Kolumbien schaut Richtung Vatikan
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Michael Koch soll Annette Schavan (r.) beerben
Michael Koch soll Annette Schavan (r.) beerben

30.05.2018

Völkerrechtsexperte Koch wird neuer Botschafter im Vatikan Profilierter Kenner und Mann der leisen Töne

Nach der Politikerin Annette Schavan soll wieder ein erfahrener Diplomat Botschafter der Bundesrepublik beim Papst werden. Der Völkerrechtsexperte Michael Koch gilt als Kenner Asiens und als Mann der leisen Töne.

Der Völkerrechtsexperte Michael Koch (62) soll deutscher Botschafter im Vatikan werden. Er werde Annette Schavan als Vertreterin der Bundesrepublik ablösen, bestätigte die Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl am Mittwoch einen Bericht der "Rheinischen Post". Schavans Amtszeit endet Ende Juni.

Gelernter Diplomat

Mit Koch übernimmt wieder ein gelernter Diplomat die deutsche Vertretung im Vatikan. Die frühere Bundesbildungsministerin Schavan war 2014 die erste Frau in diesem Amt. Sie war als Politikerin und damit ohne diplomatische Ausbildung in den Vatikan gegangen. Zuvor war mit Philipp Jenninger (1995 -1997) ein deutscher Vatikan-Botschafter aus der Politik gekommen.

Koch stammt aus einer Diplomatenfamilie. Entsprechend international ist sein Lebenslauf: Geboren in Kansas City in den USA, besuchte er Schulen in Amsterdam, Bonn, Ottawa und Rabat. Er studierte Jura an den Universitäten Tübingen und Bonn. Von 1982 und 1986 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationales Recht der Universität Kiel.

1986 trat Koch in den Auswärtigen Dienst ein und war nach der Attache-Ausbildung von 1987 bis 1988 Referent in der Unterabteilung für die Europäische Gemeinschaft in Bonn. Während seiner anschließenden Tätigkeit am Generalkonsulat in San Francisco von 1988 bis 1991 wurde er 1990 an der Uni Bonn mit einer Dissertation zur Einführung eines Grundrechtskataloges in Großbritannien zum Doktor der Rechte promoviert.

Seine Kontakte zu den USA verstärkte er zwischen 1991 und 1995 als stellvertretender Büroleiter und Büroleiter des Koordinators der Bundesregierung für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit, Werner Weidenfeld. Auf weiteren Stationen sammelte der Diplomat große Erfahrungen in Asien: Er gilt als einer der profiliertesten Kenner der an Konflikten reichen Region um Indien, Pakistan und Afghanistan.

Ständiger Vertreter des deutschen Botschafters in Myanmar

Bis 1998 übernahm er zunächst die heikle Aufgabe des Ständigen Vertreters des deutschen Botschafters in Myanmar, das sich damals international stark isoliert hatte. Nach der Leitung des Arbeitsstabs "Zukunftsperspektiven des Auswärtigen Dienstes" in der Zentralabteilung des Auswärtigen Amtes wurde er zwischen 2001 und 2004 Leiter der Politischen Abteilung der Botschaft in Indien und danach Chef des Sonderstabes Afghanistan im Auswärtigen Amt in Berlin.

2008 folgte dann der Karrieresprung zum Botschafter in Pakistan.

Anschließend übernahm er die Aufgabe eines Sonderbeauftragten der Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan. Seit Juli 2015 ist der erfahrene Diplomat Völkerrechtsberater der Bundesregierung und Leiter der Rechtsabteilung im Auswärtigen Amt.

Dreifacher Familienvater

Der dreifache Familienvater Koch, der mit der Juristin Ingrid Jahn-Koch verheiratet ist und den amerikanischen Neurowissenschaftler Christof Koch zum Bruder hat, wird als Mann der leisen Töne beschrieben. Zugleich wird er für seine akribische Arbeitsweise, sein gründliches Denken und sein großes Fachwissen gelobt. Er sei ein Diplomat der alten Schule, der sich als "Diener seines Landes" empfinde, heißt es.

Das Amt des Botschafters beim Heiligen Stuhl gehört seit 1954 zu den herausgehobenen Posten im Auswärtigen Dienst. Es ist von der Besoldungsstufe her mit den Botschaftern in Washington, Paris, London und Moskau gleichgestellt. Die Stelle wurde immer wieder gerne an verdiente Diplomaten vergeben.

Zu den Aufgaben gehört der Kontakt zu vatikanischen Entscheidungsträgern, die Berichterstattung über Positionen des Vatikan und die Betreuung offizieller Besucher aus Deutschland, die Pflege kultureller Beziehungen und der Kontakt zum deutschen Episkopat.

Bei der Entsendung des ersten Vatikan-Vertreters 1954 hatte die Bundesrepublik beschlossen, dass die deutschen Vertreter abwechselnd Protestanten und Katholiken sein sollten. Von diesem Prinzip wurde allerdings mehrfach abgewichen. Schavan war die erste Katholikin in dieser Position seit 2002.

Die ersten ständigen diplomatischen Vertretungen deutscher Staaten beim Heiligen Stuhl gab es Anfang des 16. Jahrhunderts. Bayern war seit Beginn des 17. Jahrhunderts, Preußen seit 1747 im Kirchenstaat vertreten. Der Kaiser hatte bis 1806 einen Botschafter akkreditiert.

Christoph Arens
(KNA)

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