sie aus kirchlicher Sicht nicht legitim sind - keine Autorität und helfen sozusagen der Regierung nicht.

Zum anderen, denke ich, hat China auch erkannt, dass der Vatikan auch eine "Soft power" in der Welt darstellt und dass es interessant sein kann, mit ihm zusammenzuarbeiten - auch für das internationale Ansehen Chinas.

China steht ja auch immer wieder in der Kritik - auch wegen der Verletzung von Religionsfreiheit, gerade jetzt auch wieder.

DOMRADIO.DE: Welche Hoffnungen und Wünsche für die katholische Kirche haben Sie denn?

Wenzel-Teuber: Natürlich hoffen wir, dass es bei allen Risiken doch zu mehr Einheit und Versöhnung kommen kann. Ganz wichtig ist, dass auch für die Untergrundbischöfe eine gute Lösung gefunden wird. Der Dialog soll ja weitergehen. Und da hoffe ich, dass auch weitere Probleme, die noch vorhanden sind, gelöst werden können.

Natürlich wünschen wir den chinesischen Katholiken, dass sie trotz aller Einschränkungen weiter so mutig und engagiert wie bisher in China das Evangelium leben und auch weitergeben können.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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